„Divergierende Geldpolitik – Übereinstimmende Fiskalpolitik“

Während mit der Ernennung von Dr. Urjit Patel als neuen Präsident der Zentralbank von Indien auf politische Kontinuität und Unabhängigkeit der Zentralbank mit Blick auf Bekämpfung der Inflation Wert gelegt wird, scheint sich die geldpolitische Ausrichtung in Japan und den USA weiter in die entgegengesetzte Richtung zu entwickeln….


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Stefan Scheurer Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research 


So zeugten taubenhafte Töne von Gouverneur Kuroda davon, dass bei der anstehenden geldpolitischen Sitzung zwar mit weiteren Maßnahmen gerechnet werden dürfte, doch es seien primär jene Maßnahmen, die bereits in den letzten 20 Jahren allesamt wirkungslos waren, keinesfalls aber „Helikoptergeld“. Hawkische Kommentare kamen hingegen vom stellvertretenden Vorsitzenden der US-Federal Reserve Stanley Fischer, der die US-Notenbank „nah an unseren Zielen“ sieht und somit eine Zinserhöhung in diesem Jahr durchaus als realistisch erachtet. Er kommt damit ähnlichen falkenhaften Kommentare einzelner Fed-Mitglieder, u.a. San Francisco Fed-Präsident Williams, der letzten Wochen gleich, so dass die impliziten Wahrscheinlichkeiten für einen nächsten Zinsschritt bis Dezember 2016 wieder knapp über 50% gestiegen sind.    

Die Währungsmärkte werden in diesem Kontext auch zunehmend sensitiver gegenüber Kommentaren von Notenbankern: Der US-Dollar ging fester und führte u.a. dazu, dass der Ölpreis nachgab und die Währungen der Emerging Markets unter Druck gerieten – die chinesische Notenbank legte den Wechselkurs des Renminbi zum Greenback auf den niedrigsten Stand seit Mitte Juli fest. Am Freitag spricht die Fed-Präsidentin Janet Yellen in Jackson Hole. Signale, ob mit einer weiteren Normalisierung der US-Geldpolitik im Laufe des Jahres oder gar womöglich schon in Kürze gerechnet werden kann, werden mit Spannung erwartet. Denn nach Jahren der stark expansiven und unkonventionellen Geldpolitik, scheint die Wirksamkeit weiterer monetärer Stimuli auf Konjunktur und Inflation zunehmend ausgereizt zu sein.

Die Stimmen in Richtung Fiskalpolitik werden zwischenzeitlich lauter, trotz einer in den Industriestaaten hohen Staatsverschuldung – die Niedrig-/Negativzinsen könnten dazu verleiten. So hat Japan bereits ein Fiskalpaket vorgestellt, während in UK die Regierung voraussichtlich ihr fiskalisches Sparprogramm im Zuge der Brexit-Entscheidung zurücknehmen dürfte. In den USA sollte mit einer finanzpolitischen Lockerung in 2017 gerechnet werden, unabhängig wie die Präsidentenwahl im Herbst ausgehen möge, während im Euroraum die Haushaltsvorschriften deutlich flexibler interpretiert werden könnten (siehe dazu unsere Studie zum „Abstieg vom Schuldengipfel“).

Die kommende Kalenderwoche beginnt in den USA u.a. mit dem von der US-Notenbank bevorzugtem Inflationsbarometer – dem sogenannten „Kern-PCE-Deflator“ für die persönlichen Konsumausgaben, der Lebensmittel und Energie nicht berücksichtigt. Im weiteren Wochenverlauf finden einzelne Frühindikatoren, wie unter anderem der Chicagoer Einkaufsmanagerindex (Mi) – der im Großraum Chicago ermittelte Index wird als Indikator für den gesamtnationalen Konjunkturindikator gesehen – bzw. der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Do) große Beachtung. Beide Indikatoren könnten sich laut Konsensus leicht abzuschwächen und zusammen mit einem leichten Rückgang des Konsumentenvertrauens (Di) könnte es ein nachlassendes Wirtschaftsmomentum in den USA im zweiten Halbjahr andeuten.

Im Euroraum werden im Laufe der Woche die vorläufigen Verbraucherpreisdaten für August bekannt gegeben. Vor dem Hintergrund gestiegener Rohstoffpreise könnten die Verbraucherpreise nicht zuletzt aufgrund vorteilhafter Basiseffekte leicht angestiegen sein. Das wirft allerdings im Gegenzug die Frage auf, in wie weit die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) davon betroffen sein könnte. Die nächste Ratssitzung steht am 8.September an und die Flucht der Anleger in die „sicheren Häfen“ hat die Sorgen um eine Verknappung des für die EZB erwerbbaren Anleiheuniversums erneut in den Blickpunkt gerückt. Währenddessen richtet sich der Fokus im Vereinigten Königreich auf das GfK Konsumentenvertrauen (Di) bzw. den Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Do). Zunehmende Rezessionsanzeichen dürften nun sichtbar werden. Brexit wirft seine Schatten voraus.

In Asien richtet sich das Augenmerk neben dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China (Di) – jüngste Konjunkturdaten deuten auf eine zyklische Abschwächung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte hin –, vor allem auf Japan. Neben den Einzelhandelsumsätzen (Mo) und der Industrieproduktion (Di), dürften auch die Unternehmensgewinne japanischer Unternehmen für das abgelaufene zweite Quartal von Interesse sein (Mi) (siehe Grafik der Woche). Der wieder stärkere Yen dürfte wie auch beim japanischen Konsumentenvertrauen (Fr) seine Bremsspuren hinterlassen haben.

Auch wenn die Bullen im Markt zuletzt leicht Zulauf erfahren haben, scheint zumindest gemäß der American Association of Individual Investors der relativ hohe Anteil der „Unentschlossenen“ das geringe Volumen im Markt widerzuspiegeln. Und eine Volatilität, die fast 40% unterhalb ihres 30- Jahres-Durchschnitts liegt, zeugt zudem von einer abwartenden Haltung, insbesondere vor der mit Spannung erwarteten Rede von Janet Yellen in Jackson Hole.

Quelle: BondWorld.ch