„Drei Fragen für die zweite Halbzeit“

Im Großen und Ganzen lässt sich die Entwicklung von Konjunktur und Kapitalmärkten in der ersten Hälfte des Jahres 2017 wohl als ordentlich bezeichnen…….

Ann-Katrin Petersen Vice President,  Global Economics & Strategy


Fast vergessen scheinen inzwischen die durch politische Unwägbarkeiten – Stichwort: „Superwahljahr in Europa“ – hervorgerufenen Sorgenfalten zu Jahresbeginn. Während der ein oder andere den Sommer für eine halbzeitliche Verschnaufpause nutzt, rücken mit Blick auf die zweite Jahreshälfte insbesondere drei Fragen in den Anlegerfokus:

  1. Behalten die Wachstumskräfte die Oberhand? Nach wie vor steht die Entwicklung an den Börsen im Zeichen der Erwartung, dass sich die globale Konjunktur auf kurze Sicht beschleunigen wird. Und tatsächlich befindet sich die Weltwirtschaft im Aufschwung. Besonders in den Industrieländern ist die wirtschaftliche Stimmung gut. Aber auch in den Schwellenländern hat sich die konjunkturelle Situation merklich verbessert. Mit einer weiteren Zunahme des Konjunkturtempos ist allerdings nicht durchweg zu rechnen. Vielmehr scheint das Ende weiterer positiver Datenüberraschungen absehbar. Gleichzeitig dürften Länderunterschiede wieder stärker in den Vordergrund rücken. Insbesondere der Euroraum sollte dabei im regionalen Vergleich bis auf Weiteres positiv hervortreten
  2. Inflationsanstieg: War’s das? Die Gesamtinflationsraten bewegen sich zwischen temporären Effekten und schleppenden Trends: Während der Inflationsschub durch die im Jahresvergleich höheren Ölpreise wie erwartet allmählich nachlässt, haben sich die sinkenden Arbeitslosenquoten in den großen Industrieländern noch nicht in einem spürbaren Lohnauftrieb niedergeschlagen. Die Notenbankwelt übt sich daher vornehmlich in Geduld. Denn prinzipiell bleibt das Reflationierungsszenario – eine fortschreitende Konjunkturerholung bei moderat steigenden Inflationsraten – intakt.
  3. Gelingt den Notenbankern ein behutsamer Kurswechsel? Während der verhaltene Inflationsdruck den Zentralbanken von Washington über Frankfurt bis Tokio bisweilen Kopfzerbrechen bereitet, bleibt ihre Marschrichtung offensichtlich: eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitik. Diese ist nicht zu verwechseln mit einer Straffung. So werden in den USA die Zinsen zwar schrittweise erhöht, sie bleiben aber gemessen am Preisauftrieb niedrig. Die sich abzeichnende Rückführung der aufgeblähten Zentralbankbilanz wird Jahre in Anspruch nehmen. Im Euroraum wiederum bewegt sich die Europäische Zentralbank (EZB) nur in Trippelschritten in Richtung „QE-Exit“. Ob und in welchem Maße es beim Kurswechsel zu erhöhten Marktschwankungen kommt, hängt insbesondere von einem sorgfältigen Erwartungsmanagement der Notenbanken im Hinblick auf ihre Ausstiegsstrategien ab. Dies hat nicht zuletzt die jüngste Euro-Aufwertung gezeigt.

Verstehen. Handeln. 

Was lässt all dies für die Finanzmärkte erwarten? Weltweit dürften die Wachstumskräfte vorerst die Oberhand behalten und den Aktienmärkten Rückenwind liefern (siehe auch unsere Grafik der Woche). 

Allerdings drängt der Dreiklang aus einer bisweilen euphorischen Wirtschaftsstimmung, die wenig Luft nach oben lässt, aus Notenbanken, die den kommunikativen Balanceakt zwischen Normalisierung und Straffung zu meistern haben, und aus den gegenwärtig aus dem Blick geratenen politischen Risiken die Frage auf, ob die Allzeittiefs bei Volatilitätsindizes berechtigt sind. 

In diesem Umfeld ist das Fingerspitzengefühl aktiver Fondsmanager gefragt. Sie können die sich bei Schwankungen und durch Länderunterschiede ergebenden Gelegenheiten beim Schopfe packen. 

Nutzen Sie die zweite Halbzeit für Ihr Portfolio, meint Ihre Ann-Katrin Peterse

Quelle: BondWorld