„ Drei Gründe, um aktiv zu werden“

Es ist kein Geheimnis, dass aktives Management in letzter Zeit von vielen Anlegern infrage gestellt wurde. So sind in den letzten drei Jahren 1,3 Billionen US-Dollar aus aktiven Fonds in passive Anlagestrategien geflossen….


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld Click here to register for your free copy 


Greg Meier  US Investment Strategist, Vice President


Diese Umschichtungen sind – so groß ihr Umfang auch ist – aus drei Gründen fehlgeleitet:

Erstens sollte bei einer angemessenen Bewertung einer Anlagestrategie ein vollständiger Marktzyklus zugrunde gelegt werden. Dieser Grundsatz gewinnt zentrale Bedeutung, wenn man sich veranschaulicht, wie ungewöhnlich lang der gegenwärtige Zyklus bereits anhält: Der USAktienindex S&P 500 hat in den siebeneinhalb Jahren seit dem Ende der Finanzkrise keinen Bärenmarkt mehr erlebt. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass die Erholung von der Großen Rezession – der schärfsten seit 80 Jahren – inzwischen die viertlängste Konjunkturerholung in den USA darstellt. Gleichzeitig ist der derzeitige Bullenmarkt in den USA der zweitlängste überhaupt.

Das bedeutet: Seit der Trendwende am Markt im März 2009 hat das stetig steigende Kursniveau von riskanten Anlagegattungen den Bedarf an Absicherung gegen Abwärtsbewegungen verringert – ein Bereich, in dem aktive Manager in der Vergangenheit ihre Expertise unter Beweis gestellt haben. So haben aktive Manager im US-Standardwertesegment – einem der am stärksten von Wettbewerb geprägten Märkte weltweit – während des Platzens der Technologieblase von 2000-2002 und während der Finanzkrise 2008-2009 passive Strategien um 471 bzw. 100 Basispunkte geschlagen.

Wir sind fest davon überzeugt, dass aktive Manager dank der fundamentalen Analyse von Unternehmen besser imstande sind, aufkommende Marktturbulenzen abzusehen und mit diesen umzugehen. Denn aktive Manager können davon profitieren, dass sie Anlagen mit unterdurchschnittlicher Wertentwicklung untergewichten oder einfach zugunsten von Liquidität umschichten. Wenn sich die Lage an den Märkten verschlechtert, sind passive Vehikel nicht nur dem vollen Abwärtsrisiko des abgebildeten Index ausgesetzt, sondern sollten unter Berücksichtigung der Gebühren sogar schlechter als der Index abschneiden.

Zweitens kaufen passive Anleger Indexfonds häufig aus taktischen statt strategischen Gründen. Das bedeutet, dass sie rasch Positionen auf- und wieder abbauen möchten. Doch bei starken Kursschwankungen an den Märkten reicht häufig die Liquidität nicht aus, um Transaktionen effizient ausführen zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Blitz-Crash“ vom 24. August 2015, bei dem der Dow Jones Industrial Average Index kurzzeitig um 1.000 Punkte fiel. Dabei entkoppelten sich die Kurse einiger verbreiteter Exchange-Traded Funds (ETFs) vom Wert der zugrundeliegenden Vermögenswerte. Beispielsweise verlor ein 2,5 Mrd. Dollar schwerer ETF für US-Aktien aus dem Bereich Klassischer Konsum 32 % seines Werts, während die Kurse der Unternehmen im Fonds lediglich um 9 % sanken. Wie man sieht, können Transaktionen mit schlechtem Timing in Vehikeln, die die Anleger für hochliquide halten, zu übermäßigen Verlusten führen.

Drittens haben passive Strategien von noch nie dagewesenen geldpolitischen Anreizen der Notenbanken profitiert. Seit der Finanzkrise haben alle bedeutenden Notenbanken Programme zur Ausweitung der Geldmenge („Quantitative Easing – QE“) aufgelegt, die den fundamentalen Preisfindungsprozess der Anleger verzerrt haben. Die jüngste von den Notenbanken verursachte Geldschwemme hat die Kurse an den Finanzmärkten allgemein nach oben getrieben, was zu einem Anstieg der Korrelation der Anlageklassen untereinander geführt hat. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt: Bei niedrigen Korrelationen sollten die Aktienkurse stärker von unternehmensspezifischen Gegebenheiten bestimmt werden. Sind die Korrelationen dagegen hoch, verlieren die Fundamentaldaten der Unternehmen – und die entsprechenden Analysen aktiver Manager – an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund ist es ermutigend, dass einige Notenbanken dabei sind, ihre Geldpolitik zu normalisieren, oder dies zumindest erwägen. Angesichts der guten Lage am US-Arbeitsmarkt und sich beschleunigender Inflation sind die Vertreter der US-Notenbank bestrebt, den ersten Zinsanhebungszyklus seit einem Jahrzehnt fortzusetzen. Im Euroraum scheinen Vertreter der Europäischen Zentralbank die Möglichkeit zu erörtern, das QE-Programm schrittweise auslaufen zu lassen. Selbst die neue Politik der japanischen Notenbank, die auf eine Steuerung der Zinskurve abzielt, könnte zu einem geringeren Tempo der Käufe von Vermögenswerten führen.

Eine Rückführung der geldpolitischen Stützungsmaßnahmen ist ein natürlicher Bestandteil des Konjunkturzyklus. Ein solcher Schritt dürfte die Korrelation der Anlageklassen untereinander wieder sinken lassen und wäre ein weiteres Argument, als Anleger aktiv zu werden und zu bleiben.

Quelle: BondWorld.ch