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DWS : Ausblick auf die EZB-Sitzung am 10. Juni 2021

DWS : EZB-Sitzung –  Überraschungen? Wohl eher nicht. Warten auf September

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von Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa


Seit Wochen wird an den Kapitalmärkten darüber spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung im Juni Veränderungen an ihrem geldpolitischen Kurs vornehmen könnte.

Schließlich haben sich mit Impffortschritt und mehreren Öffnungsschritten die Aussichten für die Erholung der Wirtschaft verbessert und einige europäische Zentralbanker denken offen über einen möglichen Ausstieg nach.

Wir erwarten allerdings, dass die EZB in der zweiten Juni-Woche noch keine Änderungen vornehmen wird. Umfang und Laufzeit des Pandemic Emergency Purchase Pogramme (PEPP) dürften nicht angetastet werden. Heikler dürfte aber die Frage sein, ob die im März 2021 getroffene Entscheidung, die Geschwindigkeit der Anleihekäufe zu erhöhen, im dritten Quartal fortbestehen wird. Diese Entscheidung dürfte umstritten sein. Aktuell kauft die EZB Anleihen im Wert von rund 80 Milliarden Euro pro Monat. Während einige Notenbanker die Finanzierungbedingungen in der EWU auch im Falle eines weiteren graduellen Renditeanstiegs als „günstig“ bewerten würden, möchten andere einen weiteren Renditeanstieg soweit wie möglich begrenzen. Dies würde ein erhöhtes Ankaufvolumen mit erfordern. Ausschlaggebend dürfte aber die hohe wirtschaftliche Unsicherheit sein, so dass sich letztlich eine Mehrheit in der EZB für unverändert hohe Anleihekäufe im dritten Quartal finden sollte.

Darüber hinaus werden diesmal die neuen Projektionen für Wachstum und Inflation veröffentlicht. Die aktuellen Entwicklungen dürften die EZB nochmals sicherer bezüglich ihres konjunkturellen Ausblicks werden lassen. Dies sollte sich auch in einer moderaten Anhebung der Wachstumsprognosen bemerkbar machen. Bezüglich der Inflation sollte das Weltbild aber unverändert sein. Zwar rechnen wir mit einer deutlichen  Anhebung der Inflationsprognose für 2021 aufgrund der bisherigen Preisentwicklung, aber mit nur mit geringfügigen Änderungen für die Jahre 2022 und 2023. Nach wie vor dürfte die EZB den Inflationsanstieg als ein vorübergehendes Phänomen bewerten, das einen weiter hohen Grad an geldpolitscher Unterstützung notwendig macht.

Doch auch wenn dieses Mal alles beim Alten bleiben sollte, dürfte mit jedem weiteren Fortschritt bei der Überwindung der Pandemie die Diskussion um Höhe und Ausmaß der notwendigen monetären Unterstützung zunehmen. Dabei werden auch die Ergebnisse des im September anstehenden Strategic Review eine wesentliche Rolle spielen, wie die EZB zukünftig ihre Geldpolitik kalibrieren will. Vor diesem Hintergrund wird der Ausstieg aus der sehr expansiven Unterstützung vorsichtig ausfallen, um Marktverwerfungen zu verhindern. Auch wird die EZB weiterhin für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen und damit weiterhin im Markt aktiv bleiben. Doch das Maximum an monetärer Unterstützung dürfte im laufenden Jahr erfolgen,  im kommenden Jahr wird es deutlich weniger werden.

Quelle: BondWorld