Edmond de Rothschild Asset Management: : Was ist die richtige Strategie für anleger am rentenmarkt?

Anleger sehen sich nach wie vor mit schwierigen Rahmenbedingungen wie niedrigen oder sogar negativen Zinsen und dürftigen Renditen konfrontiert. Dies bewegt sie dazu, das Risikoprofil ihrer Kapitalanlagen zu verändern. Der Rentenmarkt bietet zurzeit attraktive Anlagechancen, vor allem bei Anleihen aus dem Finanzsektor und aus Schwellenländern…….

 

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Anleger sollten allerdings flexibel sein und selektiv vorgehen, um sich dieses Anlageuniversum zu erschliessen.  

„Allzweckansatz” für den rentenmarkt

Von Guillaume Rigeade und Eliezer Ben Zimra, Manager des Edmond de Rothschild Bond Allocation

Viele politische Ereignisse könnten in den nächsten Wochen an den Märkten für Turbulenzen sorgen. Im Oktober und November stehen mehrere wichtige Wahlen an, deren Ausgänge schwer vorherzusagen sind und die wahrscheinlich für eine erhöhte Volatilität am Markt sorgen werden. In wirtschaftlicher Hinsicht werden die Notenbanken weiter im Mittelpunkt stehen. Dabei ist unklar, wie schnell in den USA die geldpolitischen Zügel angezogen werden. Die US-Notenbank Fed wird sich sehr wahrscheinlich für eine allmähliche Anhebung der Zinsen vor Ende dieses Jahres entscheiden. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte dagegen ihre akkommodierende Geldpolitik fortsetzen.

Die aktuelle Lage ist schwer einzuschätzen, doch das Wachstum ist zurückgekehrt, und die Fundamentaldaten sind robust. In einer solchen Situation bieten europäische Unternehmensanleihen gute Anlagechancen, allerdings hauptsächlich in den unteren Rating-Kategorien. Anleihen aus dem Finanzsektor sind ebenfalls empfehlenswert: Aufgrund der bisher unterdurchschnittlichen Performance in diesem Jahr ist dieses Segment nicht überbewertet. Die Liquidität der Banken hat sich verbessert und der Sektor profitiert in puncto Regulierung von positiven Trends. Auch bei Schuldtiteln aus Schwellenländern sollten sich in Anbetracht der Renditen auf Hartwährungsanleihen und möglicher positiver Impulse für Lokalwährungsanleihen infolge einer Lockerung der Geldpolitik zahlreiche Anlagechancen ergeben. Das Laufzeitrisiko muss allerdings wegen der niedrigen Renditen auf Staatsanleihen und der Aussicht auf anhaltend volatile Märkte aktiv gesteuert werden.

Anleihen aus dem finanzsektor: licht am ende des tunnels

Von Julien de Saussure und Benjamine Nicklaus, Manager des Edmond de Rothschild Signatures Financial Bonds

Wertpapiere aus dem Finanzsektor sind ein wichtiger Bestandteil jedes diversifizierten Renten-Portfolios. Die Aussichten für diese Anlageklasse, die seit dem Brexit-Votum eine geringere Korrelation zu Bankaktien aufweist, sind gut. Die Risikofaktoren, die zu Beginn dieses Jahres für Volatilität gesorgt hatten, haben sich stabilisiert. Die Aufsichtsbehörden haben den Druck auf die Emittenten verringert, indem sie sich einen pragmatischen Ansatz zu eigen gemacht, neue Regulierungsprojekte auf Eis gelegt und fachliche Veränderungen eingeführt haben, um Inhabern nachrangiger Anleihen mehr Klarheit in Bezug auf Kuponzahlungen zu geben. Die EZB verfolgt ihre akkommodierende Geldpolitik jetzt mit ihren neuen längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LRG), die Europas Banken weniger strenge Bedingungen auferlegen. Die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2016 haben gezeigt, dass die Banken im derzeitigen deflationären Umfeld in der Lage sind, ihre Ertragskraft aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ihre Liquidität zu erhöhen.

Im Niedrigzinsumfeld können Anleger mit nachrangigen Anleihen[1] gute Erträge erzielen. Das Rentenmarktsegment profitiert von der Einführung neuer Regulierungsbestimmungen für Banken und Versicherungsgesellschaften. Diese Reformen helfen Banken und Versicherungsgesellschaften, ihre Kapitalausstattung zu verbessern und ihre Liquidität zu erhöhen. Nach einem holprigen Start in dieses Jahr sind bedingte Pflichtwandelanleihen, sogenannte CoCo-Bonds (Contingent Convertibles), inzwischen unterbewertet und bieten interessante Anlagechancen.

Ausgewählte anlagechancen bei schwellenländeranleihen

Von Romain Bordenave und Jean-Jacques Durand, Manager des Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds

Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 zeigen Schwellenländeranleihen wieder einen Aufwärtstrend. Der Anteil von Schwellenländeranleihen in globalen Fonds hat im August sogar den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht. Damit haben allerdings auch die Risiken zugenommen, sodass Anleger vorsichtig vorgehen sollten. Chinas Schulden und sein Immobiliensektor, der erheblich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes beiträgt, geben nach wie vor Anlass zur Sorge. Dennoch sind die Fundamentaldaten der Schwellenländer heute robuster. Das gilt insbesondere für die Devisenreserven und die Verschuldungsquoten in Relation zum BIP.

Anleger, die in Rentenpapieren aus den Emerging Markets investieren, müssen in der Lage sein, sich gegen herrschende Markttrends zu positionieren und flexibel zu handeln. Ein gewisses Mass an Risikobereitschaft und ein selektives Vorgehen sind wichtige Eigenschaften, die Anleger mitbringen sollten. Schwellenländer bieten derzeit auf dem Anleihemarkt grosse Chancen: Venezuela besitzt die grössten Ölvorkommen der Welt und hat eine geringe Auslandsverschuldung. Brasilien, das ebenfalls gravierende politische Veränderungen erlebt, gehört zu den Ländern, von denen Anlageexperten am meisten überzeugt sind, weil es dort einige gut bewertete Papiere gibt.

[1] Nachrangige Anleihen werden bei der Abwicklung eines Unternehmens nach erststelligen Anleihen zurückgezahlt. Sie sind demzufolge riskanter als erststellige Anleihen, bieten aber im Allgemeinen höhere Renditen.

Quelle: BondWorld.ch