EUR/CHF unter 1.10 ohne Folge für SNB-Zinsentscheid

„Brexit“-Unsicherheit hält Märkte volatil…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Der ernüchternde US-Arbeitsmarktbericht im Juni hat die ZinsFalken, die einer Zinserhöhung im Sommer eine immer höhere Wahrscheinlichkeit zusprachen, verstummen lassen (siehe Fokus). Fed-Präsidentin Janet Yellen wird aller Voraussicht nach anlässlich der Juni-Sitzung des FOMC am nächsten Mittwoch verkünden, dass nicht an der Zinsschraube gedreht wird. Für weitere Zinsschritte in diesem Jahr dürfte sich die Fed die Tür aber offen lassen. Wir rechnen deshalb nicht damit, dass das FOMC die Zinsprognose zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich zurücknimmt. Denn die Chancen für eine bessere Konjunkturentwicklung im weiteren Jahresverlauf sind dank der Erholung beim Konsum nach wie vor intakt. Die Detailhandelsumsätze dürften nächste Woche erneut zunehmen. Anhaltend schwach zeigt sich hingegen die Industrieproduktion, auch wenn nächste Woche ein leichtes Plus für den Mai erwartet wird. Insgesamt wird aufgrund der Wachstumsdelle im Energiesektor nach wie vor deutlich weniger produziert als noch zu Jahresbeginn. Am Donnerstag wird auch die Juni-Sitzung der Schweizerischen Nationalbank stattfinden, bei der am Zinsziel von -0.75% festgehalten werden dürfte. Anfangs Juni hatte auch die EZB den Einlagezinssatz unverändert bei -0.4% belassen. Sie verfolgt jedoch weiterhin den eingeschlagenen Pfad einer äusserst expansiven Geldpolitik, im Rahmen dessen die zuvor angekündigte Erweiterung des Anleihenkaufprogramms auf Unternehmensanleihen ab dieser Woche umgesetzt wird. Trotz dieser zusätzlichen EZB-Massnahme entsteht zumindest zinsseitig kein Handlungszwang für die SNB. Der Franken hat zwar in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt, gegenüber dem EUR auf zwischenzeitlich unter 1.09. Das dürfte auch den Unsicherheiten bezüglich der bevorstehenden „Brexit“-Abstimmung geschuldet sein. Nicht zuletzt deshalb sind Devisenmarktinterventionen gegenüber Zinssenkungen derzeit wohl das präferierte Mittel der SNB. Eine Änderung erwarten wir bei der SNBInflationsprognose. Der Aufwärtstrend bei den Schweizer Konsumentenpreisen vom April (Anstieg von -0.9% auf -0.4%) konnte im Mai bestätigt werden. Der jüngste Anstieg des Rohölpreises könnte diesen Aufschwung weiter beflügeln und die

Teuerung in der Schweiz im Jahresverlauf an die 0%-Marke heranführen. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die SNB-Inflationsprognose für das Jahr 2016 nach oben angepasst wird. Momentan liegt diese noch bei -0.8% und damit unter unserer Prognose von -0.5%. Die Konjunkturdaten in der Schweiz bleiben aber insgesamt verhalten. Nach einem enttäuschenden BIP-Wachstum im Q1 hat sich jüngst auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessert. Im Mai lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote wie im Vormonat bei 3.5%. Auch die Bank of Japan hält nächste Woche ihre Lagebeurteilung ab. Japans Wirtschaft hat nach dem BIP-Rückgang zum Jahresende im Q1 wieder zugelegt. Insgesamt bleibt die Konjunkturentwicklung aber weiter schleppend. Zudem hat der Yen dieses Jahr handelsgewichtet um über 10% zugelegt. Das belastet die Exportwirtschaft und dämpft die Importpreise, was die Gesamtinflationsrate wieder unter null gedrückt hat. Die Bank of Japan ist damit unter deutlich grösserem Handlungsdruck als die EZB. Für nächste Woche erwartet der Marktkonsens aber noch keine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik. Die Volatilität an den Märkten ist nach der Ruhe der Vorwoche wieder zurückgekehrt. Einerseits deuten die Umfragen zur „Brexit“-Abstimmung weiter auf einen knappen Ausgang hin, was die Märkte bis auf weiteres nicht unbeeinflusst lässt. Andererseits sorgen die starken Ausschläge bei den Zinsen und Währungen auch für Schwankungen an den Aktienmärkten. Der USD ist durch die gesunkenen Fed-Zinserwartungen zwischenzeitlich stark unter Druck geraten, mit einer entsprechenden Aufwertung des EUR. Dies hält den Gegenwind für europäische Aktien aufrecht. Wir rechnen in den nächsten Tagen nicht mit einer Rückkehr des Risikoappetits am Aktienmarkt. Von den Unsicherheiten und dem schwachen USD konnte das Gold bereits profitieren und die Nachfrage nach einem sicheren Hafen dürfte hoch bleiben. Obwohl das Rohöl die Marke von 50 USD/Fass (Brent) knacken konnte, rechnen wir in den Sommermonaten mit einer Abschwächung des Preises. Die jüngste Rally wurde von kurzfristigen Angebotseinschränkungen getrieben, grundlegend hat sich am Überangebot jedoch nicht viel verändert

Quelle: BONDWorld.ch