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Eurizon: Makroökonomie im August 2021

Makroökonomie im August 2021 – Die vier Kernprobleme der Finanzmärkte

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„The Globe“, den Investmentausblick von Eurizon


Die Renditen der langfristigen US-amerikanischen und deutschen Anleihen sind gegenüber ihren Höchstständen von vor einigen Monaten deutlich gesunken, was bei den Anlegern Fragen hinsichtlich der Stärke der Erholung aufwirft.

Mindestens vier Faktoren wirken hier als Bremse: die erneute Beschleunigung der Ansteckung durch das Coronavirus, der inflationsbedingte Kaufkraftverlust, die strafferen Finanzierungsbedingungen in China und die Möglichkeit, dass die Fed weniger akkommodierend agieren könnte.

Diese Verflechtung birgt in nächster Zeit eine gewisse Unsicherheit, dürfte sich aber letztlich positiv auswirken. Wenn die Beschleunigung der Ansteckung nur geringe Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme hat oder wenn die Engpässe, die die Inflation verursachen, aufgelöst werden, könnte eine weniger akkommodierende Haltung der Fed gut toleriert werden.

Sollte es hingegen Anzeichen für eine Konjunkturabschwächung geben, etwa weil die Wiedereröffnungen gestoppt wurden, wäre die Fed gefordert, die Reduzierung der Stimuli zu verschieben, während China die Kreditbedingungen lockern könnte. Dies sind die wichtigsten Knotenpunkte des Szenarios, die in den kommenden Monaten, zwischen Sommer und Herbst, gelöst werden müssen.

Thema des Monats: Der Knoten muss gelöst werden

Es gibt wie oben beschrieben vier einschränkende Faktoren. Zwei davon sind miteinander unvereinbar. Entweder werden die Delta-Variante und die deflationäre Inflation nachgeben, oder die Fed und China werden ihre Pläne ändern müssen. Dieser Knoten wird im Sommer und Herbst 2021 gelöst werden müssen.

DELTA-VARIANTE: Der erneute Anstieg der Ansteckungsgefahr in Ländern, in denen bereits große Teile der Bevölkerung geimpft wurden, könnte die Wiedereröffnungen der Märkte verlangsamen und die makroökonomische Erholung dämpfen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es interessant, das „britische Experiment“ zu betrachten, bei dem der Weg der vollständigen Wiedereröffnung gewählt wurde, wobei man sich darauf verlässt, dass die am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen einen Impfschutz haben. Wenn das Experiment erfolgreich verläuft, ist dieser Unsicherheitsfaktor beseitigt und die Wiedereröffnungen können fortgesetzt werden. Andernfalls könnte das Gegenteil eintreten.

DEFLATIONÄRE INFLATION: Der Anstieg der Inflation, insbesondere in den USA, wird durch Engpässe in bestimmten Wirtschaftssektoren verursacht und geht nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Löhne einher, so dass er für die Verbraucher wie eine Steuer wirkt. Dieser hemmende Faktor könnte noch einige Zeit andauern, bis die Wiederöffnung innerhalb der Länder und der Länder untereinander weitgehend abgeschlossen ist.

TAPERING DER FED: Die Fed hat ihre Absicht erklärt, die Zinserhöhung von 2024 auf 2023 vorzuziehen, und damit eine interne Debatte über ein QE-Tapering für Anfang 2022 eröffnet. Derzeit sind die Absichten der Fed (die DOTs) noch im Einklang mit den Erwartungen des Markts (Fed Funds Futures). Sollten jedoch irgendwann die Befürchtungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums zunehmen, würden die Pläne der Fed von den Märkten vor dem Hintergrund eines dann nach wie vor recht fragilen globalen Umfelds höchstwahrscheinlich als unangemessen angesehen werden.

CHINESISCHE BESCHRÄNKUNG: Chinas Wirtschaftsbehörden haben in den vergangenen Monaten die Kreditkonditionen kontinuierlich verschärft, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Nun bewegt sie sich auf einen Abschwung zu. Zuletzt wurden zwar Maßnahmen ergriffen, um die Beschränkung einzudämmen (Senkung der Pflichtreserven für Banken). Sie reichen aber immer noch nicht aus, um die Anleger hinsichtlich der Stärke des chinesischen Wachstums zu beruhigen.

Investmentausblick

Die steigende Ansteckungsgefahr, die im Widerspruch zu den Absichten der US-Notenbank steht, die geldpolitischen Anreize zu reduzieren, könnte einen Unsicherheitsfaktor darstellen. Die Risikopositionen in den Portfolios werden daher reduziert, mit neutralen Positionen bei den wichtigsten Vermögenswerten, wobei der Yen (defensiv) und der Dollar gestärkt werden. Die Untergewichtung der Duration für die USA und Deutschland wird bestätigt.

Quelle: BondWorld.ch