Eurizon

Eurizon: Makroökonomie im Juni 2021

Eurizon: : Makroökonomie im Juni 2021 – Inflationsanstieg ist nur vorübergehend.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


„The Globe“, den Investmentausblick von Eurizon


Das Referenzszenario erscheint günstig, aber der Weg aus der Wirtschaftskrise ist kein einfacher. Die Wiedereröffnung des Marktgeschehens führt zu einer raschen Erholung in den betroffenen Sektoren, wodurch Engpässe entstehen, die sich wiederum in Preisanstiegen niederschlagen.

Dies führt zu einer hohen Volatilität der Wirtschafts- und Inflationsdaten, die die Märkte dank einer beschwichtigenden Interpretation seitens der Fed bisher recht gut hingenommen haben. Die US-Wirtschaft befindet sich auf einem stabilen, aber noch nicht abgeschlossenen Expansionspfad. Der Inflationsanstieg ist aus unserer Sicht daher nur vorübergehend. Mittelfristig stehen jedoch die Verflechtung der Makrobeschleunigung, die Auswirkungen auf die Inflation und die Reaktion der Fed im Vordergrund.

Die Eurozone hinkt den USA hinterher, aber es mehren sich die Anzeichen für eine makroökonomische Beschleunigung, da die Volkswirtschaften ihre Märkte allmählich wieder öffnen.

China hat den Höhepunkt der Beschleunigung nach der Pandemie verzeichnet. Die Anleger halten die Hypothese einer kontrollierten Verlangsamung in Richtung des mittelfristigen Ziels (Wachstum von mindestens sechs Prozent pro Jahr) daher für zentral.

Thema des Monats: Engpässe, Inflation und die Fed

Im April stieg die US-Inflation auf 4,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2008. Um eine Kerninflation von drei Prozent zu finden, müssen wir bis ins Jahr 1996 zurückgehen. Die Inflation tritt in der Regel in der Endphase des Zyklus auf, wenn die Wirtschaft eine Vollbeschäftigung erreicht hat und nachdem die Arbeitslosigkeit und die während der Rezession entstandenen überschüssigen Produktionskapazitäten ausgeglichen wurden. Ein Inflationsanstieg etwas mehr als ein Jahr nach dem Tiefpunkt der Rezession erscheint sehr ungewöhnlich.

Aber ist es dann echte Inflation? Ja, insofern, als die Verbraucherpreise sich tatsächlich im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent verteuert haben, als die Preise aufgrund des ersten Lockdowns gesunken waren. Nein, im Sinne einer echten Inflation, die mit Vollbeschäftigung einhergeht.

Wenn das US-BIP bereits wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht hat, so ist dies auf die außerordentlichen fiskalpolitischen Anstrengungen zurückzuführen, die das durch die Pandemie entstandene Loch gefüllt haben. Aber die USA sind von einer Vollbeschäftigung noch weit entfernt. Um das Niveau von vor der Pandemie zu erreichen, müssen noch gut acht Millionen Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt zurückkehren.

Die Inflation, die wir sehen, ist größtenteils auf die Anomalie der Krise, die wir erlebt haben, zurückzuführen. Es handelt sich nicht um eine klassische Rezession, sondern um eine erzwungene Schließung verschiedener Sektoren, die, sobald sie wieder geöffnet werden, in die Höhe schießen, was zu Engpässen und einem plötzlichen Preisanstieg führt. So gesehen handelt es sich nur den Zahlen nach um eine Inflation, nicht jedoch dem Wesen nach.

Es ist kein Zufall, dass das Adjektiv, das am häufigsten mit dem Inflationsanstieg in Verbindung gebracht wird, „vorübergehend“ ist. Die Frage ist daher, wie lange die vorübergehende Entwicklung dauern wird. Momentan scheinen die Konsensschätzungen unter „vorübergehend“ eine kurze Zeitspanne zu verstehen, die rasch endet, sodass die Inflation auf ein niedrigeres Niveau zurückgeht. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass diese Übergangsphase länger dauert als erwartet. Es wird davon abhängen, wie viele und welche Engpässe entstehen, wenn alle Sektoren wieder geöffnet sind.

Eine lange Übergangsphase, bei der die Kerninflation für den Rest des Jahres in der Nähe des aktuellen Niveaus liegt oder sogar noch weiter steigt, würde die Entscheidungen der Fed in den Fokus rücken. Solange die Fed von der vorübergehenden Natur des Phänomens überzeugt ist, wird sie keinen Grund haben, es zu bekämpfen, um nicht zu riskieren, dass die Rückkehr zum normalen Wirtschaftsgeschehen vorzeitig Schaden nimmt.

Sollten die Inflationsdaten jedoch höher als erwartet ausfallen, wird die Fed davon überzeugt sein müssen, dass wir es nur mit einem vorübergehenden Anstieg zu tun haben. Für den Moment vertrauen die Märkte der Fed. Die Fed hat bekräftigt, dass sie die Zinsen bis 2023 konstant halten wird. Die Fed Fund Futures liegen ziemlich genau auf Höhe der Zinsen, wobei eine erste Zinserhöhung für Juli 2023 eingepreist ist – nur sechs Monate früher als geplant.

Diese Kurve wird in den kommenden Monaten ein nützliches Barometer sein, um die abhängige Entwicklung von Engpässen, der Inflation und der Fed zu verfolgen – und somit die der Märkte.

Investmentausblick

Das mittelfristige Szenario sieht günstig aus, aber die Volatilität der Wirtschafts- und Inflationsdaten gibt Anlass zur Vorsicht. Der im letzten Monat gewählte Ansatz einer geringen direktionalen Positionierung wird bestätigt. Die Positionen in den wichtigsten Vermögenswerten werden mit neutral bewertet.

In der Eurozone sind wir dort, wo noch Raum für angenehme Überraschungen besteht, prozyklisch aufgestellt: Untergewichtung bei Bundesanleihen, Übergewichtung im Bereich der Aktienmärkte.

Quelle: BondWorld.ch