„Europa und der Bulle“

Es ist geradezu Zum Auftakt der vergangenen Woche zeigte sich die Datenlage gemischt, was vor allem in den USA deutlich wurde. Der NAHB-Index – das Stimmungsbarometer der amerikanischen Bauindustrie – hat sich im Mai befestigt, allerdings schwächte der EmpireIndex überraschend stark ab……


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Von Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research


Der US-Häusermarkt enttäuschte, allerdings startete das verarbeitende Gewerbe in den USA positiv ins zweite Quartal. Der chinesische Einzelhandel konnte im April seinen Umsatz gegenüber Vorjahr deutlich steigern, während die Industrieproduktion die Erwartungen nicht erfüllen konnte.

In Europa werden die politischen Agendapunkte nach und nach abgearbeitet und der Rückblick zeigt, dass die letzten Monate deutlich ruhiger und weniger europakritisch verlaufen sind, als dies zu befürchten stand. Ein weiterer Meilenstein war die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der dem Euro deutlich Rückenwind gab und dazu beitrug, dass das Börsenklima ruhig und vom Grundtenor her freundlich blieb. Der DAX, als Leitindex des deutschen Marktes, erreichte ein weiteres Allzeithoch, der Euro legte auf den höchsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit November 2011 zu. In diese Stimmungslage passt auch, dass sich die Anleger aus Übersee, vor allem den USA, immer mehr dem alten Kontinent zuwenden, wie die Kapitalströme belegen. Entspannung auch auf den Anleihemärkten. Hier verringerten sich die Renditezuschläge der Euroländer gegenüber den deutschen Bundesanleihen merklich.

Die Woche voraus

Zum Wochenauftakt tagen die Eurogruppe und der ECOFIN-Rat, zum Wochenausklang treffen sich die G7 in Italien. Dazwischen liegt (Donnerstag) das mit Spannung erwartete nächste OPEC-Treffen.

Bei der Eurogruppe geht es um sechs Milliarden Euro, die für Griechenland freigegeben werden sollen, um im Juli auslaufende Schulden refinanzieren zu können. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form der Internationale Währungsfonds (IMF) bei der Stange bleibt.

Bei der OPEC-Tagung erscheint eine neue Einigung auch mit NichtMitgliedländern möglich. Saudi Arabien und Russland haben dieser Tage in Peking die Absicht bekannt gegeben, sich erneut auf Quoten zu einigen. Zwei Themen beherrschen die Diskussion: 1) die mittel- und langfristig stagnierende Nachfrage in den Industrieländern und 2) die erwartete anziehende Produktion in den USA. Beides erhöht den Druck auf mehr Disziplin in der Festlegung von Produktionszielen. Dabei hat die OPEC in der Vergangenheit das Produktionswachstum bereits begrenzt. Der Ölpreis schaffte jedoch noch keine nachhaltige Trendwende, was erwarten lässt, dass die OPEC-Übereinkunft verlängert wird.

Die Konjunkturdaten erscheinen da insgesamt etwas weniger spektakulär:

Für die USA sind der Aktivitätsindex der Chicago Fed (Montag), die Markit-Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch), die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag), der Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan (final) sowie die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im ersten Quartal besonders relevant.

Für die Länder der Eurozone stehen vor allem das Bruttoinlandsprodukt und das ifo-Geschäftsklima für Deutschland (beide Dienstag), gefolgt vom GfK-Konsumklimaindex an. Beide Indikatoren bewegten sich zuletzt stabil auf einem hohen Niveau. Des Weiteren folgen die Markit-Einkaufsmanagerindizes für Mai.

Für Japan sollte vor allem die Entwicklung der nationalen Verbraucherpreise relevant sein. Zwar konnte die Preisentwicklung zuletzt positiv überraschen, allerdings ist es „Abenomics“ noch nicht gelungen, die Inflation nachhaltig auf einen aufwärtsgerichteten Pfad zu bringen.

Verstehen. Handeln.  

Ob die Kapitalmärkte in Europa (dieser kleine Ausflug in die Mythologie sei erlaubt) und der Welt jetzt weiterhin den Bullen reiten? Zumindest ist zu erwarten, dass die Bären noch nicht das Parkett übernehmen: Die Datenlage dürfte dies kaum hergeben und die Geopolitik, die noch vor wenigen Wochen im Rampenlicht stand, scheint wie aus dem Sichtfeld der Investoren geraten zu sein – wozu sicher auch die jüngsten, beruhigenden Ereignisse beigetragen haben. Weiter nach vorne blickend sollte die Kombination aus niedriger Volatilität und erhöhten Bewertungen für Stirnrunzeln sorgen. Dies umso mehr, als die Relative-Stärke-Indikatoren für die großen Regionen an den Aktienmärkten eine überkaufte Lage anzeigen.

Quelle: BondWorld.ch