„Europa: Zunehmend attraktiver“

Wie unsere regelmäßigen Leser bereits wissen, hat sich die wirtschaftliche Situation in Europa deutlich verbessert. Nach der März-Sitzung der Europäischen Zentralbank („EZB“) verkündete Notenbankpräsident Mario Draghi, die Deflation sei besiegt, und sagte, die Bank gehe nicht davon aus, dass weitere Zinssenkungen erforderlich sein würden….


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Von  Charles Ma Client Investment Strategist Greater China & South East Asia Retail Distribution


Die Rentabilität der Unternehmen verbessert sich zusehends; so meldeten die europäischen Unternehmen erneut steigende Quartalsgewinne. Damit legten die Gewinne im zweiten Quartal in Folge zu, nachdem sie zuvor vier Quartale lang zurückgegangen waren. Bei besseren Fundamentaldaten haben europäische Aktien die Wende geschafft, und der MSCI Europe Index hat sein US-amerikanisches Gegenstück, den S&P 500, im bisherigen Monatsverlauf sowohl auf Euro- wie auch auf US-Dollar-Basis geschlagen. Manche Anleger haben dies bereits zur Kenntnis genommen, so dass wieder Kapital in europäische Aktienfonds fließt.

Nun werden sich die Anleger auf die französischen Präsidentschaftswahlen am 23. April konzentrieren. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge werden Marine Le Pen (die für einen Austritt aus dem Euroraum wirbt) und Emmanuel Macron (der für die Europäische Union eintritt) in die Stichwahl gelangen, die Macron dann gewinnen sollte.

Die Woche voraus

In der kommenden Woche werden in den USA die folgenden makroökonomischen Daten veröffentlicht:

1. Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das vierte Quartal: Die Marktteilnehmer rechnen damit, dass die endgültige BIP-Wachstumsrate für das vierte Quartal 2016 nicht zuletzt dank des Lageraufbaus leicht von 1,9% auf 2,0% nach oben revidiert wird.

2. Konsumausgaben: Angesichts der unveränderten Autoverkäufe und der wegen der ungewöhnlich warmen Witterung geringeren Heizkosten sollten die Konsumausgaben nach Auffassung der Marktteilnehmer im Februar unverändert geblieben sein.

Für die Anleger stellt sich die Frage, ob die makroökonomische Daten aus Europa weiterhin überraschend positiv ausfallen.

Am kommenden Freitag wird der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für März bekanntgegeben; die Märkte rechnen mit einem unveränderten Preisauftrieb gegenüber dem Vormonat. Die Stabilisierung der Rohstoffpreise spricht für einen stabilen Inflationsausblick in Europa. In Großbritannien werden die endgültigen BIP-Wachstumsdaten für das vierte Quartal veröffentlicht. Angesichts des robusten privaten Konsums, der das langsamere Wachstum der Unternehmensinvestitionen kompensiert haben sollte, rechnet der Markt mit einer Rate von 0,7%.  

In Japan werden die Daten zur Industrieproduktion bekanntgegeben. Nach einem ungewöhnlich niedrigen Wert für Januar (möglicherweise hat das chinesische Neujahrsfest die Nachfrage gedämpft) rechnen die Anleger mit einer Erholung im Februar. In China steht in der kommenden Woche der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im März an. Die Lage im verarbeitenden Gewerbe verbessert sich weiter, und die Anleger erwarten für März einen Wert von 51,2, d.h. deutlich über dem Schwellenwert von 50, der auf eine Expansion hindeutet.

Bevor ab dem kommenden Monat die Unternehmensgewinne für das erste Quartal veröffentlicht werden, werden sich die Anleger neben den erwähnten makroökonomischen Daten vor allem für die Gewinnrevisionen und für die politischen Schlagzeilen interessieren. In Europa verbessert sich der Index für die Gewinnrevisionen weiter, in den USA hat sich seine Entwicklung jedoch seit Jahresbeginn abgeschwächt. Ebenso sind die politischen Risiken in Europa gesunken, bleiben jedoch in den USA erhöht (Stichwort: „Budget-Obergrenze“). Die Regierung Trump will nach der Aufhebung des Affordable Care Act (ACA) eine Unternehmenssteuerreform angehen. Am US-Markt sind die Kurse seit Präsident Trumps Wahlsieg nicht zuletzt deshalb deutlich angestiegen, weil auf eine Unternehmenssteuerreform gehofft wurde. Daher dürften die Anleger es negativ aufnehmen, wenn Äußerungen der Regierung oder des USKongresses darauf schließen lassen, dass sich die Aufhebung des ACA verzögern könnte. Angesichts der günstigeren Gewinnaussichten, des geringeren politischen Risikos, der attraktiveren Bewertungen und der höheren Dividenden als in den USA wird der europäische Markt immer attraktiver

Quelle: BondWorld.ch