EZB will weniger aber länger Anleihen kaufen

Fed dürfte endlich weitere Zinserhöhung beschliessen…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Nach dem klaren „Nein“ zur Verfassungsreform in Italien kam es diese Woche zu keinen erneuten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der EuroStoxx, und vor allem Bankaktien, konnten sogar deutlich zulegen. Ein Grund für die Reaktion dürfte gewesen sein, dass zumindest die Grundtendenz der Meinungsumfragen über den Referendumsausgang diesmal richtig war. Darüber hinaus sind die Erwartungen für eine unverändert expansive Geldpolitik der EZB gestiegen. Damit kam es auch nicht zu einem weiteren Anstieg der Renditen für italienische Staatsanleihen. Nach dem angekündigten Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Renzi sind zumindest kurzfristig Neuwahlen nicht zwingend. Vor allem das auf eine geänderte Verfassung abgestimmte Wahlgesetz soll wieder reformiert werden. Entsprechend ist damit erst einmal eine Übergangsregierung nicht unwahrscheinlich.

Die EZB hat dann bei ihrer letzten Sitzung des Jahres auch bestätigt, dass sie bis März unverändert 80 Mrd. Euro an Anleihen im Monat kaufen wird. Ab April will sie das Volumen zwar auf 60 Mrd. zurückschrauben, um dem gefestigteren Konjunkturausblick Rechnung zu tragen. Dafür beabsichtigt sie jedoch länger als erwartet bis Ende 2017 zu kaufen – wenn nötig auch Anleihen mit einer Rendite unter dem Einlagensatz von unverändert -0.4%. Zudem hat sie betont, die Käufe jederzeit wieder ausweiten zu können. Und die EZB geht weiter nicht wirklich davon aus, das Inflationsziel zu erreichen. Die neue Mittelfristprognose für 2019 liegt bei 1.7%. Insgesamt werde die Notenbank noch lange am Markt aktiv sein. Über eine Reduzierung der Käufe Richtung Null wurde nicht diskutiert.

In den USA konnte nach einem ordentlichen Arbeitsmarktbericht diese Woche der ISM für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe mit einem starken Anstieg überzeugen. Damit gibt es aus Sicht der Konjunkturindikatoren keinen Grund für die amerikanische Notenbank Fed weiter mit der nächsten Zinserhöhung abzuwarten. Vor dem Fed-Entscheid werden noch Zahlen zu den Detailhandelsumsätzen und zur Industrieproduktion in den USA veröffentlicht. Dies sollte das Ergebnis allerdings nicht mehr beeinflussen. Vor allem der Online-Detailhandel meldete zum Start der Weihnachtssaison neue Rekordumsätze. An den Zinsmärkten bleibt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte mit 100% eingepreist. Deshalb dürften die neuen Projektionen der Fed für den mittelfristigen Konjunktur- und Zinsausblick in den Fokus rücken. Und hier erwarten wir ungeachtet der jüngsten Trump-Euphorie weiterhin eine vorsichtige Einschätzung.

Bei der Sitzung der Schweizerischen Nationalbank nächste Woche ist hingegen nicht von einer Anpassung der Geldpolitik auszugehen. Die SNB hat zwar nach den US-Wahlen wiederholt am Devisenmarkt interveniert. Dies spiegelte sich im Anstieg der Devisenreserven im November wider. Die Lage hat sich aber wieder beruhigt. Die Sichteinlagen der Banken bei der SNB sind jüngst nicht weiter angestiegen. Damit sollte die Nationalbank ihre Politik bzw. den Negativzins unverändert belassen.

Quelle: BONDWorld.ch