„Falsche Signale?“

Man hätte zu Beginn der abgelaufenen Kalenderwoche fast den Eindruck gewinnen können, dass sich die Anleger nach neuen Höchstständen an den US-Aktienmärkten eine Pause gönnen wollen. Eine Pause, um in Ruhe die letzten Notenbanksitzungen, u.a. der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank (Fed), des Jahres zu verfolgen. ….

Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research 


Die über das Wochenende veröffentlichten Inflationszahlen aus China boten kaum Überraschungen. Einzig im Zuge niedrigerer Rohstoffpreise und einem nachlassenden Wirtschaftsmomentum – und damit geringerer Nachfrage im Zuge der Schließung der Überkapazitäten – dürften sich die chinesischen Produzentenpreise in den nächsten Monaten weiter abschwächen. Dies wiederum, zusammen mit einer stärkeren Kreditvergabe im November, könnte die derzeit vorherrschenden Ängste der Marktteilnehmer vor einer allzu starken monetären Straffung durch die chinesische Zentralbank (PBoC) zerstreuen, synchron zu den Zinserhöhungen der USNotenbank. 

Und die Fed dürfte mit ihrer Normalisierung der Geldpolitik – auch über ihren Zinsschritt in der abgelaufenen Woche hinaus – weiter voranschreiten, wobei auch andere große Zentralbanken mittlerweile den Beginn der geldpolitischen Normalisierung planen. Der US-Arbeitsmarktbericht für November unterstrich, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin auf einem robusten Wachstumspfad befindet, auch wenn  die Lohndynamik nach wie vor verhalten ist. Die geplante US-Steuerreform und der damit einhergehende Fiskalimpuls dürfte den Konjunkturzyklus verlängern, könnte unter einem Risikoszenario aber auch zu einem schnelleren Abwürgen der Konjunktur führen, sollte sich daraus eine steigende Inflation ergeben. Doch trotz der robusten Konjunkturentwicklung in den USA, hat sich an den US-Anleihemärkten die Zinsstrukturkurve weiter verflacht, d.h. der Renditeabstand zwischen lang- und kürzerlaufenden Anleihen hat sich verringert. Ungewöhnlich, signalisiert doch eine flache Zinsstrukturkurve schwächeres Wachstum Jedoch ein Indiz unter Marktteilnehmer, dass mit gewisser Sorge beobachtet wird, denn die Zinsstrukturkurve gilt historisch gesehen als relativ gut geeigneter Indikator für zukünftige (US) Rezessionen. Denn dreht die US-Zinsstrukturkurve ins Negative, wird von den Anlegern eine (US) Rezession in den kommenden 12 Monaten mit höherer Wahrscheinlichkeit erwartet (siehe Chart der Woche).

Dies könnte ein falsches Signal sein, denn Anzeichen dafür sind derzeit noch nicht erkennbar. Der globale Makrodatenfluss hat sich in den letzten beiden Monaten spürbar verbessert – das zeigt sich u.a. auch an dem globalen Überraschungsindex der Citigroup (Citi Economic Surprise Index) –, während gleichzeitig die konjunkturellen Divergenzen auf Länderebene mit Ausnahme einiger Länder wie Großbritannien und China nachgelassen haben. Aus unserer Sicht bleibt somit die globale Wirtschaft Richtung 2018 weiterhin auf Wachstumskurs über Potenzial und so könnte sich dieses Mal die Zinsstrukturkurve, vor dem Hintergrund unkonventioneller Geldpolitik globaler Zentralbanken, als ein weniger verlässlicher Indikator herausstellen.

Die Woche voraus

In den USA stehen in der kommenden Kalenderwoche folgende realökonomischen Daten im Vordergrund:   Die Frühindikatoren einiger regionaler Notenbanken, u.a. der Chicago Fed Nationaler Aktivitätsindex oder der Philadelphia Fed Konjunkturausblick (beide am Do), könnten erste Anzeichen  liefern, dass sich das Momentum in den USA aufgrund seiner spätzyklischen Phase leicht abschwächt.  Der Deflator der privaten Konsumausgaben (ohne Lebensmittel und Energie) dürfte mit Spannung erwartet werden (Fr). Er gilt als wichtiger Preisindikator der Fed und könnte ein zusätzliches Indiz liefern, dass die Fed für das kommende Jahr die Zinsen wohl kräftiger anheben wird als bisher vom Markt erwartet.  Die Auftragseingänge für langlebige Kapitalgüter (Fr) gelten als Richtschnur für die Investitionsneigung der Unternehmen; sie könnten positiv überraschen und damit die Einschätzung untermauern, dass von den Investitionen im vierten Quartal ein expansiver Impuls ausgeht.

Für den Euroraum sowie für das Vereinigte Königreich (beide Do) und Deutschland (Fr) könnte das Verbrauchervertrauen im Mittelpunkt des Interesses stehen (Do). Insbesondere vor dem Hintergrund der positiven Arbeitsmarktentwicklung, könnte es Indizien liefern, ob der Einzelhandel von einer gestiegenen Kaufbereitschaft profitieren könnte. Der ifoGeschäftsklimaindex (Di) dürfte ähnlich den Einkaufsmanagerindizes für ein weiter intaktes Aufschwungsszenario sprechen. 

Mit Blick nach Asien dürften die Immobilienpreise aus China unsere Einschätzung bestätigen, dass eine weitere Abkühlung am lokalen Immobilienmarkt auf ein nachlassenden Konjunkturmomentum hindeutet. Die Handelszahlen aus Japan (Mo) sollten die solide Entwicklung der japanischen Außenwirtschaft untermauern.

Handeln

Eine flache Zinsstrukturkurve steht historisch betrachtet im Einklang mit einem Konjunkturzyklus, der weit vorangeschritten ist. Das trifft speziell für die USA zu, wo wir uns nahezu im 100. Monat des aktuellen Zyklus befinden (durchschnittliche Dauer eines Zyklus in den USA etwa 60 Monate). Doch eine Rezession scheint derzeit nicht bevorzustehen – basierend auf einem Model der New Yorker Notenbank, wird einer USRezession in den nächsten 12 Monaten eine Wahrscheinlichkeit von etwa 10% beigemessen. Aktieninvestoren jedenfalls sind nach wie vor optimistisch was die Konjunkturentwicklung in den USA angeht. Zwar scheint gemäß dem Relative-Stärke-Index für die USA die technische Lage überkauft zu sein – jener Indikator liegt auf dem höchsten Niveau seit 1995 –, doch stieg der Anteil an Bullen im US-Markt zuletzt weiter an. Und auch auf dem Optionsmarkt wurden zuletzt vermehrt Call-Optionen auf den US-Aktienmarkt nachgefragt. 

Source: BondWorld