Fed bietet keinen klaren Kurzfristausblick

Schweizer Wirtschaft kommt noch kaum vom Fleck…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


In den USA brachten in den letzten beiden Monaten die Veröffentlichungen der Konjunkturdaten mehrheitlich positive Überraschungen. Trotz zuletzt etwas schwächerer Konsumdaten, werden weiterhin robuste Einkommenszuwächse verzeichnet. Dies spiegelte sich diese Woche auch in einem deutlichen Anstieg des Konsumentenvertrauens wider. In der Industrie bleiben die Daten durchzogener, wie die Korrektur beim ISM für das Verarbeitende Gewerbe diese Woche gezeigt hat. Und die negative Investitionsdynamik in den letzten Quartalen macht der Fed Sorgen. Zuletzt weisen aber auch hier die vorlaufenden Indikatoren auf eine gewisse Verbesserung hin. Zusammen mit der überraschend schnellen Beruhigung an den Finanzmärkten nach der „Brexit“-Entscheidung, schätzen zahlreiche FedOffizielle die kurzfristigen Aussichten für die US-Wirtschaft wieder optimistischer ein und sehen unverändert die Möglichkeit einer Fortführung der Zinsnormalisierung in diesem Jahr. Aktuell ist an den Zinsmärkten der nächste Zinsschritt für Dezember eingepreist. Einige Fed-Mitglieder schliessen auch zusätzlich den September-Termin nicht aus. Auf der anderen Seite gibt es unverändert keine Anzeichen für eine deutliche Lohnbeschleunigung. Auch die Inflationszahlen fielen zuletzt etwas moderater als erwartet aus. Insgesamt gibt es damit keine klaren Signale der Fed über ihren kurzfristigen Kurs. Die Vorsitzende Janet Yellen betont wiederholt, dass die Zinsentscheidung von den kommenden Konjunkturdaten abhängt. Klarheit schafft diese Aussage allerdings überhaupt nicht. Die nächsten wichtigen Daten sind vor allem der Arbeitsmarktbericht sowie nächste Woche der Dienstleistungs-ISM. Auch das nächste Beige Book, die Zusammenfassung der Konjunktureinschätzung der Fed-Geschäftskontakte, steht nächste Woche an.

Klar ist hingegen bei der EZB, dass sie auf absehbare Zeit keine Zinsnormalisierung plant. Ganz im Gegenteil. Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré erklärte in der letzten Woche sogar wiederholt, dass wohl weitere Schritte der EZB notwendig seien (mehr Details dazu im Fokus auf Seite 2). Die Aussage betrifft aber mehr den mittelfristigen Ausblick für die Geldpolitik. Für die EZB-Sitzung nächsten Donnerstag gehen wir nicht von einem höheren Negativzins bzw. einem umfangreicheren Kaufprogramm aus. Im Protokoll der letzten Sitzung deutet nichts auf die Vorbereitung umfangreicher Änderungen hin. Die Inflation bleibt zwar hinter den Erwartungen der EZB zurück. Die Kernrate ist im August sogar wieder leicht auf 0.8% zurückgefallen. Damit ist es auch wahrscheinlich, dass die EZBInflationsprognosen nächste Woche wieder nach unten revidiert werden. Auf der anderen Seite haben sich die Konjunkturdaten trotz einzelner Ausreisser, wie z.B. dem schwachen Ifo-Index im August, zuletzt robust gezeigt. Speziell die Beurteilung der Exportaufträge hält sich gut. Dazu passt der erfreuliche starke Wiederanstieg des britischen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe von 48.3 auf 53.3 im August. Modifikationen am EZB-Kaufprogramm sind jedoch jederzeit möglich, vor allem eine Erhöhung der Kaufobergrenzen für die einzelnen Staatsanleihen. Dies würde speziell die Knappheit bei deutschen Staatsanleihen verringern und die Fortführung des Programms über März 2017 hinaus ermöglichen.

Die EZB-Geldpolitik bleibt der Hauptgrund für die Negativzinsen in der Schweiz. Direktoriumsmitglied Andrea Maechler betonte die Bedeutung des Negativzinses der SNB, um den Zinsabstand zu anderen Währungsräumen aufrecht zu erhalten und den Druck auf den Franken zu begrenzen. EUR/CHF konnte sich diese Woche weiter Richtung der 1.10-Marke annähern. Die erste Schätzung für das Schweizer BIP im zweiten Quartal wird kommenden Dienstag veröffentlicht. Die vorliegenden Industrie- und Exportzahlen zeichnen ein schwaches Bild. Auch die Detailhandelsumsätze waren im Q2 zum vierten Mal in Folge rückläufig. Nach dem nur mageren BIP-Quartalsplus von 0.1% in Q1 erwarten wir ein ähnliches Ergebnis. Der starke Franken bremst weiterhin. Dies untermauerten zuletzt auch die unterdurchschnittlichen Niveaus des KOF-Konjunkturbarometers und des PMI. Die Einkaufsmanager in der Industrie planen einen weiteren moderaten Stellenabbau. Dies spiegelte sich auch in den Beschäftigungszahlen fürs zweite Quartal wider. In mehreren Industriesektoren sowie dem Detailhandel und dem Gastgewerbe setzte sich der Arbeitsplatzabbau zuletzt fort. Der Tiefpunkt der Dynamik scheint jedoch überschritten und die Beschäftigungsaussichten haben sich etwas aufgehellt. Nächste Woche könnte die Arbeitslosenquote aber noch leicht weiter auf 3.4% ansteigen. Schliesslich stehen noch die Schweizer Inflationszahlen für August an. Der Wechselkurs- und Ölpreiseffekt läuft zunehmend aus. Die Jahresrate der Konsumentenpreis dürfte das erste Mal seit Herbst 2014 wieder an der Nulllinie liegen.

 

Quelle: BONDWorld.ch