Fed relativiert Fortschritte am Arbeitsmarkt

BoJ vermochte Yen nicht zu schwächen….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die US-Notenbank hat an ihrer Lagebeurteilung den Leitzins wie allgemein erwartet nicht erhöht. Die Argumente für eine Zinserhöhung hätten zugenommen, da sich die Konjunkturdaten nach dem schwachen ersten Halbjahr verbessert haben. Man wolle aber abwarten, ob es am Arbeitsmarkt und bei der Inflation weitere Fortschritte gibt. Die Fed hält sich damit wie gewohnt bedeckt, ohne klaren Kurzfristausblick. Zwar erwartet gemäss den neuen Zinsprognosen die Mehrheit im FOMC weiterhin einen Zinsschritt noch in diesem Jahr. Drei der zehn stimmberechtigten Notenbanker votierten gar für eine sofortige Zinserhöhung. Andererseits gab es auch wieder einige “dovishe” Signale, weshalb die Markterwartungen für Dezember praktisch unverändert bei 60% blieben. Die Fed hat ihre Prognose für die langfristige Zinsentwicklung leicht nach unten revidiert. Vor allem aber betonte Janet Yellen an der Pressekonferenz, dass sich die breitgefasste Arbeitslosenrate U-6 in den letzten Monaten nicht weiter verbessert hat. Dieses Mass umfasst neben den offiziell Arbeitslosen u.a. auch diejenigen Personen, die eine Vollzeitstelle wollen, aber nur eine Teilzeitarbeit finden. Es gäbe laut Yellen nach wie vor Potential für weitere Fortschritte am Arbeitsmarkt und deshalb wartete man im September noch mit der Straffung der Geldpolitik ab. Mit dem Argument der breitgefassten Arbeitslosenrate relativiert die Fed die guten Daten zur Neubeschäftigung. Das heisst entgegen den eigenen Beteuerungen macht sie sich wohl durchaus Sorgen um die Robustheit der Konjunktur. Wir sehen dafür gute Gründe, denn zuletzt haben die Frühindikatoren enttäuscht, was auf eine begrenzte Konjunkturbeschleunigung im zweiten Halbjahr hindeutet. Die Fed dürfte unseres Erachtens weiter zögern und wir rechnen unverändert erst gegen Mitte 2017 mit der nächsten Zinserhöhung.

Bei der Lagebeurteilung der Bank of Japan gab es diese Woche ebenso keinen grossen Paukenschlag. Die im Juli angekündigte grundlegende Überprüfung der bisherigen Massnahmen resultierte aber in einigen nennenswerten Anpassungen der ultralockeren Geldpolitik. Die Notenbank werde weiterhin jährlich wohl um die 80 Bio. Yen Staatsanleihen kaufen (rund 770 Mrd. CHF), die Notenbankgeldmenge sei aber nicht mehr die operative Zielgrösse. Neu fokussiert sich die BoJ auf die Zinskurve, d.h. sie will neben dem Kurzfrist- auch den Langfristzins direkt beeinflussen. Konkret wurde vorerst beschlossen die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen ungefähr beim aktuellen Niveau zu halten, also nahe bei 0%. Änderungen gab es zudem auch bei der Forward Guidance. Für das Erreichen der anvisierten Inflation von 2% gibt es kein Zieldatum mehr. Stattdessen verspricht die BoJ die Notengeldmenge solange auszuweiten, bis die Teuerung die 2% nachhaltig übersteigt, also sogar überschiesst. Nach jahrelanger ultraexpansiver Geldpolitik ohne grossen Inflationsanstieg hat dieses Bekenntnis aber keine stärkere Marktreaktion ausgelöst. Der Yen hat sich sogar aufgewertet, da der Negativzins bei -0.1% belassen wurde. Zudem blieb eine Ausweitung der quantitativen Lockerung aus, was darauf hindeutet, dass die Grenze der Staatsanleihenkäufe langsam aber sicher erreicht wird, denn die BoJ hält bereits einen Drittel aller japanischen Staatsanleihen.

Nach der Notenbankwoche rücken in den nächsten Tagen wieder die Konjunkturdaten in den Marktfokus, aber auch politische Nachrichten. Die OPEC diskutiert vom 26.9 bis 28.9 mit Nichtkartellmitgliedern über eine mögliche Beschränkung der Fördermenge, wobei wir eine Einigung jedoch für wenig wahrscheinlich halten (siehe Fokus). Des Weiteren steht nächste Montagnacht die erste von drei TV-Debatten zwischen Hillary Clinton und Donald Trump an. In den USA haben die Fernsehduelle teilweise grossen Einfluss auf das Wahlresultat. Donald Trump hat in den Umfragen zuletzt deutlich an Boden gutgemacht. An den Finanzmärkten ist der US-Wahlkampf bisher aber mehr oder weniger spurlos vorbeigegangen.

Bei den Konjunkturdaten dürften nächste Woche die europäischen und japanischen Inflationszahlen den anhaltend niedrigen Preisdruck bestätigen. Zudem stehen auch einige Stimmungsdaten für September zur Veröffentlichung an. Der deutsche IFO-Geschäftsklimaindex und das Schweizer Konjunkturbarometer vom KOF waren im August überraschend klar rückläufig, wobei letzteres gar unter den Langfristdurchschnitt fiel. Das britische Konsumentenvertrauen wiederum hat sich zuletzt deutlich weniger erholt als die Unternehmensstimmung. Das schwache Pfund ist für die Unternehmen teilweise ein grosser Vorteil, während bei den Konsumenten das Gegenteil der Fall ist.

Quelle: BONDWorld.ch