Dall'Angelo Silvia Federated Hermes

Federated Hermes : Langsameres Wachstum und deutliche Volatilität – hält die Erholung dennoch an?

Federated Hermes: Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, Lieferkettenprobleme nehmen zu und am Horizont tauchen geopolitische Risiken auf – was bedeutet dies für die kommenden Wintermonate?

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Silvia Dall’Angelo, Senior Economist


Louise Dudley, Global Equities Portfolio Manager:

„Die Aktienmärkte waren in der vergangenen Woche von erheblicher Volatilität geprägt. Grund hierfür ist eine Risikoreduzierung, die im Vorfeld der Veröffentlichung von Unternehmensgewinnen und angesichts der Verhandlungen über die Schuldenobergrenze stattfand. Die Risikobereitschaft ist nach wie vor fragil – viele Faktoren beunruhigen die Märkte, darunter die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, die Inflation und geopolitische Risiken. Insbesondere die Lieferkettenprobleme sowie die Inflation bedeuten, dass die Unternehmen mit Gegenwind konfrontiert sind – sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ertragsseite.

Dudley Louise Federated HermesAllgemein lässt sich sagen: Value- und zyklische Bereiche des Marktes sind nach wie vor unterbewertet, während Growth-Titel nach wie vor überkauft sind. Im September war zu beobachten, dass viele Value-Titel in allen Regionen positive Renditen erzielten; wir erwarten, dass sich dies im Oktober fortsetzen wird. Ein weiterer Bereich, in dem wir in letzter Zeit eine gewisse Schwäche festgestellt haben, sind die Rentabilitätskennzahlen: Insbesondere diejenigen Unternehmen, die im letzten Jahr höhere Margen verzeichneten, erleben nun eine Umkehr, da die Inflation ihre Gewinne schmälert.

Mit Blick auf das nächste Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auch auf die Weiterentwicklung der umweltfreundlichen Politik in den USA und in Europa. Dies nicht zuletzt im Hinblick auf kurzfristige Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz und der technologischen Innovation innerhalb der Energieversorgungskette, welche die langfristige Reduzierung der Emissionen fördern können. Im Unterschied hierzu stehen die Energiekrisen in Asien und Europa, die die Gas- und Ölpreise in die Höhe treiben und das Vertrauen in die zukünftige Rentabilität der Schwerindustrie schwächen.

Sollten die US-Arbeitsmarktzahlen besser ausfallen als erwartet, dürften sie eine gewisse Bestätigung des wirtschaftlichen Aufschwungs mit sich bringen. Während dieser sich zwar verlangsamt, verläuft er immer noch positiv und wird den Aktienmarkt bis zum Jahresende weiter ankurbeln.“

Silvia Dall’Angelo, Senior Economist:

„Die September-Daten des weltweiten Einkaufsmanagerindizes sorgten für eine gewisse Beruhigung in Bezug auf die Tragfähigkeit der Erholung, denn sie verzeichneten nach einem starken Einbruch im Juni/August einen leichten Anstieg. Die Verbesserungen konzentrierten sich auf den Dienstleistungssektor – was darauf hindeutet, dass die Dynamik der Wiedereröffnungen wahrscheinlich wieder zugenommen hat, da die Welle der Delta-Variante weitgehend eingedämmt wurde.

Im verarbeitenden Gewerbe gab es Anzeichen für eine Stabilisierung, wenngleich die Angebotsengpässe weiterhin zu spüren waren. Die künftige Entwicklung der Angebotsengpässe wird gleichermaßen entscheidend sein für die weitere Entwicklung der Erholung sowie der Inflation.

In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Pandemie auf ein endemisches Gleichgewicht zubewegt, sollte sich die Nachfrage stabilisieren und die Angebotsbeschränkungen nachlassen. Der Aufschwung dürfte sich daher im nächsten Jahr langsamer und weniger volatil als 2021 fortsetzen – und die Inflation dürfte nach dem Winter allmählich zurückgehen.

Dieses Basisszenario ist jedoch mit erheblichen Risiken behaftet. Langwierige Angebotsengpässe und eine erhöhte teuerungsgetriebene Inflation in den Wintermonaten könnten den Aufschwung zum Erliegen bringen und den Weg zu Stagflationsszenarien ebnen. Es ist auch möglich, dass die Inflationsdynamik auf die Erwartungen und den Arbeitsmarkt übergreift und sich somit verfestigt, was eine straffere Geldpolitik erforderlich machen würde. Darüber hinaus: Politische Risiken (z. B. der chinesische Umgang mit der Krise im Immobiliensektor, das US-Infrastrukturgesetz) stellen eine erhebliche Unsicherheit dar und trüben die Aussichten.“

Quelle: BondWorld