Finanzmärkte vertrauen auf Trump

Inflationserwartungen lösen deutlichen Renditeanstieg aus…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die Börsen haben die überraschende Wahl Donald Trumps zum Präsidenten rasch verdaut. Noch in der Wahlnacht haben sich die globalen Finanzmärkte vom initialen Schock erholt. Am Schweizer Markt waren zunächst vor allem die Pharma-Werte gefragt. Unter einer Präsidentschaft Clintons war ein höherer Druck auf die Medikamentenpreise befürchtet worden. Mit etwas mehr Distanz zum Wahlausgang hat die Euphorie dann auch die Schweizer Finanzwerte erfasst. Trump steht für weniger Regulierung, was den Bankenaktien nach einem bisher trostlosen Jahresverlauf eine Anschubhilfe verschafft hat.

Die Finanztitel profitierten aber auch von der steileren Zinskurve, denn die langfristigen Zinsen sind aufgrund der erhöhten Inflationserwartungen wesentlich stärker angestiegen als das kurze Ende der Zinskurve. Eine Ausweitung der Infrastrukturausgaben und Steuersenkungen sollte Trump relativ rasch durch das republikanisch dominierte Parlament bringen können, was tendenziell inflationsfördernd wirkt. Zum ersten Mal seit Februar haben somit die 10-jährigen US-Staatsanleihen das Renditeniveau von 2.0% überschritten. Im Schlepptau der Treasuries sind die Zinsen auch in der Schweiz relativ kräftig angestiegen (siehe Grafik). Die Eidgenossenrendite von aktuell -0.2% liegt deutlich über dem Tiefststand vom Sommer. Prompt macht die Frage nach der Zinswende wieder die Runde. Wir gehen zwar in den kommenden Monaten von leicht steigenden Zinsen aus, die Schweizer Kapitalmarktsätze dürften es vorerst aber schwer haben, in den positiven Bereich zu gelangen. Denn die Inflationserwartungen haben wahrscheinlich kurzfristig etwas überschossen und sollten sich auch aufgrund des anhaltend tiefen Ölpreises wieder dämpfen. Die Schweizer Geldmarktsätze sind dagegen für die kommenden Monate im negativen Bereich zementiert. Insbesondere in Europa bleiben die Notenbanken äusserst expansiv.

In der kommenden Woche dürften die Daten aus der Eurozone die robuste Konjunkturdynamik bestätigen. Im Q3 erwarten wir

ein BIP-Wachstum von 0.3%. Deutschland bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor, obwohl die Industrie im Q3 etwas an Fahrt verloren hat. Dagegen zeigen die Exporterwartungen für Q4 bereits wieder eine leicht höhere Dynamik. In der Schweiz stehen die Produzenten- und Importpreise zur Veröffentlichung an. Die tiefen Energiepreise haben den Aufwärtstrend vorerst gestoppt.

Aufgrund des relativ dünnen Datenkalenders und der fast abgeschlossenen Berichtssaison dürfte auch in den kommenden Tagen die Nachbearbeitung der US-Wahlen das Marktgeschehen prägen – mit wenig Potential, die Stimmung weiter zu heben. Die Börsen haben sich zwar auf eine konstruktive, leicht inflationsfördernde Regierung Trump eingestellt. Risiken, wie der zu erwartende Protektionismus, können aber nicht anhaltend im Hintergrund bleiben.

11112016

 

Quelle: BONDWorld.ch