Fokus: Aufwärtspotential bei Zinsen weiterhin begrenzt

An den Kapitalmärkten hat zuletzt ein neuer Anlauf zur Zinswende begonnen. Angetrieben durch die Erwartungen eines Zinsschritts der amerikanischen Notenbank Fed bei ihrer kommenden Sitzung Mitte Dezember, sowie gestiegenen Inflationserwartungen aufgrund des geplanten Konjunkturprogramms des neu gewählten US-Präsidenten, haben die Langfristzinsen einen Sprung nach oben gemacht……


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Ungeachtet dessen bleiben die US-Zinsen weiter unter dem Niveau von Anfang 2014 (siehe Grafik). Und daran dürfte sich kurzfristig auch nichts ändern. Ein weiterer Zinsschub ist unseres Erachtens nicht angezeigt. Denn die Fed sollte auch nach einem möglichen Zinsschritt noch dieses Jahr vorsichtig bleiben. Ihr mittelfristiger Wachstums- und Zinsausblick fällt unverändert gedämpft aus. Und mit der erneuten spürbaren Aufwertung des USD sowie gestiegenen Hypothekenzinsen dürfte sie derzeit keinen Bedarf für eine beschleunigte Zinsnormalisierung sehen. Darüber hinaus erscheinen die Hoffnungen auf die positiven Effekte von Trumps Wirtschaftspolitik überzogen. Die Umsetzung zusätzlicher Infrastrukturinvestitionen wird einige Zeit auf sich warten lassen. Das hohe US-Budgetdefizit sollte den Spielraum der Regierung begrenzen. Und in der aktuell vergleichsweise guten Verfassung, in der sich die US-Wirtschaft befindet, entfalten Fiskalmassnahmen erfahrungsgemäss eine geringere Wirkung.

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Der Zinsanstieg in den USA und die damit verbundenen höheren globalen Inflationserwartungen haben auch die europäischen Renditen nach oben gezogen, allerdings deutlich weniger stark. Und für die kommenden Monate halten wir das weitere Aufwärtspotential hier für begrenzt. Trotz der kontinuierlichen Konjunkturerholung in der Eurozone, bleibt die Dynamik moderat. Dies gilt vor allem für die strukturschwächeren Mitgliedsländer. In Italien ist der Renditeaufschlag zu deutschen Bundesanleihen im Zuge der gestiegenen politischen Unsicherheit zuletzt wieder angestiegen (siehe Grafik).

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Damit sehen wir gute Chancen, dass die EZB kommenden Donnerstag die Anleihekäufe unverändert mit einem monatlichen Volumen von 80 Mrd. Euro fortführen wird und das Programm um ein halbes Jahr bis September 2017 verlängert. Insbesondere im Falle einer Ablehnung des VerfassungsReferendums in Italien sollte sie versuchen einen Anstieg der Renditen zu dämpfen. Aufgrund des vorgegebenen Verteilungsschlüssels bei den Anleihekäufen dürfte wegen der zunehmenden Knappheit der aufkaufbaren Anleihen allerdings weiterhin vor allem der Zinsanstieg bei den finanzstärkeren Mitgliedsländern wie zum Beispiel Deutschland begrenzt bleiben.

Quelle: BONDWorld.ch