Fokus: Defensive gegenüber zyklischen Sektoren bevorzugt

Da keine bestimmte Branche in der langen Frist eine bessere Aktienperformance als andere aufweist, kann eine richtig implementierte Rotation eine profitable Anlage-Strategie sein. So zum Beispiel zwischen defensiven und zyklischen Branchen…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Eine zyklische Aktie ist mit der Konjunktur stark korreliert, ist also vom Zustand der Wirtschaft abhängig. Gibt es einen Konjunkturaufschwung, wachsen die Unternehmensgewinne, und die Aktienkurse steigen. Die zyklischen Sektoren haben auch ein höheres Beta, das heisst sie wachsen und fallen schneller als die defensiven Branchen (siehe Grafik). Ein Beispiel könnte ein industrieller Dienstleister sein. Ein Unternehmen braucht mehr Logistik-Dienstleistungen während einer Expansionsphase, als bei einem konjunkturellen Abschwung.

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Im Gegensatz zu den Zyklikern, ist eine defensive Aktie nur schwach mit der Konjunktur korreliert. Die Verkäufe von Waren und Dienstleistungen dieser Sektoren schwanken nur wenig zwischen einem Auf- und Abschwung. Eine klassische defensive Branche bilden die Unternehmen des Gesundheitswesens. Die Nachfrage nach Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen bleibt relativ stabil. Beachten muss man aber, dass auch die defensiven Aktien keine Verlustgarantie bieten. Denn auch wenn die Nachfrage nach Pharmaprodukten im Vergleich zu jener nach industriellen Güter bei einem Konjunkturabschwung weniger betroffen ist, kann zum Beispiel die Nachfrage nach nicht unverzichtbaren Medikamenten zurückgehen und somit auch die Gewinne der Pharmaunternehmen belasten.

Der SMI ist generell defensiver als die europäischen und USAktienindizes, was sich nicht zuletzt auch bei der weniger stark ausgefallenen Korrektur als Reaktion auf das BrexitVotum zeigte. Die politische und wirtschaftliche Stabilität der Schweiz ist nicht der einzige Grund dafür. Die defensiven Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche sind für fast 64% der SMI-Kapitalisierung verantwortlich (siehe Grafik). Im Gegensatz zum Schweizer Leitindex bestehen die zwei grössten Sektoren im Euro STOXX 50 aus zyklischen Banken- und die Industrietiteln, während der S&P 500 stark von IT und Finanzen getrieben wird.

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Die Sektor-Einteilung kann manchmal ungenau sein, vor allem in kleineren Märkten wie der Schweiz. Die SPI-Branche „Persönliche und Haushaltsgegenstände“ zum Beispiel weist nicht die klassischen defensiven Merkmale auf. Cie Financiere Richemont repräsentiert über zwei Drittel vom Indexgewicht. Luxusgüter aber schwanken stark mit der Konjunktur. Auf der anderen Seite ist die normalerweise zyklische EinzelhandelBranche in der Schweiz von der im Gesundheitsmarkt tätigen und somit defensiven Galenica geprägt. Dementsprechend muss die Zusammensetzung des Aktienkorbs (ob Einzeltitel oder Fonds) jeweils genau geprüft werden.

In Anbetracht der zahlreichen Risikoherde an den globalen Finanzmärkten dürften die defensiven Sektoren weniger als die Zykliker von den Turbulenzen betroffen sein. Dabei handelt es sich aber nur um eine relative Präferenz, denn auch der defensive Sektor ist teuer bewertet – sowohl gegenüber den Zyklikern als auch gemessen am eigenen Langfristdurchschnitt des Kurs-Buchwert-Verhältnisses.

Quelle: BONDWorld.ch