Fokus: Europäische Zinserwartungen kommen in Bewegung

Die amerikanischen Notenbanker haben mittlerweile ausreichend Vertrauen in den Aufschwung der US-Wirtschaft, um die Zinsnormalisierung schrittweise fortzuführen…….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


In Europa ist dies noch nicht der Fall. Zumindest bei ihrer jüngsten Lagebeurteilung zeigten sich die EZB-Offiziellen insgesamt noch nicht überzeugt davon, ob die gefestigte Erholung die Inflation nachhaltig Richtung Zielmarke der Notenbank anheben wird. Die EZB geht deshalb weiterhin davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Anleihekaufprogramms auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben.

Diese Mehrheitsmeinung ist aber in der letzten Woche unter Beschuss gekommen. Nicht nur der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, plädierte wiederholt für eine ausgewogenere Risikobeurteilung der EZB. Zudem brachte das österreichische Ratsmitglied, Ewald Nowotny, eine frühere Anhebung des negativen Einlagensatzes ins Spiel. Und auch der italienische Vertreter, Ignazio Visco, betonte die Möglichkeit, die aussergewöhnlichen Negativzinsen schneller als bislang erwartet zurückzuführen.

Die Diskussion hat die Zinserwartungen für Europa in Bewegung gebracht. Die Reaktion fiel zwar deutlich verhaltener aus, als zuletzt in den USA. Aber für die Eurozone wird aktuell auf Jahressicht eine Anhebung des Einlagenzinses erwartet (siehe Grafik).

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Dies hat sich auch auf die Erwartungen für die Schweizer Geldpolitik ausgewirkt. Es ist zwar weiterhin noch keine Zinserhöhung in der Schweiz für dieses Jahr eingepreist. Von einer nochmaligen Zinssenkung der SNB wird aber mittlerweile klar nicht mehr ausgegangen. Und anstatt einem ersten Zinsschritt erst 2020, wird dieser derzeit „bereits“ für Ende 2018 gesehen. Der Zinsabstand zur Eurozone ist entscheidend für die SNB-Zinspolitik. Eine gewisse Zinsnormalisierung in der Eurozone würde der Nationalbank wohl wieder etwas mehr Bewegungsspielraum geben.

Ob sich eine EZB-Ratsmehrheit jedoch letztendlich bereits dieses Jahr für eine Rückführung des Negativzinses, und damit für eine Anpassung der Gesamtstrategie, bildet, bleibt ungewiss. Trotz negativer Begleiterscheinungen attestierte die EZB im Rahmen des letzten Finanzstabilitätsberichts den Negativzinsen zusammen mit den anderen Nicht-Standard-Instrumenten bislang netto einen positiven Einfluss auf die Finanzmarktstabilität. Die Aktualisierung dieser Einschätzung steht Ende Mai mit dem kommenden halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht an.24 03 14 2FOCUS

Insgesamt bestärkt uns die Diskussion aber in der Erwartung, dass die EZB in einem anhaltend positiven konjunkturellen Umfeld im weiteren Jahresverlauf die Abwärtsrisiken weniger stark gewichtet und die Märkte zumindest auf eine schrittweise Rückführung der Anleihekäufe vorbereitet (siehe Grafik) – wobei auch die zunehmende Knappheit der kaufbaren Anleihen in einigen Ländern eine wichtige Rolle spielt.

 

 

Quelle: BONDWorld.ch