Fokus: Fed bleibt allein auf weiter Flur

An der Zentralbank-Konferenz von Jackson Hole stimmte die Fed-Vorsitzende Janet Yellen in den Chor jener Kollegen ein, die in den letzten Wochen eine baldige Zinserhöhung wieder ins Spiel gebracht hatten….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Laut Yellen spricht angesichts der soliden Entwicklung am Arbeitsmarkt aktuell mehr für eine Zinserhöhung als noch in den letzten Monaten. Die volatilen US-Zinserwartungen sind in der Folge erneut gestiegen. Der Marktkonsens geht mittlerweile knapp von einem Zinsschritt im Dezember aus. Die an den Terminmärkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung schon im September liegt immerhin bei 40%. Neben der derzeitigen Wirtschaftslage äusserte sich Janet Yellen in Jackson Hole aber auch grundsätzlich zur unkonventionellen Geldpolitik sowie perspektivisch zu möglichen neuen Instrumentarien, die in der Zukunft bei Rezessionen zum Einsatz kommen könnten. Die Anleihenkäufe und die Forward Guidance haben sich laut Yellen als erfolgreich erwiesen. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass künftige Entscheidungsträger in der Notenbank noch weiter gehen könnten, z.B. mit einer Ausweitung der Käufe auf andere Wertpapierarten, wobei dies derzeit keinesfalls in Betracht gezogen werde.

Interessanterweise erwähnte sie dabei Negativzinsen mit keinem Wort, was den anhaltend grossen Unterschied zur Geldpolitik in der Eurozone und Japan demonstriert. Sowohl die EZB als auch die Bank of Japan (BoJ) liessen zuletzt erneut durchblicken, dass sie eher zu einer abermaligen Lockerung der Geldpolitik neigen und eine weitere Senkung der Zinsen noch tiefer in den Negativbereich durchaus nicht auszuschliessen ist. Die BoJ nimmt gerade eine Überprüfung ihrer geldpolitischen Ausrichtung vor und entscheidet am 21. September über allfällige neue Massnahmen. Notenbankpräsident Haruhiko Kuroda hat zuletzt betont, dass es noch genügend Spielraum für eine weitere Lockerung gibt, auch bei den Wertpapierkäufen. EZB-Ratsmitglied Benoît Cœuré wiederum warnte wiederholt davor, dass ungenügende Strukturreformen und mangelnde Fiskalimpulse seitens der europäischen Regierungen die Notenbank dazu veranlassen könnte, weitere Massnahmen zu ergreifen.

Grosse Unterschiede zu den USA zeigen sich nicht zuletzt auch bei der Inflationsdynamik. Die Kerninflation, also der unterliegende Preistrend, liegt in den USA seit Ende 2015 konstant über 2%. In der Eurozone und Japan liegt dieselbe Teuerungsrate hingegen unter 1% und hat zuletzt trotz der ultraexpansiven Geldpolitik sogar abgenommen. Es erstaunt daher nicht, dass die Leitzinserwartungen zwischen den USA auf der einen und der Eurozone und Japan auf der anderen Seite weiterhin divergieren. Beim EUR und JPY liegt der in einem Jahr erwartete 1-Monats-Geldmarktsatz derzeit unter dem aktuellen 1-Monatslibor (siehe Grafik). Der Markt rechnet also eher mit weiteren Zinssenkungen. Nachdem die Bank of England vor kurzem den Leitzins auf 0.25% gesenkt sowie die Anleihenkäufe ausgeweitet hat, wird auch in Grossbritannien eher eine weitere Lockerung erwartet. In den USA hingegen liegt der erwartete Geldmarktsatz über dem aktuellen Niveau, wenn auch nur um ca. 20 Basispunkte, was mit einer Zinserhöhung korrespondiert.

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Mit einem Leitzins im positiven Bereich und gleichzeitig nach oben zeigenden Erwartungen bleibt die Fed unter den grossen Notenbanken der Industrieländer also praktisch alleine auf weiter Flur. Wir rechnen aber damit, dass die Fed weiterhin sehr zaghaft agieren wird, um angesichts der expansiven Geldpolitik im Rest der Welt keine erneute, kräftige Dollaraufwertung und andere Verwerfungen zu riskieren. Ein bis zwei Zinsschritte binnen Jahresfrist sind möglich, da die Fed eigentlich relativ nahe davor steht, ihr Doppelmandat (Vollbeschäftigung und Preisstabilität) zu erfüllen. Wir bleiben allerdings skeptisch, ob sie die Zinsen noch in diesem Jahr erhöht. Die Volatilität an den Finanzmärkten war im August sehr niedrig, was wohl zu den steigenden Zinserwartungen beigetragen hat. Die Fed hat sich in den letzten Monaten und Jahren jedoch wiederholt zurückhaltend gezeigt, sobald an den Märkten Unruhe aufkam.

In Japan hingegen steht wohl bereits diesen Monat eine weitere Lockerung an. Bei der EZB geht der Marktkonsens von zusätzlichen Massnahmen im Q1 2017 aus. Damit bleibt auch die Schweizerische Notenbank an den Negativzins gebunden. Immerhin gibt es derzeit aber keine Markterwartungen für eine erneute Zinssenkung der SNB.

Quelle: BONDWorld.ch