Fokus: Fed dürfte weiter pausieren – auch wegen Anstieg der Geldmarktzinsen

Bei der US-Notenbank ist schon seit Jahren die Rede von der Normalisierung der Geldpolitik. Abgesehen vom Ende der quantitativen Lockerung im Herbst 2014 und einer einzigen Zinserhöhung im Dezember 2015 ist bisher aber nicht viel passiert…..


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Ein Grund dafür ist, dass sich die monetären Rahmenbedingungen für die US-Wirtschaft auch ohne direktes Zutun der Fed verschärft haben, vor allem über den Wechselkurskanal. Steigende Zinserwartungen haben den US-Dollar ab Mitte 2014 in die Höhe schnellen lassen, was eine ähnliche Wirkung entfaltet hat wie eine Zinserhöhung: Das Expansionstempo der Wirtschaft hat sich etwas abgekühlt und die niedrigeren Importpreise haben die Inflation gedämpft. Seit über einem Jahr tendiert der handelsgewichtete Dollarkurs zwar wieder mehr oder weniger seitwärts. Die negativen Effekte der Aufwertung wirken aber teilweise weiter nach: Der Exportsektor und die Industrie kommen nach wie vor nicht in die Gänge.

Auch der jüngste Anstieg bei den Geldmarktsätzen auf ein Nachkrisenhoch kommt eigentlich einer Straffung der Geldpolitik gleich – auch ohne Zinserhöhung durch die Fed. Das Notenbankzielband für die Federal-Funds-Rate beträgt weiterhin 0.25%-0.5%. Der Dreimonats-USD-Libor notiert aktuell aber bei etwas über 0.8%, der Jahressatz gar bei über 1.5%. Dies sind 20 respektive 30 Basispunkte mehr als noch im Juni. Zurückzuführen ist der Anstieg nicht auf gestiegene Zinserwartungen sondern vielmehr auf neue regulatorische Anforderungen, die ab Mitte Oktober für bestimmte USGeldmarktfonds gelten. Ziel dieser Reform ist es, die Stabilität des Geldmarkts zu erhöhen, damit die Liquiditätsversorgung an Unternehmen und Banken auch in Krisenzeiten gewährleistet ist. Die Neuerung umfasst folgende Aspekte:

1. Die Gelmarktfonds können neu eine Gebühr von 2% auf Rückzahlungen erheben und diese um 10 Tage blockieren, wenn der Anteil der Fondsaktiven, der innerhalb einer Woche liquidiert werden kann auf unter 30% sinkt.

2. Der Nettoinventarwert (Aktiven minus Passiven) der Fonds muss neu täglich berechnet und ausgewiesen werden. Dies soll die Transparenz erhöhen und das Risiko abrupter Rückzahlungsforderungen verringern.

In den letzten Monaten zeigte sich jedoch, dass die von der Reform betroffenen Geldmarktfonds, also jene die institutionelle Kunden bedienen und hauptsächlich in Kurzfristpapiere von Unternehmen und Banken investieren, am Markt an Attraktivität verloren haben. Sie verzeichnen Kapitalabflüsse, während Geldmarktfonds, die ausschliesslich in kurzfristige Staatspapiere investieren und kein Risiko möglicher Einschränkungen für Investoren bergen, von einem deutlichen

Neugeldzufluss profitieren. Dies hat es für Banken und andere Unternehmen schwieriger gemacht, sich am Geldmarkt zu refinanzieren, was entsprechend den Preis für Liquidität hat steigen lassen: Der USD-Libor hat über alle Laufzeiten hinweg zugelegt (siehe Grafik).

Es ist noch nicht absehbar, ob dies ein nachhaltiger Effekt ist und wie sich die Geldmarktsätze nach Inkrafttreten der Reform weiter entwickeln werden. Auch deshalb erscheint uns eine Zinserhöhung der Fed an der nächsten Lagebeurteilung am 21. September unwahrscheinlich. Darüber hinaus rechnen wir aber auch im Dezember mit keinem Zinsschritt. Die Konjunkturdaten waren zuletzt durchzogen. Und mit dem Anstieg der Geldmarktzinsen droht der Wirtschaft zusätzlich Gegenwind, vor allem wenn der Libor weiter nach oben tendiert. Denn dieser ist trotz des Manipulationsskandals der letzten Jahre weiterhin ein wichtiger Referenzzinssatz für Derivatgeschäfte aber auch Hypotheken und andere Konsum- und Unternehmenskredite. Gemäss Schätzungen von Bloomberg basieren knapp 7000 Mrd. der Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen in den USA auf dem Libor. Dabei handelt es sich neben Hypotheken unter anderem auch um die weit verbreiteten Studenten- und Autokredite. Die Verbindlichkeiten mit fixer Verzinsung überwiegen in den USA zwar deutlich. Die Kredite mit variablem Zins, wie z.B. dem Libor, wirken sich aber eins zu eins auf die laufenden Verbindlichkeiten der Schuldner aus, was bei der fixen Verzinsung nicht der Fall ist. Der jüngste Libor-Anstieg um über 20 Basispunkte kostet die privaten amerikanischen Schuldner etwa 14 Mrd. USD, was immerhin rund 0.1% des BIP entspricht.

 

Quelle: BONDWorld.ch