Fokus: Fusionsaktivität bleibt hoch

Fusionsaktivität bleibt hoch Anfang dieser Woche hat die Kommission für Auslandsinvestitionen in den USA grünes Licht für ChemChinas Übernahme von Syngenta gegeben….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Der Kursabschlag zum Übernahmeangebot hat sich nach dem positiven Entscheid halbiert, bleibt aber bei 7%, weil noch weitere Anti-Kartell Regulierer (inkl. EU) zustimmen müssen. Im Vergleich betrug der Abschlag der Kuoni Aktie zum Angebotspreis von EQT seit der Ankündigung und bis zum Vollzug nicht mehr als 3%. Auch Schweizer Unternehmen kaufen im Ausland zu. So hat etwa die Basler Chemiegruppe Lonza letzte Woche ihr Nahrungsergänzungsmittelgeschäft mit der Akquisition der amerikanischen Interhealth Nutraceuticals erweitert. Der Zürcher Lebensmittelproduzent Orior wiederum hat diese Woche die Übernahme des belgischen Fertigmahlzeitenherstellers Culinor angekündigt. Die Fusionswelle rollt also weiter.

Unternehmen haben Mittel für Fusionen

Für Unternehmen sind die Konditionen für Bankkredite und auch für die Beschaffung am Kapitalmarkt heute so günstig wie nie. Damit werden unter anderem Fusionsaktivitäten finanziert. Die Ankäufe von Unternehmensanleihen durch Notenbanken, u.a. die im März angekündigte Expansion des EZB-Programms, spielen dabei eine wichtige Rolle. So waren gemäss der Ratingagentur Fitch Übernahmen der Hauptzweck der EUR-Neuemissionen in der ersten Hälfte dieses Jahres.

Transaktionsvolumen bleibt hoch

Wert globaler Transaktionen, in USD Milliarden

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Auch die Cash-Bestände der Unternehmen sind auf einem satten Stand und werden defensiv genutzt. Sie zahlen das Geld an ihre Aktionäre zurück (Dividende oder AktienRückkäufe) oder fusionieren. Im Vergleich zu organischem Wachstum in Form von Anlageinvestitionen sind Firmenzukäufe weniger riskant: Sie bieten einen unmittelbaren Zugang

zu den Aktiven und den Kundenbeziehungen. Wenngleich das Fusionen-Rekordhoch von 2015 eher nicht übertroffen wird, bleibt das Transaktionsniveau dieses Jahr in Anbetracht der Unsicherheitsherde Brexit und US-Wahlen sowie weiterhin sportlichen Bewertungen hoch (siehe Grafik). Bewertungen werden immer ambitionierter Auf dem Fusions-, wie auch am Aktienmarkt, sind die Bewertungen in der historischen Betrachtung eher teuer. Eine gängige Bewertungskennzahl, der Multiplikator basierend auf Transaktionswert und dem Gewinn vor Steuern und Amortisation (EBITDA), bleibt über dem langfristigen Durchschnitt (siehe Grafik). So bietet ChemChina USD 465 in bar und eine Sonderdividende von fünf Franken je SyngentaAktie, was einem Transaktionswert/EBITDA von 18 für den Basler Agrokonzern entspricht. Das ist das Doppelte im Vergleich zu anderen grossen Übernahmen aus der Chemiebranche in den letzten zehn Jahren. Auch bei der diese Woche angekündigten milliardenschweren Übernahme des Biotech-Unternehmens Medivation durch Pfizer, ist der Kaufpreis im Vergleich zu EBITDA um ein Drittel höher als bei vergleichbaren Transaktionen.

Keine Schnäppchen am Fusionsmarkt

Transaktionswert durch Gewinn vor Steuern und Amortisation (EBITDA), globale abgeschlossene Transaktionen.

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In 2015 wurde der Post-Lehman-Krise Höhepunkt bei Übernahmen, sowie beim SMI Index erreicht. Dieses Jahr hat bislang einen Rückgang gezeigt, der das Erreichen der Höhen vom vorherigen Jahr unwahrscheinlich macht. Das Börsenumfeld zeigt sich weiterhin angespannt. Aber das Potential für organisches Wachstum der Unternehmen ist limitiert und die Zinsen bleiben tief. Vor diesem Hintergrund dürfte auch im restlichen Jahresverlauf die Fusionswelle nicht verebben.

 

Quelle: BONDWorld.ch