Fokus: Märkte im Griff der Notenbanken

Die Flucht in sichere Häfen in volatilen Zeiten zeigen die Portfolioflüsse bei den weltweit grössten börsengehandelten Fonds sehr deutlich. Bei hoher Unsicherheit nehmen beispielsweise die Bestände in US-Staatsanleihen massiv zu und in Schwellenländeraktien deutlich ab (siehe Grafik)…..


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Während Turbulenzen raus aus risikoreichen und rein in risikoarme Anlagen …

Netto-Geldflüsse der grössten ETFs in % des verwalteten Vermögens

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Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Research

Andererseits ist die Korrelationen zwischen den Anlageklassen aktuell relativ hoch und gleichlaufende Tagesrenditen sind keine Seltenheit (siehe Grafik). Einen wichtigen Grund dafür orten wir in der Verzerrung der Märkte durch die Notenbanken.

… aber oft zeigen die verschiedenen Anlageklassen in die selbe Richtung

Beispiel Tagesrendite am 13. September

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Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Research

In Abwesenheit von tiefgreifenden strukturellen Reformen und bedeutenden fiskalischen Stimuli, haben die Notenbanken nach der Finanzkrise eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung der Konjunktur eingenommen. Die Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten lösen oftmals geringere Marktreaktionen aus als Reden von Notenbankern. Diese Woche beispielsweise äusserte sich die Fed-Gouverneurin Lael Brainard dahingehend, dass es keine Eile gibt, die Zinsen anzuheben. Daraufhin verzeichnete der US-Leitindex mit +1.5% den grössten Tagesanstieg seit mehr als 2 Monaten. Die Staatsanleihen reagierten ebenfalls positiv, auch wenn nicht im gleichen Ausmass.

Was treibt die Anlagenklassen in die gleiche Richtung?

Der Gleichlauf der Kursbewegungen verschiedener Anlageklassen ist hauptsächlich auf die ultraexpansive Geldpolitik zurückzuführen. Historisch tiefe Renditen und Ankaufprogramme der Geldhüter haben sowohl die Preise von Obligationen als auch von Aktien in einer liquiditätsgetriebenen Rally nach oben schnellen lassen. Notenbanken kaufen im hohen Ausmass Wertpapiere und Investoren kaufen im Tiefzinsumfeld Aktien oder auch Anleihen von Schuldnern mit geringerer Kreditqualität. Die erhöhten Risiken werden angesichts der Erwartung zusätzlicher Notenbankmassnahmen in den Hintergrund gestellt.

Konsequenzen für die Anlagepolitik

Die Korrekturen am Aktien- und Obligationenmarkt, ausgelöst durch Spekulationen über eine baldige US-Zinsanhebung, sind für uns ein Indiz, dass die US-Notenbank 2016 keinen Zinsschritt realisieren wird. Die Fed liess sich schon zu Beginn des Jahres von Marktturbulenzen und ihren potentiellen Auswirkungen auf die US-Konjunktur abschrecken. Andere Notenbanken sollten am expansiven Kurs festhalten und somit die Kurse stützen. Unseres Erachtens dürfte das weitere Aufwärtspotential aber begrenzt sein. Denn für nachhaltige Kursavancen reichen die Liquiditätsinjektionen nicht mehr aus. Die Märkte sind auf eine Verbesserung der Fundamentaldaten, also eine Beschleunigung der Konjunktur und eine Erholung der Gewinndynamik, angewiesen. Aber auch in diesem Umfeld bleibt eine breite Diversifikation zentral. Insbesondere die Beimischung von Gold, Schweizer Immobilien und alternativen Strategien, die alle eine vergleichsweise geringe Korrelation zu den traditionellen Anlageklassen aufweisen, können wichtige Diversifikationsvorteile bringen. Aktuell empfehlen wir zudem unverändert eine leicht untergewichtete Aktienquote sowie ein leichtes Übergewicht in Unternehmensanleihen mittlerer bis hoher Kreditqualität.

Quelle: BONDWorld.ch