Fokus: Ölministertreffen dürfte Überangebot nicht beenden

Vor dem Treffen der OPEC-Ölminister mit Nichtkartellmitgliedern nächste Woche in Algier zeigen sich die Ölpreise nervös….


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. Click here to register for your free copy 


Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Auch wenn die insgesamt volatilen Daten zu den USLagerbeständen jüngst wieder in Richtung leichter Entspannung deuteten und der Iran zuletzt sogar Kooperationsbereitschaft zur Stabilisierung der Ölpreise signalisierte, reicht das bisher trotz Unterstützung durch einen schwächelnden USD nicht für einen Ausbruch aus dem seit einem Monat andauernden Seitwärtskanal. Wohl nicht zuletzt in Erinnerung an den gescheiterten ausserordentlichen Ölgipfel vom Frühjahr dieses Jahres, bleiben die Marktteilnehmer hinsichtlich des möglichen Ausgangs des kommenden Treffens misstrauisch – eine Skepsis die wir für angebracht halten. Denn erstens sind die Signale aus Teheran widersprüchlich und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit kann sich wortwörtlich über Nacht wieder ins Gegenteil umkehren. Tatsache ist, dass der Iran weiterhin eine Ausweitung seiner Produktionsmenge von derzeit rund 3.6 Mio. Fass/Tag auf über 4 Mio. anstrebt, was aber Erzfeind und OPEC-Dominator Saudi-Arabien verhindern will. Gleichzeitig würde von höheren Ölpreisen vor allem das hochwertigere saudische Öl profitieren, da Riad grösseren Spielraum zur Rabattgewährung gewänne. Dies wiederum liegt definitiv nicht im Interesse Teherans. Allen Absichtserklärungen zum Trotz bleibt die Situation also verzwickt.

Unsere Skepsis beruht zudem darauf, dass auch die restlichen OPEC-Mitglieder wenig Bereitschaft zu schmerzhaften Kompromissen zeigen dürften. Denn angesichts anhaltend niedrigen Ölpreises produzieren die Mitgliedsstaaten auf Hochtouren um eingebrochene Margen aufzufangen: Mit fast 33.7 Mio. Fass/Tag förderte das Kartell im August auf einem neuen Allzeithoch – alleine seit Jahresbeginn wurde die Produktion um täglich 745’000 Fass gesteigert. Damit die OPEC-Staaten angesichts klammer Haushaltskassen tatsächlich den Ölhahn ein wenig zudrehen, müssten die Ölpreise in einem solchen Umfang steigen, dass die Erlöse insgesamt mindestens gleich bleiben, was aber wenig wahrscheinlich ist. Und wenn doch ist es angesichts des höheren Ölpreises und somit wieder gestiegener Profitmöglichkeit nur eine Frage der Zeit, bis einzelne Mitglieder erneut mehr als die vereinbarten Förderquote produzieren (einen Sanktionsmechanismus kennt die OPEC nicht). Mit dem Resultat, dass bald wieder alle Ölpumpen unter Volllast laufen würden.

Wir erwarten daher entweder ein Scheitern des Treffens oder aber einen Fördermenge-Kompromiss auf solch hohem Niveau, dass das aktuelle Überangebot am Ölmarkt nicht massgeblich gemindert wird.

Aber selbst für den unwahrscheinlichen Fall einer substantiellen und wirksamen Einigung dürfte ein Rückenwind für die Ölnotierungen nicht nachhaltig sein. Denn nach wie vor werden die US-Fracker das Zünglein an der Waage bleiben. Dies indiziert auch die Anzahl der gebohrten aber nicht komplettierten Bohrlöcher (sogenannte DUCs: drilled but uncompleted wells), bei denen die ölführenden Gesteinsschichten zwar bereits angebohrt wurden, das eigentliche Fracken und damit die Ölgewinnung aber noch nicht begann. Ein Prozess der nur wenige Tage benötigt und genau aus diesem Grund die Fracker zu sehr flexiblen Ölanbietern macht. Obwohl die Anzahl solcher DUCs seit dem Höchststand vom März etwas abgenommen hat, verharren sie auf hohem Niveau: Gab es anfangs 2014 noch rund 2’560 DUCs warteten zuletzt 4’120 angebohrte Löcher auf das Fracken. Mehr noch: das Verhältnis zwischen DUCs und komplettierten Bohrlöchern hat zuletzt wieder deutlich zugenommen. Das bedeutet, dass jene Fracking-Unternehmen, welche den Ölpreiszerfall überlebt haben, wieder vermehrt in Lauerstellung gehen, um im Falle anziehender Ölpreise umgehend mit Produktionsausweitungen zu reagieren. Gleichzeitig halten sie eine Sockelproduktion in den ergiebigsten Förderregionen aufrecht, was sich dank markanter Effizienzsteigerung auch beim aktuellen Preisniveau als rentabel erweist. Damit dürfte die Ölschwemme so oder so anhalten.

23 09 16 Raf

Mit einem wohl ohne nennenswerten Ergebnis endenden Treffen der Ölminister, auf Hochtouren produzierenden OPEC-Staaten sowie mit amerikanischen Frackern, die nur darauf warten, bei steigenden Preisen den Markt mit noch mehr Öl zu fluten, sehen wir weiterhin keine Anzeichen für eine baldige Entspannung bei den Ölnotierungen. Die Seitwärtsbewegung dürfte somit vorerst andauern.

Quelle: BONDWorld.ch