Fokus: Schweizer meiden weiter Auslandsanlagen

EUR/CHF hat dieses Jahr zweimal dazu angesetzt, die Marke von 1.10 nachhaltig hinter sich zu lassen……


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Bislang ist der Versuch allerdings gescheitert. Anfang des Jahres führten zunehmende Sorgen um die Weltwirtschaft zu einer Trendumkehr. Und jüngst sorgte vor allem die Unsicherheit vor dem EUReferendum in Grossbritannien für einen stärkeren Franken. Turbulenzen und hohe Volatilität an den Finanzmärkten waren in der Vergangenheit ein wesentlicher Treiber für eine Aufwertung des Schweizer Franken – was auch den Sicheren-HafenStatus unterstreicht.

In den beobachteten Kapitalströmen spiegelt sich dies jedoch nicht ganz so eindeutig wider. Dies gilt speziell für (kurzfristige) Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Die ausländischen Portfolioinvestitionen in der Schweiz erlebten laut der Zahlungsverkehrsstatistik der Schweizerischen Nationalbank lediglich unmittelbar nach der Lehman-Pleite 2008 vorübergehend einen gewissen Anstieg. Seitdem kam es jedoch nicht mehr zu einer weiteren nennenswerten „Flucht“ von Kapital aus dem Ausland in die Schweiz, auch nicht zum Hochpunkt der EuroSchuldenkrise (siehe Grafik). Kapitalströme aus dem Ausland, die oft mit Sicherer-Hafen-Zuflüssen gleichgesetzt werden, spielten in den letzten Jahren keine wesentliche Rolle.

Eine sehr viel grössere Bedeutung haben seit dem Ausbruch der Finanzkrise hingegen die Schweizer Portfolioinvestitionen im Ausland. In den Jahren davor wurden die hohen Überschüsse der Schweiz aus dem Waren- und Dienstleistungshandel – die einen entsprechend positiven Leistungsbilanzsaldo bedeuten – kontinuierlich wieder im Ausland reinvestiert, über Anlagen sowie auch über Kreditvergabe. Der Gleichlauf zwischen Leistungsbilanzüberschuss und Portfolioinvestitionen im Ausland fand aber zu Beginn der Finanzkrise ein jähes Ende. Seitdem verbleiben die hohen Überschüsse gemäss Statistik komplett im Inland (siehe Grafik). Die Schweizer Anleger meiden insgesamt weitere Engagements im Ausland.

Dass dies ein wichtiger Faktor für die Frankenstärke der letzten Jahre ist, legt die Entwicklung der Devisenreserven der SNB nahe. Vor der Finanzkrise ging von den Leistungsbilanzüberschüssen aufgrund der gleichzeitigen Kapitalströme ins Ausland kein Aufwärtsdruck auf den Franken aus. Seitdem sind die durch Interventionen von der SNB in die Höhe getriebenen Devisenreserven in einem ähnlichen Ausmass gestiegen wie die kumulierten Aussenhandelsüberschüsse. Die SNB musste also über Devisenkäufe die ausbleibenden Schweizer Kapitalflüsse ins Ausland kompensieren.

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Seit der Aufgabe der Wechselkursuntergrenze Anfang letzten Jahres haben die Schweizer Portfolioinvestitionen im Ausland wieder eine leichte Steigerung verzeichnet. Eine nachhaltige Normalisierung der Situation kann jedoch weiterhin nicht festgestellt werden. Mit den gestiegenen Wachstumssorgen um die Weltwirtschaft zum Jahreswechsel waren die Portfolioinvestitionen im ersten Quartal 2016 sogar wieder ganz leicht negativ. Und da ungeachtet des Wechselkursschocks vom letzten Jahr die Schweizer Exportüberschüsse sogar nochmals weiter angestiegen sind (siehe Grafik), ist aktuell aus dieser Richtung kein Rückenwind für eine weitere, stärkere Frankenabwertung angezeigt.

Weiter sehr hohe Aussenhandelsüberschüsse

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Quelle: BONDWorld.ch