Fokus: Trump – Wachstumsbremse oder Konjunkturmotor?

Die erwartete Schockreaktion an den Finanzmärkten unmittelbar nach der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten blieb quasi aus……..


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die ersten Töne des Gewinners nach dem Wahlsieg fielen im Vergleich zur Wahlkampfrhetorik erstaunlich versöhnlich aus. Trump kündigte an das Land wieder einen und seinen Gegnern die Hand auszustrecken zu wollen. Zudem wolle er unter Wahrung der amerikanischen Interessen einen konstruktiven Dialog mit den Handelspartnern führen.

Damit scheint der unkalkulierbare Gewinner die Märkte erst einmal einigermassen beruhigt zu haben. Die Hoffnungen, dass Trumps effektive Politik sogar mehrheitlich wirtschaftsfreundlich wirken wird, haben damit Nahrung erhalten. Denn nach sechs Jahren Blockade und Stillstand unter der Regierung Obamas, wird der künftige Präsident nach seiner Inauguration am 20. Januar mehr Unterstützung im Kongress bekommen. Zwar sind viele seiner Positionen in der eigenen Partei umstritten, und die Republikaner haben keine „Supermehrheit“ von drei Fünfteln im Senat, welche zur Durchsetzung von Gesetzesinitiativen oft notwendig ist.

Vor allem aber die Steuersenkungspläne des Kandidaten und der Partei decken sich im Wesentlichen. Der Unternehmenssteuersatz soll von 35% auf 15% gesenkt werden, und es sollen Auslandsvermögen von US-Unternehmen mit einer niedrigen Repatriierungssteuer zurückgeholt werden. Für Privatpersonen sollen die Grundfreibeträge steigen und der Spitzensteuersatz verringert werden. Breite Steuererleichterungen für Unternehmen und private Haushalte in Höhe von bis zu 2% des BIP könnten damit zügig angestossen werden. Da die USA, trotz der robusten konjunkturellen Lage, weiterhin ein hohes Budgetdefizit von rund 3% und ein hohes Schuldenniveau aufweisen, ist der Finanzierungsspielraum allerdings begrenzt, auch weil die Republikaner eher gegen schuldenfinanzierte Programme eingestellt sind.

Neben Steuersenkungen liegt ein Programmschwerpunkt Trumps auf Infrastrukturinvestitionen, nicht zuletzt im Energiesektor. Eine schnelle Umsetzung dieser Massnahmen würde für sich genommen eine Wachstumsbeschleunigung der US-Wirtschaft im kommenden Jahr begünstigen.

Im Gegensatz zu möglichen kurzfristigen Stimuluseffekten bleibt jedoch die Unsicherheit über die künftige Aussenhandels- sowie Zuwanderungspolitik hoch. Eine Abschottung der

USA sowie zunehmender Protektionismus würde sich in den USA und weltweit negativ auf Investitionen und das Wachstum auswirken. In Trumps Wahlprogramm wurden Schutzzölle gegen gewisse Importe aus China und Mexiko von bis zu 45% vorgeschlagen. Darüber hinaus soll das noch nicht ratifizierte Handelsabkommen TPP mit asiatischen Staaten gekippt werden und die bestehenden NAFTA-Vereinbarungen mit Kanada und Mexiko neu verhandelt werden. Und in der Handelspolitik hat der US-Präsident einige Optionen auch ohne Zustimmung des Kongresses wesentliche Handelsbeschränkungen zu beschliessen. Jetzt muss sich zeigen welche Mauern Donald Trump tatsächlich errichten will und kann.

Was ein Präsident Trump also insgesamt für die Weltwirtschaft bedeutet ist derzeit noch nicht abzuschätzen. Die nächsten Äusserungen des designierten Präsidenten sowie vor allem die Auswahl seiner Berater und der Regierungsmannschaft werden in den kommenden Wochen etwas mehr Licht ins Dunkel bringen und können das Pendel an den Märkten jederzeit in beide Richtungen ausschlagen lassen. Trotz absehbarer fiskalischer Stimulusmassnahmen ist es damit durchaus wahrscheinlich, dass die US-Unternehmen vorerst weiter sehr vorsichtig agieren. Die Achillesverse der US-Wirtschaft bleiben aktuell die schwachen Unternehmensinvestitionen: Unsicherheit lähmt.

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Quelle: BONDWorld.ch