Fokus: Weiter Vorsicht bei Bankaktien

Bankaktien haben seit Jahresbeginn erheblich an Wert verloren (siehe Grafik) und bleiben in den meisten Fällen klar hinter der Performance des Gesamtmarkts zurück. Konjunkturängste, die schwache Kreditnachfrage und niedrige Zinsmargen belasten die Investorenstimmung. Zudem haben sich die Sorgen vor einer Bankenkrise in Italien intensiviert….


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld. Click here to register for your free copy 


Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Italien war weniger stark von der Finanzkrise getroffen als andere Peripherieländer. Entsprechend waren Bankenrettungsprogramme nicht zwingend, wie zum Beispiel in Spanien und Irland, dessen Banken nun besser kapitalisiert sind als die italienischen (siehe Grafik).

22 07 16 1raf

Seit Jahresbeginn haben sich die Aktienkurse italienischer Banken fast halbiert. Dahinter steht die Befürchtung, dass eine grossangelegte Rekapitalisierung notwendig ist, womit die bisherigen Anteile der Altaktionäre verwässert würden. Neue Hinweise dazu, wie gross der Kapitalisierungsbedarf ist, dürfte es nächste Woche geben, wenn die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse des europaweiten Stresstests veröffentlicht. Kapitalerhöhungen aus eigener Kraft sind im aktuellen Umfeld allerdings wenig wahrscheinlich. Und staatliche Zuschüsse sind mit den neuen EU-Regeln eigentlich nicht mehr erlaubt, bevor sich die Gläubiger nicht zu wenigstens 8% an den Verlusten beteiligt haben (Bail-In). In Italien wären vom Bail-In aber viele private Kleinanleger

betroffen. Premierminister Renzi, der seine politische Zukunft mit einem Verfassungsreferendum im Oktober verknüpft, drängt daher auf eine Ausnahmelösung. Die meisten Marktakteure rechnen mit einem Kompromiss, da die EU nach dem Brexit-Ja erneute politische Turbulenzen vermeiden will.

22 07 16 2raf

Deutlich weniger stark nachgegeben als in Europa haben die Bankaktien in den USA. Die US-Banken sind besser kapitalisiert und weisen mittlerweile einen geringen Anteil notleidender Kredite auf. Die Schäden der Sub-Prime-Krise wurden grösstenteils aufgeräumt. Gemäss neueren Daten der Fed haben die Problemkredite im Q1 2016 aufgrund der Krise im Energiesektor zwar marginal zugenommen. Dies trifft jedoch vor allem kleinere, regionale Finanzinstitute. Bei den grossen Banken liegt das Kreditexposure gegenüber den Ölförderern lediglich im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Insgesamt ist die Kapitalposition der Banken in den USA stabiler als in Europa. Dies korrespondiert mit unserer taktischen Empfehlung, US-Aktien als Ganzes auf neutral und europäische auf untergewichtet zu setzen.

Bei den Bankaktien generell ist aber unserer Ansicht nach trotz der bereits erfolgten starken Korrektur weiterhin Vorsicht geboten. Auch wenn eine Lösung für die Rekapitalisierung der italienischen Banken gefunden wird, bleibt das Rückschlagpotential aufgrund der zahlreichen alternierenden Risikofaktoren wie z.B. der schleppenden globalen Konjunkturentwicklung weiterhin erhöht. Und vor allem der gedämpfte Zinsausblick wird die Erträge der Banken weiter unter Druck setzen. Wir bevorzugen daher nach wie vor defensive Sektoren mit einem Fokus auf starke Dividendenzahler.

Quelle: BONDWorld.ch