Fokus: Weltwirtschaft – weder Stimmungsblase noch Boom

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat die globale Konjunktur nicht aus dem Tritt gebracht…..


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Allen voran bei den USUnternehmen ist seitdem regelrecht Euphorie ausgebrochen. Ungeachtet der politischen Risiken hat sich die Unternehmensstimmung in den letzten Monaten erheblich verbessert und signalisiert eine starke Wachstumsbeschleunigung. Zu Jahresbeginn ist davon in den USA jedoch nichts zu bemerken. Die harten Zahlen zeigen sogar eine klare Abschwächung der US-BIP-Dynamik. Und auch weltweit hat sich die Produktionsdynamik in den letzten Monaten lediglich seitwärts entwickelt (siehe Grafik). Befinden wir uns also in einer Stimmungsblase?

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Dieser Meinung sind wir nicht. Zwar halten wir die in den USStimmungsumfragen enthaltenen sehr hohen Erwartungen an Konjunkturimpulse der neuen US-Regierung als stark übertrieben. Dies spiegelt sich immer mehr in der mageren Erfolgsbilanz der nun seit 100 Tagen amtierenden neuen US-Regierung wider. Und auch die jüngsten Stimmungsumfragen weisen erste Korrekturen von den erhöhten Niveaus auf. Ein abruptes Ende der Erholung ist allerdings nicht angezeigt.

Der Konjunkturaufschwung basiert mittlerweile auf einem vergleichsweise soliden Fundament. Die Verbesserung der Unternehmensstimmung hat sich zwar nach der Trump-Wahl beschleunigt. Der Aufwärtstrend hat jedoch bereits zuvor begonnen. Zudem ist die Erholung regional breit abgestützt. In der Eurozone haben schliesslich auch die Schuldenkrisenländer wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad gefunden. Und ein gewisser Anstieg der Rohstoffpreise von den tiefen Niveaus sowie eine vorsichtige

Geldpolitik in den USA haben geholfen, die Lage in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu stabilisieren. China scheint es derweil zu gelingen mit anhaltend massiven staatlichen Eingriffen die Wirtschaft auf Kurs zu halten. In den USA schliesslich sollte die Wachstumsschwäche zu Jahresbeginn aus saisonalen Gründen überzeichnet sein. Insgesamt untermauern die Indikatoren einen robusten US-Aufschwung mit stabilem Aufwärtstrend bei der Beschäftigung und ohne grössere Ungleichgewichte.

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Die globale Erholung zeigt sich insgesamt gefestigt und deutlich widerstandsfähiger als noch Anfang 2016. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch keine boomende Weltwirtschaft. Denn die Schwellenländer tragen nach einer Schwächeperiode zwar wieder kräftiger zum globalen Wachstum bei. Aber die Rohstoffländer kämpfen weiter mit niedrigeren Einnahmen und die Schwellenländer insgesamt mit meist ausgereiztem finanziellen Spielraum und strukturellen Hindernissen. Auch in der Eurozone sollten unverändert bestehende strukturelle Schwächen sowie der nachlassende Rückenwind von Steuererleichterungen und tiefer Inflation das weitere Aufwärtspotential begrenzen. Zudem befindet sich der Aufschwung der Wachstumslokomotive Deutschland nach 5 Jahren bereits in einer reifen Phase. Dies gilt auch für die USA. Dort muss der Zyklus aufgrund seiner Länge zwar nicht abbrechen. Grosses Aufholpotential dürfte jedoch nicht mehr bestehen. Insgesamt ein Klima für eine nicht sehr starke aber stetige Aufwärtsbewegung in diesem Jahr – was nicht das Schlechteste wäre.

Quelle: BONDWorld.ch