Goldman Sachs

Goldman Sachs Asset Management – Ausblick Chinesisches Neujahr

Goldman Sachs Asset Management – Ausblick Chinesisches Neujahr: Bullenmarkt im Jahr des Ochsen?

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


Konjunkturausblick 2021: Das Jahr des Ochsen bietet einen Weg zur Normalität mit besserem Wachstum und anhaltenden Reformen

Wachstumserwartungen von mehr als 8 %: Das Tempo des chinesischen Wachstums hat sich zwar in den letzten Jahren verlangsamt, doch wir rechnen 2021 mit einer zyklischen Erholung dank starker Exporte, zunehmender Investitionen im verarbeitenden Gewerbe und einer anhaltenden Konsumerholung. Die Markterwartungen für das reale BIP-Wachstum für 2021 liegen bei über 8 %, verglichen mit rund 2 % für 2020, was in erster Linie auf die niedrige Vergleichsbasis zurückzuführen ist. Dies dürfte einen günstigen Hintergrund für das Wachstum der Unternehmensgewinne und die Aktienrenditen schaffen.

Höherwertiges Wachstum dank Konsum und Dienstleistungen: China setzt seinen wirtschaftlichen Strukturwandel von arbeitsintensiven Industrien hin zu modernen Wirtschaftszweigen fort. Dabei wird die Produktion als Wachstumsmotor zunehmend von Konsum und Innovation abgelöst. Zuletzt standen in der Geld- und Fiskalpolitik Wachstumsziele nicht mehr ganz so stark im Vordergrund, stattdessen wurde mehr Wert auf die Qualität des Wachstums gelegt. Gleichzeitig waren die Maßnahmen zur Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik auf Risikomanagement und Reformen ausgerichtet. Dies dürfte dazu beitragen, dass sich die Qualität, Effizienz und langfristige Nachhaltigkeit des Wachstums zukünftig verbessern. Im vor Kurzem veröffentlichten 14. Fünfjahresplan wurde erstmals das Konzept des „doppelten Wirtschaftskreislaufs“ eingeführt (siehe unseren letzten Bericht „Sustainable Growth: The 14th Five-Year Plan“ [Nachhaltiges Wachstum: der 14. Fünfjahresplan]), der eine neue Wirtschaftsstrategie vorsieht, die stärker auf den Binnenkonsum ausgerichtet und weniger von globaler Integration abhängig ist. Der Aufstieg des Binnenkonsums zur Haupttriebfeder des Wirtschaftswachstums zeigt sich an den Aktienmärkten, denn die sektorale Zusammensetzung bei chinesischen Aktien hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Höherwertige und stärker wachstumsorientierte Sektoren wie Basiskonsumgüter, Informationstechnologie und das Gesundheitswesen haben ihren Anteil am Onshore-Index von gerade einmal 18 % auf heute mehr als 40 % ausgeweitet.

Die Normalisierung der Fiskal- und Geldpolitik ist auf Risikomanagement ausgerichtet: Die Wirtschaftswachstumsphase wird voraussichtlich durch stützende fiskal- und geldpolitische Maßnahmen gefördert, wir rechnen jedoch mit einer allmählichen Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik mit einem pragmatischen Fokus auf Finanzstabilität. Investitionen dürften auf Digitalisierung, neue Infrastruktur, Modernisierung von Produktionsanlagen, Städtemodernisierungen und Baulogistiksysteme ausgerichtet sein. Aus geldpolitischer Sicht erwarten wir besonders zur Jahresmitte hin ein sich abschwächendes Kreditwachstum, wenn schwächelnde Sektoren und der Arbeitsmarkt sich vollständig normalisiert haben. Das Hauptaugenmerk der Währungshüter wird unseren Erwartungen nach darauf gerichtet sein, die gesamtwirtschaftliche Verschuldung stabil zu halten und gleichzeitig zwischen Konjunkturerholung und Risikoprävention abzuwägen, was zu einer vorsichtigen, gezielten und flexiblen Geldpolitik führen dürfte.

Anhaltender Fortschritt bei der „Öffnung“ der Finanzmärkte und Strukturreformen: China hat seine Bemühungen in den letzten Jahren vor allem bei Finanzdienstleistungen und an den Kapitalmärkten beschleunigt. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird, denn die Regierung hat eine weitere Öffnung der Binnenwirtschaft durch verschiedene Reformen angekündigt, darunter leichterer Marktzugang, strengere Strafen bei Verstößen und eine Verbesserung der Marktüberwachung. Grundlage dafür sind die jüngsten Fortschritte wie eine Aufhebung von Beschränkungen für ausländische Beteiligungen im Finanzsektor und der QFII/RQFII-Quoten, die Einführung der Handelsprogramme für Aktien und Anleihen und des STAR-Markts, die Angleichung von Handelsmechanismen an globale Normen und die Reduzierung der Anzahl der Maßnahmen auf „Negativlisten“, die ausländische Investitionen beschränken. Gleichzeitig rechnen wir damit, dass Strukturreforminitiativen weiter im Fokus stehen, wie etwa die Umsetzung eines Dreijahresaktionsplans für Reformen bei staatseigenen Unternehmen (SEU) durch Privatisierung, Konsolidierung und eine bessere Unternehmensführung.

Wesentliche Risiken durch COVID-19, geopolitische Spannungen und Verschuldung bestehen nach wie vor:COVID-19 birgt die größten Risiken. Dank der Nachricht über die Zulassung und Verteilung mehrerer Impfstoffe hat sich zwar der Ausblick gebessert, doch es bestehen immer noch Risiken in Bezug auf die Anwendung und Wirksamkeit dieser Impfstoffe. Gleichzeitig stellen sprunghafte Anstiege der Fallzahlen und potenzielle Mutationen des Virus zusätzliche Risiken für die globale gesamtwirtschaftliche Aktivität dar.

Chinas Verhältnis zu den USA ist nach wie vor schwierig. Die Biden-Präsidentschaft dürfte sich zwar positiv auf die Beziehungen auswirken, doch US-Zölle und Technologiebeschränkungen könnten bleiben, denn wir sind der Ansicht, dass die USA ihre Haltung in puncto Technologie und nationale Sicherheitsmaßnahmen beibehalten wird. Die Risiken im Zusammenhang mit einem potenziellen Delisting chinesischer ADR in den USA und der Durchführungsverordnung von Präsident Trump, die US-Beteiligungen an bestimmten chinesischen Unternehmen verbietet, sind noch unklar. Die Möglichkeit weiterer Schritte von Präsident Trump vor dem geplanten Amtswechsel im Januar bleibt ein Risiko.

Und auch die jüngste Welle von Zahlungsausfällen bei Unternehmen sowie die Hinweise auf Stress im System haben zunehmende Bedenken über die Verschuldung in der chinesischen Wirtschaft geschürt. Wenn im ersten Quartal 2021 das Schuldendienstmoratorium ausläuft, könnte es mehr notleidende Kredite geben, und mit einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen könnten auch die Zahlungsausfälle bei Unternehmen steigen. Dies könnte Volatilität am Kreditmarkt verursachen und in einigen Marktsegmenten zu einer Kreditknappheit führen. Da jedoch mit einer kräftigen Erholung des BIP-Wachstums und einer Verlangsamung des Kreditwachstums gerechnet wird, erwarten wir 2021 einen Rückgang der Staatsschuldenquote, was die Bedenken über steigende Finanzrisiken etwas zerstreuen sollte. Zudem spiegelt die jüngste Verschärfung der Vorschriften für Onlinekredite die zunehmenden Bemühungen zur Eindämmung dieser Risiken wider und vor Kurzem angekündigte Maßnahmen deuten darauf hin, dass sich die Kreditlage anspannen könnte.

Quelle: BondWorld.ch