„Große Erwartungen – oder: Hält Trump, was er verspricht?“

Die Weltbörsen haben einen gelungenen Start in das Jahr 2017 hinge-legt. Während noch vor zwölf Monaten Sorgen um eine globale Konjunk-turschwäche den Märkten einen kräftigen Dämpfer verpasst hatten, beflügeln „Reflationierungserwartungen“ gegenwärtig die Aktienindizes von New York bis Tokio….


Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld Click here to register for your free copy 


Von Ann-Katrin Petersen Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research


Eng verknüpft mit diesen Hoffnungen auf eine weitere Konjunkturbele-bung und Normalisierung der Inflationsraten sind die hohen Erwartungen an den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der weltgrößten Volkswirt-schaft, die USA. Und so scheint zumindest temporär das Wohl und Wehe an den Kapitalmärkten an der „Trump-Euphorie“ zu hängen – und daran, ob sie einem Realitätscheck standhält. Mit großer Spannung werden daher Donald Trumps erste politische Schritte im „Oval Office“ (Fr) erwartet.

Hält Trump, was er verspricht? Was sich bereits abzeichnet, ist ein veränderter „Policy-Mix“ aus zukünftig expansiverer Fiskalpolitik und restriktiverer Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed. Wie aber Trumps exakte Wirtschaftsagenda aussehen wird, ist noch mit einem Fragezeichen versehen – zumal der designierte US-Präsident weder ausschließlich traditionell republikanische Ansichten verfolgt, noch sich an einem geschlossenen wirtschaftspolitischen Konzept zu orientieren scheint:

-Trumps Steuerpläne dürften im Kongress heruntergeschraubt werden und nicht vor Herbst 2017 in Kraft treten.

– Noch länger könnten nennenswerte positive Effekte der geplanten Ankurbelung von Infrastrukturinvestitionen auf sich warten las-sen.

– Zwar könnte das neue US-Kabinett letztlich davor zurückschrecken, die realwirtschaftlichen Risiken eines Handelskriegs mit China und/oder Mexiko in Kauf zu nehmen. Doch dürfte sich der Neuling auf der weltpolitischen Bühne den einen oder anderen Unruhe stif-tenden Fauxpas leisten. Ein Thema, das auch auf dem World Eco-nomic Forum in Davos eine Rolle spielen sollte (ab Di).

Kurzum: Die Frage, wie nachhaltig der (auch) erwartungsinduzierte Aufschwung an den Börsen ist, wenn der Alltag in den Washingtoner Politikbetrieb Einzug hält, ist berechtigt. Aus technischer Sicht ist die US-Börse derzeit korrekturanfällig.

Eine Rückbesinnung auf fundamentale Treiber scheint daher in den Augen mancher Beobachter durchaus angebracht. Erfreulicherweise ist inzwischen die Konjunktur in nahezu allen Regionen aufwärtsgerichtet oder hat sich zumindest gefestigt – eine Entwicklung, die übrigens bereits vor den US-Wahlen einsetzte.

Umso besser, dass in der kommenden Börsenwoche zunächst funda-mentale Treiber das Zepter übernehmen. Noch vor dem Regierungs-wechsel im Weißen Haus wird eine Fülle von US-Konjunkturindikatoren – darunter die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Mi), die Realeinkommen (Mi) das Beige Book der Fed (Mi) und der Philadelphia-Fed-Index (Do) – Hinweise darauf geben, wie es tatsächlich um die US-Konjunktur bestellt ist. Weitestgehend dürften sie deren solide Verfas-sung bestätigen, trotz der verhaltenen Investitionstätigkeit.

In der zweitgrößten Wirtschaftsmacht China spricht die Stimmung der Einkaufsmanager – der Sammelindex kletterte im Dezember auf einen Jahreshöchststand von 53,5 Punkten – für ein robustes Expansionstempo oberhalb von 6 %, das sich in den Zahlen zum Wirtschaftswachstum im Schlussquartal und der Industrieproduktion (Fr) wiederspiegeln dürfte. Gleichzeitig sorgen sich die Behörden in Peking vor wachsenden Kapital-abflüssen und einer unerwünscht kräftigen Abwertung des Renminbi. Die Kapitalkontrollen wurden daher zu Jahresbeginn verschärft.

Der Euroraum wiederum steht in der kommenden Woche ganz im Zeichen geldpolitischer Parameter. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich durch die Ergebnisse des Bank Lending Survey (Di) und die neuesten Inflationsprognosen des Survey of Professional Forecasters (Fr) in ihrem Kurs bestätigt fühlen. Erst vor wenigen Wochen hatte die EZB angekündigt, das Volumen ihrer Wertpapierkäufe ab April um 20 Mrd. auf 60 Mrd. Euro drosseln zu wollen (siehe auch: Grafik der Woche). Dement-sprechend ist nun mit einer eher unspektakulär verlaufenden Ratssit-zung (Do) zu rechnen. Vielmehr verharren die Notenbanker fürs Erste im Winterschlaf, so die Schlussfolgerung des jüngsten QE Monitors.

Die Bank of England steht unterdessen vor dem Dilemma, dass die Verbraucherpreise (Di) in diesem Jahr wechselkursbedingt über die 2%-Preisstabilitätsmarke schießen dürften, während die im Frühjahr begin-nenden Brexit-Verhandlungen den Wachstumsausblick eintrüben könnten. Für Kontinentaleuropa ist im anstehenden Verhandlungsmara-thon die Wahl des neuen Präsidenten des Europäischen Parlaments (Di) von Relevanz.

Darüber hinaus nimmt das Brot- und Buttergeschäft der Börse, die Gewinnberichtssaison für das vierte Quartal 2016, langsam Fahrt auf. Immerhin 34 Unternehmen aus dem S&P 500 legen ihr Zahlenwerk auf den Tisch. Zwar dämpfen die Aufwertung des handelsgewichteten US-Dollar und die steigenden Lohnstückkosten den Gewinnausblick. Nach drei Jahren stagnierender Gewinnzahlen sprechen aber insbesondere drei Faktoren für eine Wende zum Positiven: die Erholung im zuvor gebeutelten Energiesektor, die verbesserten Konjunktur- und damit Umsatzperspektiven und die sich abzeichnenden Steuersenkungen für Unternehmen. Die Schätzungen für ein Gewinnwachstum von über 10% für das Gesamtjahr 2017 scheinen allerdings noch zu ehrgeizig zu sein.

Unternehmen aus dem Euroraum dürften ebenfalls zuversichtlich berichten. Sie profitieren von der Konjunkturerholung und dem niedrige-ren Euro-Wechselkurs. Finanzwerten kommt die Aussicht auf wieder steigende Gewinnmargen im klassischen Kreditgeschäft zugute (gestie-gene Langfrist- bei gleichzeitig niedrigen Kurzfristzinsen). Den größten Hemmschuh stellt die politische Unsicherheit im „Superwahljahr 2017“ dar.

Am Ölmarkt richtet sich das Augenmerk der Anleger derweil auf die Frage, ob die großen Produzenten wie Saudi-Arabien und der Irak tatsäch-lich ihr Angebot kürzen werden. Umso interessanter, dass die Opec und die Internationale Energieagentur am Mittwoch bzw. Donnerstag ihre Monatsberichte vorlegen.

Dass Ihre Erwartungen nicht enttäuscht werden, wünscht Ihnen

Quelle: BondWorld.ch