„ Hinter der Kurve“?

Abgesehen von den gravierenden Problemen bezüglich der Verlässlichkeit von Meinungsumfragen und Prognosen hat die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten eine zentrale Erkenntnis geliefert: dass die Inflation voraussichtlich steigen wird….


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Von Greg Meier – US Investment Strategist, Vice President


Seit der Wahl am 8. November setzen die Anleger darauf, dass sich die allgemeine Teuerung beschleunigt. Abzulesen ist dies an den Inflationserwartungen. So übertraf in den USA die in fünf Jahren erwartete BreakevenInflationsrate auf 5-Jahressicht – also die am Markt unterstellte Teuerung zwischen 2021 und 2026 – kürzlich zum ersten Mal seit einem Jahr die Marke von 2 %. Demnach liegen die Inflationserwartungen oberhalb des Zielwerts der amerikanischen Notenbank, was zum Anstieg der Anleihenrenditen beigetragen hat – nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Die Erwartung einer höheren Inflation in den USA hat drei politische Gründe:

1. Während des Wahlkampfs kündigte Donald Trump umfangreiche Steuersenkungen und erhöhte Staatsausgaben an – Maßnahmen, die das Wachstum beschleunigen und den Preisdruck erhöhen sollten.

2. Im Hinblick auf den Außenhandel könnten Trumps Vorschläge zur Einführung von Importzöllen auf chinesische Waren und zur Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens dazu führen, dass in die USA eingeführte Waren teurer werden.

3. Für sich genommen würden höhere Einwanderungshürden den Lohndruck branchenübergreifend erhöhen, vom Baugewerbe bis hin zum Technologiesektor.

Für die Entscheider in der US-Notenbank dürfte der Anstieg der Inflationserwartungen bedeuten, dass sie die Zinsen anheben müssen (siehe Grafik der Woche). Diese Entwicklung wird von den Märkten bereits weitestgehend eingepreist. Nach Angaben der Chicago Mercantile Exchange ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Notenbanksitzung am 13. und 14. Dezember von 78 % (vor den Wahlen) auf 98 % (am 22. November) gestiegen. Sofern es nicht zu negativen Überraschungen kommt, dürften die im Lauf der nächsten Woche veröffentlichten Konjunkturdaten weitere Argumente für höhere Zinsen liefern

Den Auftakt in der kommenden Woche markiert Italien mit der Bekanntgabe der Novemberdaten für das Konsumentenvertrauen und die Stimmung in der Wirtschaft. Diese Daten – die zu den letzten gehören,die vor dem Verfassungsreferendum in Italien am 4. Dezember veröffentlicht werden – werden zeigen, ob sich Hinweise auf eine Abschwächung und unzufriedene Stimmung ergeben. Wird das Referendum abgelehnt, dürfte Ministerpräsident Renzi innenpolitisch unter Druck geraten. Zum 17-Monats-Tiefstand des italienischen Verbrauchervertrauens im Oktober haben politische Unsicherheiten, kraftloses Wirtschaftswachstum, hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit und die Instabilität des Bankensektors beigetragen.

Am Dienstag und Mittwoch folgt ein Querschnitt globaler Konjunktudaten: In Deutschland wird die Anleger interessieren, ob die Arbeitslosigkeit im November einen neuen Rekordtiefstand erreicht hat und ob die Inflation nach dem im Oktober erreichten 2-Jahres-Hoch weiter gestiegen ist. In Großbritannien lässt die anhaltend starke Ausweitung der Geldmenge M4 im Oktober erwarten, dass sich die Inflation zuletzt erhöht hat. Das könnte die Bank of England vor ein Problem stellen, da sie die mit dem „Brexit“ verbundenen Wachstumsrisiken und wechselkursbedingten Preisdruck gleichermaßen im Blick behalten muss. In den USA wäre ein Anstieg des Verbrauchervertrauens im Anschluss an die Wahlen ein gutes Vorzeichen für den Einzelhandel, wo das Weihnachtsgeschäft ansteht. An den Märkten Asiens dürften die Daten aus Japan maßgeblich sein. Dort stehen positiven Faktoren wie steigenden Löhnen und eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit voraussichtlich stark rückläufige Einzelhandelsumsätze und Exporte gegenüber.

Das wichtigste Ereignis am Donnerstag ist die Veröffentlichung von Daten aus der Industrie in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. In den USA wird damit rechnet, dass der PMI-Index für das Produzierende Gewerbe – der eine Korrelation von 0,64 mit der gesamten Wirtschaftsleistung aufweist – seinen Anstieg im November beschleunigt hat. Gleichzeitig dürften der Einkaufsmanagerindex in China, der große Industrieunternehmen abdeckt, und der kleinere Produzenten einbeziehende Caixin Einkaufsmanagerindex beide mit abgeschwächter Dynamik gestiegen sein.

Wenn am Freitag in Asien der Tag anbricht, sollte man einen Blick auf die Novemberdaten für die Geldbasis in Japan werfen. Die Geldbasis – in der sich das Anleihenkaufprogramm (Quantitative Lockerung) der Bank of Japan widerspiegelt – ist zuletzt mit einer Jahresrate von über 20 % gestiegen, was kaum auf Dauer durchzuhalten ist. Der andere wichtige Konjunkturindikator, der am Freitag bekanntgegeben wird, ist der Bericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt. Die Konsenserwartungen gehen von einer weiteren Verbesserung aus, wobei die Neueinstellungen und die Löhne leicht nach oben tendieren dürften und die Arbeitslosenquote auf einem historischen Tief von 4,9 % verharren sollte.

Quelle: BondWorld.ch