„Höhere Marktvolatilität bei gleichzeitig besseren Fundamentaldaten“

Im vergangenen Monat habe ich mir zusammen mit meiner Tochter mehrere Colleges in drei Bundesstaaten in New England (USA) angesehen…..

Von Charles Ma Client Investment Strategist  Greater China & Sou th East Asia Retail Distribution


Nach meinem Eindruck ist der Konsum recht lebhaft, zumindest in den von uns besuchten Städten. Die Restaurants waren sowohl unter der Woche als auch am Wochenende voll, und in den Einkaufszentren waren zahlreiche Käufer unterwegs. Diese Beobachtungen werden durch die jüngsten, weiterhin positiven Daten zum Verbrauchervertrauen in den USA bestätigt. In der kommenden Woche werden sich die Anleger vor allem auf die Gewinne der USUnternehmen im zweiten Quartal 2017 sowie mehrere makroökonomische Indikatoren aus dem Euroraum und China konzentrieren. 

Bei den US-Unternehmen hat die Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 begonnen. Die Anleger sind in Bezug auf die Gewinnaussichten optimistisch, und der Konsens erwartet ein Gewinnwachstum von 7% gegenüber dem Vorjahr (Vorquartal: 15% gegenüber dem Vorjahr). Ein Gewinnanstieg um 7% ist keineswegs zu verachten. Damit würde der zweithöchste Zuwachs in einem Quartal seit dem Jahr 2014 verzeichnet. Hohe Gewinne sollten die bereits teuer bewerteten US-Aktien stützen. Darüber hinaus wird das Ergebnis des Empire Manufacturing Survey für Juni (Mo) veröffentlicht. Angesichts des robusten ISM für Juni (der Index erreichte den zweithöchsten Stand seit 2011) rechnen die Anleger damit, dass sich das verarbeitende Gewerbe im Staat New York optimistisch zeigt.

Der Euroraum befindet sich weiterhin auf einem soliden Wachstumspfad. Die Beschäftigungssituation verbessert sich weiter, und auch die Unternehmensinvestitionen sind in Europa zuletzt angestiegen. Dies steht mit den Ergebnissen mehrerer Umfragen zum Wirtschafts- und Geschäftsvertrauen im Einklang, die seit Jahresbeginn stetig günstiger ausfallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Dienstag ihre Umfrage zur Kreditvergabe der Banken im zweiten Quartal 2017 veröffentlichen. Ein weiterer Anstieg der Nachfrage nach Unternehmenskrediten, wie er bereits im ersten Quartal zu erkennen war, würde unsere Beobachtung untermauern, dass die Unternehmen mehr investieren. Wenn die Manager zuversichtlich in die Zukunft blicken und mit einer höheren Nachfrage nach den Produkten oder Dienstleistungen ihres Unternehmens rechnen, nehmen sie Kredite auf, um das Betriebskapital zu erhöhen und dieser Nachfrage nachkommen zu können. Außerdem wird Eurostat am Dienstag den revidierten harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum für Juni veröffentlichen. Wir rechnen aufgrund der schwankenden Energie- und Rohstoffpreise noch nicht mit einer Inflationsbeschleunigung im Euroraum. Solange jedoch die Beschäftigung ansteigt und die Unternehmen ihre Ausgaben erhöhen, sollte sich weiterer zugrundeliegender Kostendruck aufbauen, so dass die Inflation mittelfristig anziehen dürfte. 2017 dürfte die Inflationsrate im Schnitt höher ausfallen als im vergangenen Jahr. 

China veröffentlicht am Montag seine BIP-Daten für das zweite Quartal und die Zahlen zur Industrieproduktion im Juni. Der Markt rechnet mit einem realen BIP-Wachstum von 6,8% gegenüber dem Vorjahr (Vorquartal: 6,9%). Die Industrieproduktion dürfte im Juni genau wie im Mai um 6,5% gegenüber dem Vorjahr angestiegen sein. Eine weitere Verlangsamung vom derzeitigen Niveau aus ist nicht zu erwarten, denn in Kürze beginnt der 19. Nationalkongress, bei dem die neuen Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros (dem höchsten politischen Gremium Chinas) gewählt werden. Der Kongress findet voraussichtlich im Herbst 2017 statt, wobei aber noch kein genaues Datum angekündigt wurde. In der Vergangenheit wurde im Vorfeld des Kongresses eine recht lockere Geldpolitik verfolgt und das Wirtschaftswachstum stabil gehalten, damit keine negativen Überraschungen die Agenda des Kongresses überschatten. 

Die kommende Woche

Die Marktvolatilität ist sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen und Devisen in den vergangenen Tagen angestiegen, da sich die Anleger auf eine Normalisierung der Geldpolitik einzustellen scheinen (vgl. unsere Grafik der Woche). Gleichzeitig bleiben die Fundamentaldaten jedoch günstig: In den USA dürften die Unternehmen gute Gewinnzahlen für das zweite Quartal bekanntgeben, und in Europa verbessert sich das Investitionsumfeld. Kurzfristig dürften Aktien weiterhin besser abschneiden als Staatsanleihen, da die Anleihenkurse in der Regel sensibler auf Zinsentwicklungen reagieren als Aktienkurse. 

Quelle: BondWorld