Hohe Marktvolatilität vor Brexit-Abstimmung

SNB bekräftigt Interventionsbereitschaft…


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die Volatilität an den globalen Finanzmärkten hat sich im Vorfeld des nächste Woche anstehenden EU-Referendums in Grossbritannien nochmals deutlich erhöht. Die meisten aktuellen Umfragen sehen die EU-Gegner mittlerweile knapp im Vorteil. Die Angst vor einem möglichen Brexit belastet die Aktienmärkte und führt zu Fluchtbewegungen in sichere Anlagen. So ist die Verzinsung der 10-jährigen Staatsanleihen aus der Schweiz und Japan noch weiter in den negativen Bereich auf neue Rekordtiefs gefallen. Erstmals ist die Rendite auch bei den 30-jährigen Schweizer Bundesobligationen und den 10-jährigen Deutschen Bunds negativ. Die erhöhte Risikoaversion dürfte zumindest bis zur Abstimmung weiter anhalten.

Der mögliche Brexit war diese Woche auch bei den Notenbanksitzungen ein wichtiges Thema. Die SNB betonte neben den globalen Wachstumsrisiken auch die Gefahr vor weiteren Finanzmarkturbulenzen sollte der Brexit eintreten. Sie bekräftigte nochmals ihre Interventionsbereitschaft. Insgesamt hat sich die Lagebeurteilung im Vergleich zum März aber kaum verändert. Das Zinsziel bleibt weiterhin bei -0.75%. Lediglich die Inflationsprognose für dieses Jahr wurde aufgrund des gestiegenen Ölpreises wie erwartet von -0.8% auf -0.4% angehoben.

Bei der Lagebeurteilung der US-Notenbank war die BrexitAbstimmung ebenfalls einer der Gründe für den Entscheid, die Zinsen nicht anzuheben. Ausschlaggebend war aber sicherlich vor allem die Abkühlung beim Beschäftigungswachstum, welche das Vertrauen in die Konjunktur geschwächt hat. Die Mehrheit des Offenmarktausschusses erwartet dieses Jahr zwar weiterhin zwei Zinserhöhungen. Mittlerweile rechnen aber sechs der siebzehn FOMC-Mitglieder, also fünf mehr als bisher, nur noch mit einem Zinsschritt in 2016. Laut Janet Yellen sei es zwar nicht unmöglich, dass die Zinsen bereits im Juli steigen, wenn sich die Konjunkturdaten bis dahin verbessern. Dafür brauche es aber insbesondere ein solides Stellenwachstum im Juni, das ausreichend stark ist, um die Unterbeschäftigung weiter abzubauen. Wir orten dieses Niveau bei ungefähr 150‘000. Trotz dieser Aussage ist an den Terminmärkten keine Zinserhöhung mehr für dieses Jahr eingepreist. Wir gehen schon seit längerem von keinem Zinsschritt in 2016 aus. Einer seits bleibt die US-Wirtschaft zweigeteilt. Während die Detailhandelsumsätze zuletzt erneut gestiegen sind und auf eine robuste Konsumlaune hindeuten, war die Industrieproduktion ein weiteres Mal rückläufig. Es gibt nach wie vor kaum Anzeichen für eine Erholung im Verarbeitenden Gewerbe und im Energiesektor. Die Bohraktivität der Ölförderer hat jüngst zwar erstmals seit längerem wieder zugelegt. Wir rechnen jedoch nicht damit, dass sich diese Entwicklung beschleunigt, denn die Angebotsausweitung hat einen unmittelbaren dämpfenden Einfluss auf den Ölpreis. Zum anderen dürften auch die alternierenden globalen Unsicherheiten die Fed weiter zögern lassen. Die schwachen Daten zur privaten Investitionstätigkeit in China sind diese Woche in der Marktdiskussion etwas untergangen. Die Wachstumsverlangsamung im Reich der Mitte hat aber das Potential, jederzeit wieder für Finanzmarktturbulenzen zu sorgen.

Auch die japanische Notenbank hat diese Woche ihre Lagebeurteilung abgehalten. Der Entscheid keine weitere Lockerung der Geldpolitik vorzunehmen hat den ohnehin schon unter Aufwertungsdruck stehenden Yen nochmals drastisch steigen lassen und zur Nervosität an den Aktienmärkten beigetragen. Im aktuellen, von Fluchtbewegungen in sichere Anlagen geprägten Marktumfeld, hätten neue Massnahmen der Bank of Japan wohl keine wesentliche Yen-Abschwächung bewirkt. Gemäss Marktkonsens dürfte die BoJ nun aber an der nächsten Sitzung Ende Juli aktiv werden.

Angesichts des EU-Referendums in Grossbritannien rücken die Konjunkturindikatoren nächste Woche etwas in den Hintergrund. Neue Daten gibt es insbesondere zur Stimmungslage in der Eurozone. Die Ungewissheit um Grossbritannien hat das Geschäftsklima auf dem Kontinent bisher nicht beeinträchtigt. Die Aussicht auf eine Fortsetzung der Konjunkturerholung in der Eurozone ist dank des robusten Konsums weiter intakt. Des Weiteren gibt die EZB nächste Woche wieder bekannt, wie viele Unternehmensanleihen sie gekauft hat. Das bislang bekannte Kaufvolumen des ersten Tages beträgt auf den Monat hochgerechnet rund 7 Mrd. EUR.

 

Quelle: BONDWorld.ch