„Immer mit der Ruhe!“

Im chinesischen Kalender ist 2017 das Jahr des „Feuerhahns“. Der Überlieferung zufolge plant der Feuerhahn gern voraus, ist überaus eigenwillig und mag es nicht, wenn sich Außenstehende einmischen….


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Von  Charles Ma Client Investment Strategist Greater China & South East Asia Retail Distribution


Der politische Kalender ist 2017 prall gefüllt: Unter anderem hat Donald Trump sein Amt als US-Präsident angetreten, und in Frankreich und Deutschland stehen Parlamentswahlen an. Damit bleiben die Unsicherheiten an den Märkten hoch. Für die Anleger heißt dies, dass sie im Jahr 2017 Ruhe bewahren sollten. Für unsere regelmäßigen Leser ist dies nichts Neues; wir empfehlen schließlich seit jeher, sich auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren und kurzfristige Marktturbulenzen außer Acht zu lassen.

In den USA und Europa verbessern sich die Makro- und Mikrodaten seit Anfang des vierten Quartals 2016 stetig. In den USA stieg die Kernrate der Auftragseingänge für Investitionsgüter (ohne Verteidigungssektor und Flugzeuge) im dritten Monat in Folge an. Der Zuwachs liegt inzwischen bei 2,8% gegenüber dem Vorjahr, d.h. auf dem höchsten Stand seit September 2014. Die starken Makrodaten schlagen auch auf die Unternehmensgewinne durch. Inzwischen haben knapp die Hälfte der Unternehmen des S&P 500 ihre Gewinnzahlen für das vierte Quartal 2016 veröffentlicht, wobei die Gewinnschätzungen in drei Vierteln aller Fälle übertroffen wurden. Der Index deutet auf ein Gewinnwachstum von über 5% im vierten Quartal hin; im dritten Quartal waren es noch 3%.

Im Euroraum beschleunigte sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2016 von 0,4% auf 0,5% (vorläufige Zahlen). Die Aussichten für die Region sind weiterhin günstig. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Euroraum kletterte im Januar 2017 auf den höchsten Stand seit 69 Monaten. Die Unternehmensgewinne der europäischen Unternehmen im vierten Quartal lagen bisher ebenfalls über den Erwartungen. Knapp ein Viertel der Unternehmen des Stoxx600 haben ihre Zahlen bisher veröffentlicht, wobei über die Hälfte die Marktschätzungen übertraf. Und was noch wichtiger ist: Das Gewinnwachstum hat sich dem Index zufolge von 1% im dritten Quartal auf 7% im vierten beschleunigt.  

In der kommenden Woche werden in den USA die Verbraucherpreisinflationsdaten für Januar bekanntgegeben. Das moderate Lohnwachstum sollte den Ölpreisanstieg kompensieren, weshalb die Marktteilnehmer für Januar eine unveränderte Inflationsrate im Vergleich zu Dezember erwarten (0,3%). Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze (Vorabschätzung) dürfte sich im Januar auf 0,2% verlangsamt haben (Dezember: 0,6%). Diese Datenreihe hat sich in der Vergangenheit aufgrund der relativ schmalen Basis als volatil erwiesen. Die verlässlicheren endgültigen Daten werden in der Regel zwei Monate später veröffentlicht. Außerdem wurden die Umsätze im Dezember von den hohen Autoverkäufen deutlich nach oben getrieben; dieses Phänomen dürfte sich jedoch nicht in allen Monaten wiederholen. Die Industrieproduktion dürfte im Januar im Vormonatsvergleich zurückgegangen sein. Im Dezember wurde die Datenreihe durch einen höheren Ausstoß bei den Versorgern nach einer stärkeren Kontraktion im November nach oben getrieben. Im verarbeitenden Gewerbe, das den größten Anteil an der Datenreihe hat, verbesserte sich die Produktion allmählich. Angesichts des Gegenwinds, der vom starken US-Dollar, den höheren Zinsen und der schwachen globalen Nachfrage ausgeht, könnte die Industrieproduktion jedoch weiterhin lahmen.

In der Europäischen Union stehen in der kommenden Woche die Zahlen zur Industrieproduktion im Dezember an. Nach starken Frühindikatoren rechnen die Anleger auch bei dieser Datenreihe mit einem günstigen Ergebnis. Im November hatte sich die Industrieproduktion beschleunigt und die Markterwartungen übertroffen. In China wird die Verbraucherpreisinflationsrate für Januar veröffentlicht. Nachdem die Rate im Dezember mit 2,1% unter den Erwartungen lag, rechnen die Anleger für Januar mit einer Beschleunigung auf 2,4%. Eine höhere Nachfrage nach Lebensmitteln und Dienstleistungen rund um das chinesische Neujahrsfest dürfte bei diesen Komponenten preistreibend gewirkt haben.

Das bisher letzte „Jahr des Hahns“ war 2005. In jenem Jahr erklärte Nordkorea, dass es über Atomwaffen verfüge, 52 Menschen wurden in einem koordinierten Terroranschlag in London getötet, und der Hurrikan Katrina verwüstete den Süden der USA. Gleichzeitig stiegen der MSCI World und der MSCI Emerging Markets um 10% bzw. 34% an, und zehnjährige US-Staatsanleihen legten um 4% zu. Manchmal lohnt es sich, einfach ganz ruhig zu bleiben und die kurzfristigen Marktturbulenzen nicht zu beachten.

 

Quelle: BondWorld.ch