Kames Capital: Flash-Crash des Pfunds

«Das britische Pfund hat den September mit einem Kurs von 1.30 Dollar beendet. In den ersten Oktobertagen wuchs die Zuversicht, dass die US-Notenbank Fed im Dezember an der Zinsschraube dreht. Gleichzeitig gab es starke Hinweise seitens des britischen Schatzkanzlers auf eine Lockerung der britischen Geldpolitik…

 

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Von Scott Jamieson, Head of Multi-Asset Investing bei Kames Capital


Das Pfund schwächte sich auf 1.265 Dollar ab. Doch dieser Rückgang war nichts zu dem Einbruch in der letzten Nacht. Im asiatischen Handel gab das Pfund auf bis zu 1.1378 US-Dollar nach.

Grundsätzlich sind solche „Flash-Crahes“ auf Überreaktionen von Computer-Handelssytemen zurück zu führen. Doch wo es Rauch gibt, da gibt es auch Feuer. Ein wichtiger Auslöser für den Einbruch waren vielleicht Kommentare des Französischen Präsidenten Hollande. Grossbritannien müsse der Austritt aus der Europäischen Union Schmerzen bereiten.

Aber die Realität ist, dass derzeit nichts und niemand hinter dem Pfund steht. Die Bank of England hat die Geldpolitik substanziell gelockert. Der Schatzkanzler ist auf dem selben Kurs. Und dass, obwohl Grossbritannien weiterhin an einem Leistungsbilanz-Defizit zu kauen hat.

In der letzten Woche hat sich der Markt auf extrem negativ auf das Pfund positioniert. Die Entwicklungen dieser Woche werden diese Positionierung nur verlängern. Sicher werden die Verkaufe des schnellen Geldes enden. Doch das wird die Schwäche des Pfunds nur kurzfristig stoppen.

Bank of England-Governeur Mar Carney wird die Pfundschwäche seit dem Brexit-Votum begrüsst haben. Sie hilft den Exporteuren und ist Teil der Strategie die Leistungsbilanz wieder auszubalancieren. Doch auch er ist daran interessiert, dass die Abwertung kontrolliert von Statten geht. Doch die Ereignisse der Nacht auf Freitag waren alles andere als kontrolliert. Wenn sie sich wiederholen, dann besteht die Gefahr, dass Grossbritannien die Basiszinsen statt zu senken, sogar erhöhen muss, um das Pfund zu verteidigen und einen möglichen Anstieg der Inflation zu verhindern. Ein Beispiel liefert Mexiko. Dort wurden die Zinsen nach internationalem Druck in diesem Jahr dreimal erhöht. Kommt es in Grossbritannien soweit, wären die Schmerzen gross. Präsident François Hollande wäre zufrieden.»

Quelle: BondWorld.ch