Raiffeisen

KMU : Beschaffungsprobleme in der Industrie halten an

Der Raiffeisen KMU PMI ist im Juli erneut gesunken, blieb aber auf hohem Niveau.

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Raiffeisen KMU PMI 


Bei den Lieferengpässen zeichnen sich noch keine Entspannung auf breiter Front ab, der Aufschwung in der Industrie hält aber weiter an.

Der Raiffeisen KMU PMI verringerte sich im Juli von 62.1 auf 59.6 Punkte, blieb damit aber weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle. Indexwerte von über 50 Punkten zeigen eine Expansion gegenüber Vormonat an, während Werte darunter auf eine rückläufige Geschäftslage schliessen lassen. Der Geschäftsverlauf von KMU aus der Industrie hat sich im Juli also ein weiteres Mal verbessert, wenngleich etwas weniger stark als im Vormonat.

Das dominierende Thema unter den befragten KMU sind nach wie vor die Lieferengpässe und die gestiegenen Materialpreise. Die PMI-Subkomponente «Lieferfristen» verringerte sich im Juli nur leicht und blieb mit 70.6 Punkten auf einem ausserordentlich hohen Niveau. «Die andauernde Knappheit an Rohmaterialien und elektronischen Komponenten beeinträchtigt den Geschäftsverlauf signifikant.», sagt z.B. der Geschäftsführer eines mittelgrossen Unternehmens aus der Feinmechanik-Branche. Der Betriebsleiter einer Verpackungsmittelfirma zeigt sich ebenfalls besorgt: «Die Beschaffungszeit von Rohmaterial ist zurzeit fast nicht planbar. Um nächstes Jahr liefern zu können, müssten wir das Rohmaterial jetzt bestellen und dies ohne Liefer- und Preisgarantie.»

Das Rohstoffangebot wurde letztes Jahr während der Pandemie weltweit stark zurückgefahren und kann momentan noch nicht mit der stürmisch gestiegenen Nachfrage Schritt halten. Sobald sich Angebot und Nachfrage einpendeln, wird der Preisdruck aber wieder nachlassen. Das ist aktuell z.B. bei US-Holz der Fall, dessen Preis zuletzt spürbar gesunken ist, weil das Angebot aufgeholt und sich die Nachfrage beruhigt hat. Bei vielen anderen Materialien wird vor dem Jahresende zwar eher keine wesentliche Entspannung erwartet. Spätestens nächstes Jahr dürfte es aber ebenfalls eine Normalisierung geben, womöglich nicht ganz zurück auf den Stand vor der Krise, aber doch wieder auf spürbar tiefere Preisniveaus.

Unterdessen sinken die Margen der Unternehmen, da sie die gestiegenen Einkaufspreise nur sehr zögerlich an die Endverbraucher überwälzen. Insgesamt gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass der Erholungskurs der Industrie durch die Beschaffungsprobleme grundlegend gefährdet wird. Die robuste Auslandsnachfrage und die Erholung der Binnenkonjunktur bringen neue Aufträge und kurbeln die Produktion an. Die Subkomponente Auftragsbestand verringerte sich zwar von 65.1 Punkte auf 60.2 Punkte, blieb damit aber auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Die Produktionskomponente notiert mit 58.9 Punkten ebenfalls noch deutlich im Expansionsbereich. Das Beschäftigungswachstum hält ebenso an. Die entsprechende Komponente stieg von 55.6 auf 57.3 Punkte.

02082021

links: Raiffeisen KMU PMI Juli 2021 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)
März April Mai Juni Juli
Gesamtindex 56.8 58.4 65.2 62.1 59.6
Auftragsbestand 57.9 63.1 70.9 65.1 60.2
Produktion 57.1 56.5 67.9 60.4 58.9
Beschäftigung 52.6 53.8 58.1 55.6 57.3
Lieferfristen 59.2 62.7 67.1 73.2 70.6
Einkaufslager 57.8 51.3 52.7 53.4 47.7

50 = Wachstumsschwelle

Quelle : BONDWorld.ch