Raiffeisen

KMU : Die Coronapandemie legt auch die Industrie lahm

KMU : Die Coronakrise hat auch die Schweizer KMU im Industriesektor mit voller Wucht erfasst.

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Raiffeisen KMU PMI


Viele Betriebe mussten ihre Produktion zurückfahren, wie der Raiffeisen KMU PMI zeigt, der von 41.4 auf 30.6 Punkte abgesackt ist. Die Industrie ist insgesamt stärker von Kurzarbeit betroffen, als der Dienstleistungssektor.

Der am 16. März beschlossene Lockdown der Schweizer Wirtschaft hat zunächst insbesondere personenbezogene Dienstleistungsunternehmen hart getroffen. Für das verarbeitende Gewerbe gab es kein generelles Betriebsverbot.

Der grenzüberschreitende Warenhandel wurde aufrechterhalten, so dass Industriebetriebe die Produktion im Prinzip weiterführen konnten. Die Coronakrise hat aber auch die Schweizer Industrie mit voller Wucht getroffen, wie der KMU PMI von Raiffeisen zeigt. Der einzige Schweizer Einkaufsmanagerindex für KMU brach im April von 41.4 auf 30.6 Indexpunkte ein und damit ähnlich stark wie die

Einkaufsmanagerindizes in den Nachbarländern. Über 70 % der befragten Unternehmen meldeten ein niedrigeres Produktionsvolumen als im Vormonat, weshalb der entsprechende Subindex von 37.7 auf 20.0 Punkte absackte. Ein mittelgrosser Hersteller von Präzisionsgeräten aus der Region Brugg/Zurzach beispielsweise nannte die Umsetzung der Hygienemassnahmen als Grund dafür, dass die Produktion um ein Drittel zurückgefahren werden musste.

Einige andere befragte Betriebe meldeten gar einen vollständigen Produktionsstopp, darunter auch grössere KMU. Ein grösseres Maschinenbauunternehmen aus der Region Lugano beispielsweise, musste die Produktion wegen Corona-Fällen in der Belegschaft einstellen. Insgesamt wurden im April laut Zahlen des SECO für über 43 % der Beschäftigten in der Industrie Kurzarbeitsanträge gestellt, was über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 35 % liegt.

Ein massiver Rückschlag zeigt sich auch beim Auftragsbestand.

Der entsprechende Subindex sank im April von 34.1 auf 23.8 Indexpunkte.  Die Auftragsbücher leeren sich also, obwohl die Produktion deutlich zurückgefahren wurde, ein Anzeichen dafür, dass momentan nur wenige neue Aufträge gesichert werden können. Die Lieferfristen wiederum haben abermals zugelegt, was im aktuellen ausserordentlichen Umfeld aber keine positive Entwicklung darstellt

Mit den ersten Lockerungsmassnahmen hat nun auch in der Schweiz der Weg zurück zur Normalität begonnen.

Dass dieser lang und beschwerlich wird, zeigt das Beispiel Chinas. Aus Angst vor einer Ansteckung bleiben dort viele Menschen dem öffentlichen Leben weiterhin fern. Die Konsumlaune hat sich noch nicht erholt.  Für die exportorientierte Schweizer Industrie ist vor allem die Nachfrage aus dem Ausland entscheidend, aber auch die wird sich aufgrund der taumelnden Weltwirtschaft so schnell nicht wieder auf das Vorkrisenniveau erholen.  Für Entwarnung ist es deshalb noch zu früh. Die Coronakrise wird die Schweizer Wirtschaft noch mindestens auf Monate hinaus prägen,  selbst wenn eine zweite Infektionswelle ausbleibt.

Raiffeisen KMU PMI April 2020 | rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

Raiffeisen KMU PMI April 2020 ­ rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

DezemberJanuarFebruarMärzApril
Gesamtindex47.145.045.341.430.6
Auftragsbestand49.345.246.834.123.8
Produktion47.045.843.537.720.0
Beschäftigung44.043.241.843.826.8
Lieferfristen45.642.547.552.458.2
Einkaufslager49.349.348.750.643.6

50 = Wachstumsschwelle

Quelle : BONDWorld.ch