Kommentar von State Street zur geldpolitischen Sitzung der Europäischen Zentralbank

Timothy Graf


 

Timothy Graf: „Nachdem die Aussagen des EZB-Präsidenten zuletzt etwas optimistischer klangen, ist die vorsichtige Haltung Mario Draghis und seiner Kollegen überraschend. Angesichts der unter der Zielrate liegenden Inflation, ist man von einer geldpolitischen Straffung noch weit entfernt. Doch auf Grund der starken Wirtschaftsdaten in der Eurozone wurde zumindest mit einem Hinweis bezüglich des Endes der ausserordentlichen Massnahmen gerechnet. Die europäischen Märkte dürften diese Nachricht positiv aufnehmen und wir rechnen mit einem gegenläufigen Trend hinsichtlich der bisher unterdurchschnittlichen Wertentwicklung von Anleihen peripherer Länder. Der handelsgewichtete Euro hat ebenfalls reichlich Spielraum nach unten und könnte einen Teil seines Kursanstiegs von fünf Prozent im vergangenen Quartal wieder einbüssen.“ 

 

Brendan Lardner: „Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi die Marktteilnehmer durch seine aggressiveren Äusserungen beim Sintra-Forum im Juni überraschte, legte sich die Stimmung aufgrund des zurückhaltenderen Aussagen auf der heutigen Sitzung teilweise wieder. Draghi hatte zuvor Erwartungen geweckt, dass die EZB in absehbarer Zukunft ihre ausserordentlichen Massnahmen teilweise beenden könnte. Der Fokus der heutigen Sitzung schien jedoch wieder auf dem geringen Inflationsdruck in der Eurozone und der Notwendigkeit einer anhaltenden geldpolitischen Unterstützung zu liegen. Die EZB ist sich zudem vermutlich bewusst, welchen Abwärtsdruck eine anhaltende Aufwertung des Euros auf die zukünftige Inflation ausgeübt hätte. Während die EZB auf weitere Wirtschaftsdaten wartet, die eine allmähliche Verringerung ihrer Vermögenswertkäufe rechtfertigen würden, dürften risikoreiche Vermögenswerte Aufwind bekommen. Die jüngste Stärke des Euros dürfte hingegen bald etwas nachlassen.“ 

Quelle: BONDWorld