De Berranger Olivier LFDE

LFDE : EZB-Politik: Harder, Better, Faster, Stronger

LFDE : Dass ein Mitglied des EZB-Direktoriums einen Songtitel zitiert, ist durchaus überraschend.

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Autoren: Olivier de Berranger, CIO, LFDE & Clément Inbona, Fund Manager, LFDE


Doch Fabio Panetta tat vergangene Woche genau das. Nicht im Stroboskoplicht einer Diskothek, sondern – wie es die Gesundheitslage verlangt – bei einer Online-Konferenz der Mailänder Universität Bocconi. Neben der Würdigung des Musik-Duos Daft Punk, das jüngst seine Trennung bekanntgab, soll seine Botschaft vor allem den Kurs veranschaulichen, den die EZB in Sachen Geldpolitik in den kommenden Quartalen einschlagen wird. Denn dieser ist klar: „Je stärker wir uns bemühen, die Output- und Inflationslücke zu schliessen, desto besser sind die Aussichten für die Wirtschaft im Euroraum. Und je schneller wir dies erreichen, desto stärker wird unser Wachstumspotenzial sein.“.

Dies bedeutet, dass die Befürchtungen um gelegentliche Inflationsschübe die EZB auf mittlere Sicht nicht von ihrer lockeren Politik abbringen werden.

Eurozone: Wachsende Kluft zwischen potenziellem und realem Wachstum

Als Beweis diene die Schätzung, dass die Verbraucherpreise seit Schaffung der Einheitswährung in der Eurozone mehr als 10 % unter dem Zielwert von +2 % pro Jahr liegen, während die USA und das Vereinigte Königreich dieses Ziel nahezu vollständig erreichen konnten. Auch beim BIP vergrössert sich die Kluft zwischen potenziellem und realem Wachstum seit Jahren – und im letzten Jahr besonders deutlich: Die EZB schätzt, dass das reale Wachstum seit 2008 14 % unter dem potenziellen Wachstum liegt, wovon 6 % durch die Coronakrise bedingt sind. Aus diesem Grund befürwortet die Zentralbank stärkere Massnahmen („harder“), um in den Köpfen der Wirtschaftsakteure bessere Erwartungen („better“) zu verankern. Überdies soll das Konvergenztempo schneller werden („faster“), denn dies ist auch wichtig für eine kräftigere Wirtschaftserholung („stronger“).

Steigende Zinsen an den Märkten im Blick

Um dieses Ziels zu erreichen, hat die EZB bereits eine Reihe von Instrumenten eingesetzt – insbesondere das PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program). Dieses Konjunkturpaket wurde im Dezember 2020 auf 1.850 Milliarden Euro erhöht. Dies ermöglicht der EZB noch zwei weitere Jahre Staatsanleihen zu kaufen, um eine günstige Finanzierung der Staatsausgaben sicherzustellen – für die sichersten Staaten sogar zu einem negativen Zinssatz. Wie Christine Lagarde erinnerte, soll es vor allem lockere Finanzierungsbedingungen sicherstellen und eine Zersplitterung der Eurozone vermeiden – das heisst eine Verteuerung der Finanzierungsbedingungen für die schwächsten Staaten. Die EZB lehnt eine explizite Kontrolle der Zinsstrukturkurve nach wie vor ab. Dennoch könnte die Desynchronisation zwischen der Eurozone und den USA die EZB, sowohl mit Blick auf das Wachstum als auch die Inflation, zu einem raschen Handeln bewegen und es ihr ermöglichen, die Auswirkungen der steigenden US-Zinsen auf die europäischen Zinssätze einzudämmen.

„Harder, Better, Faster, Stronger“: Dieser Refrain könnte sich für die EZB und Anleger zu einem echten Ohrwurm entwickeln.

Die nächste Aufführung findet bei der EZB-Sitzung am 11. März in Frankfurt statt.

Quelle : BondWorld.ch