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LFDE : Fed-Politik: Alles bleibt auf Kurs

LFDE : Auf ihrer ersten Sitzung im Jahr 2021 hielt die US-Notenbank am Status quo bei den Leitzinsen und den Wertpapierkäufen fest.

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Autoren: Olivier de Berranger (photo), CIO, LFDE & Enguerrand Artaz, Fund Manager, LFDE


Dieser erwartete Entscheid ging mit zurückhaltenden Äusserungen einher, mit denen insbesondere darauf hingewiesen wurde, dass „sich das Tempo der Erholung von Wirtschaftsaktivität und Beschäftigung in den vergangenen Monaten verlangsamt hat, wobei sich die Schwächen auf die am stärksten von der Pandemie betroffenen Sektoren konzentrieren“.

Diese Zurückhaltung mag aus Sicht eines europäischen Anlegers, der mit der lagebedingten Flaute – Lockdowns, Verzug bei den Impfungen – und der langsamen Umsetzung der Konjunkturmassnahmen konfrontiert ist, selbstverständlich erscheinen. Aus US-Sicht ist dies zweifelsohne weniger selbstverständlich. Denn in Übersee kommt die Impfkampagne rasch voran, die Zahl der Neuinfektionen geht seit Anfang Januar deutlich zurück und die gesamtwirtschaftlichen Daten laufen grösstenteils in die richtige Richtung. Zwar ist der Rebound-Effekt im Wesentlichen zweifellos vorüber und das Tempo der Konjunkturerholung dürfte in den kommenden Quartalen sicherlich langsamer ausfallen. Doch die Dynamik bleibt sehr solide, wie die aktuellen Zahlen zum Einkaufsmanagerindex (PMI), zu den Anträgen auf Arbeitslosengeld oder zum Verbrauchervertrauen belegen.

Tapering-Sorgen: Liquiditätshahn bleibt offen

In Wirklichkeit sollte die Zurückhaltung der Fed – die darüber hinaus jegliche Sorgen über die Inflationsentwicklung zerstreute – in erster Linie Vermutungen über eine Drosselung der Wertpapierkäufe (Tapering) im Keim ersticken, die aufgrund eines unerwartet raschen Konjunktur- und Inflationsanstiegs früher als erwartet kommen solle. Die Märkte begrüssen Ankündigungen geldpolitischer Straffung nicht besonders – wie sich bereits 2013, vor allem bei den Zinssätzen, und 2018 zeigte. Da die gesundheitliche Lage weltweit sehr schlecht bleibt und die Verabschiedung eines dritten Konjunkturpakets in den USA wahrscheinlich noch einige Wochen auf sich warten lassen wird, war die Fed zweifelsohne darauf bedacht, jegliche Gefahr eines Vertrauensverlusts zu bannen.

Fed-Chef Jerome Powell betonte diese Botschaft zudem auf der Pressekonferenz und bekräftigte, dass die Fed nicht zögern werde, ihre Zinssätze bei Bedarf anzuheben. Doch vor allem machte er deutlich, dass es auf der letzten Sitzung des FOMC keinerlei Diskussionen über eine geldpolitische Straffung gegeben habe und dass die Zentralbank jede Entscheidung in diesem Sinne weit im Voraus mitteilen werde. Dies ist ein behutsamer Hinweis für die Märkte, dass sie sich vorerst keine Sorgen um ein mögliches Tapering machen müssen und dass die Zentralbank ihre Lektion aus dem Jahr 2013, eine solche Massnahme nicht Knall auf Fall anzukündigen, gelernt hat.

Im Wesentlichen wurde dies von den Märkten vorweggenommen. Beleg hierfür sind die deutliche Outperformance von Wachstumstiteln und der Rückgang der langfristigen Renditen in den 10 Tagen vor der Fed-Sitzung, während die gemeldeten gesamtwirtschaftlichen Daten und Unternehmensgewinne solide ausfielen. Von nun an werden die Märkte wahrscheinlich die entgegengesetzte Richtung einschlagen, das heisst, die langfristigen Renditen dürften wieder steigen und zyklische Werte wieder eine Outperformance erzielen. Ein Trend, der sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte.

Quelle : BondWorld.ch