De Berranger Olivier LFDE

LFDE : Koloss auf tönernen Füssen

LFDE : Nachdem der Nasdaq im von Euphorie geprägten August 10 % zulegen und diesen Trend auch Anfang September fortsetzen konnte, brach er Ende der vergangenen Woche drastisch ein und gab binnen zwei Tagen mehr als 9 % ab.

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Autoren: Olivier de Berranger, CIO, LFDE ; Enguerrand Artaz, Fund Manager, LFDE


Die Technologieriesen wurden angegriffen und zogen alle US-amerikanischen und globalen Märkte mit sich herunter. Allerdings schienen die wichtigsten Wirtschaftsdaten eine solche Enttäuschung in keiner Weise zu rechtfertigen. Noch am Donnerstag hatten die europäischen Börsen nach der Ankündigung des 100 Milliarden Euro schweren französischen Konjunkturpakets mit äusserst positiven Zahlen eröffnet.

Zudem gab es auch bei den Einkaufsmanagerindizes für das Dienstleistungsgewerbe keine negativen Überraschungen und sie übertrafen insbesondere in Deutschland die ersten Schätzungen. In den USA lag die Zahl der wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe deutlich unter den Erwartungen.

Dies machte die von dem Jobvermittler ADP am Vortag gemeldete niedrige Zahl neu geschaffener Stelle wett, und der vom BLS (US Bureau of Labor Statistics) veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht wies eine deutlich rückläufige Arbeitslosenquote aus.

Um diese Korrektur erklären zu können, muss man sich auf die Unternehmensebene begeben und sich in erster Linie Ciena Corp. anschauen. Dieses auf Glasfasernetze spezialisierte US-Unternehmen gab bei der Veröffentlichung seiner Ergebnisse am Donnerstag eine recht beunruhigende Prognose ab und bestätigte, dass das rückläufige Auftragsvolumen im Zuge der Pandemie den Umsatz in mehreren Quartalen belasten werde.

Eine „Guidance“, die die Anleger trotz der guten Quartalsergebnisse kalt erwischte und einen Kurseinbruch um 25 % auslöste. Aber welcher Zusammenhang besteht zwischen einem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von „nur“ 7 Milliarden Dollar und 3,5 Milliarden Dollar Umsatz und den globalen Technologieriesen? Hier geht es schlicht und ergreifend um die Beziehung zwischen Lieferant und Kunden (25 % der Umsätze von Ciena entfallen auf die GAFAM).

So liess der CIO des Unternehmens beiläufig den Satz fallen, dass auch seine Mitbewerber, Lieferanten und Kunden den Äusserungen über die rückläufigen Umsätze zustimmen würden. In anderen Worten war dies eine Art Ordnungsruf für jene, die sich einbildeten, dass manchen Sektoren vor den Folgen der Krise gefeit seien.

Dennoch ist die Heftigkeit der Reaktion auf diese Meldung verblüffend. Sie muss im Hinblick auf die übermässige Konzentration in den grossen Tech-Werten analysiert werden, ein Phänomen, das immer stärker wird. Schliesst man die GAFAM aus dem Index aus, liegt der S&P 500 – der dann S&P 495 hiesse – seit Jahresbeginn 2 % im Minus, während die fünf Giganten in demselben Zeitraum gemeinsam eine Wertentwicklung von +45 % erzielten.

Dieses Kursdivergenzen blieb auch August bestehen, in dem die GAFAM um 13,5 % zulegten und der S&P 495 nur um 5 %. Überdies stammte fast ein Viertel des in den vergangenen Wochen an den US-Märkten gehandelten Volumens von Privatanlegern, die diese bereits überkauften Titel weiterhin kauften. Diese Anleger reagieren von Natur aus empfindlicher auf alarmierende Nachrichten, die über die Handelsplattformen und von den Börsengurus in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

Während die Handelsvolumina anderer Marktteilnehmer gering sind, können diese Anleger bedeutende Bewegungen auslösen, die dann durch Algorithmen verstärkt werden.

Es gibt also eine technische Erklärung für diesen Abschwung, der die Dinge wieder etwas zurechtgerückt hat. Der Technologiesektor geht unweigerlich als struktureller Gewinner aus der Krise hervor, und wir stehen vermutlich am Beginn einer tiefgreifenden Veränderung unserer Lebensweise, die die Digitalisierung noch weiter beschleunigen wird.

Dennoch ist die Konzentration des Anlegerkapitals auf eine zu geringe Anzahl an Unternehmen niemals eine gute Nachricht an der Börse. Denn dies macht das betreffende Marktsegment besonders anfällig für jede annähernd schlechte Nachricht und verursacht Überreaktionen.

Sobald sich die Umsetzung der staatlichen Konjunkturpakete mit dem Schwerpunkt auf den wichtigen Märkten in den Sektoren Energie, Bau und Transport konkret abzuzeichnen beginnt, wird es für die Anleger zweifelsohne Zeit, zu den früheren Lieblingen etwas mehr Abstand zu gewinnen und die Aufmerksamkeit wieder auf die bisher vernachlässigten Unternehmensmodelle zu richten.

Source: BondWorld.ch