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LGT Navigator: Anleger bleiben angesichts der Risikofaktoren auf der Hut

LGT Navigator: Angesichts der zweiten Corona-Welle in Europa und der zweifach angespannten Situation in den USA

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– einerseits wegen der weiterhin grassierenden Pandemie und andererseits wegen der unsicheren Ausgangslage der Präsidentschaftswahlen – dürften sich Investoren zu Wochenbeginn eher vorsichtig zeigen. In dieser Woche steht am Donnerstag die zweite und letzte Präsidentschaftsdebatte zwischen Präsident Trump und seinem Herausforderer Biden im Fokus. Zudem soll gleichentags der Justizausschuss des US-Senats über die Nominierung der Richterin Amy Coney Barrett für den Obersten Gerichtshof abstimmen, damit sie noch vor den Wahlen bestätigt werden kann. Zumindest die jüngsten US-Wirtschaftsdaten waren solide, und es scheint noch Hoffnung auf eine Einigung in Washington über das Corona-Hilfspaket zu bestehen.

An der New Yorker Börse hatte vor dem Wochenende zunächst noch solide Wirtschaftsindikatoren für eine freundliche Stimmung gesorgt, bis zum Handelsschluss schmolzen die Gewinne aber wieder zusammen. Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Plus von +0.39% bei 28 606.31 Punkten, während der marktbreite S&P 500 praktisch unverändert zum Vortagesniveau bei 3 483.81 Zählern aus dem Rennen ging. In Asien überwog zu Wochenbeginn wieder verstärkt die Hoffnung auf ein US-Fiskalpaket und die Erwartung eines Coronavirus-Impfstoffs. In der Folge legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index in Tokio rund +1.1% zu und in Hongkong notiert der Hang Seng-Index ebenfalls ein Plus von +0.85%. Wenig Impulse lieferten neuste Konjunkturdaten aus China. Das Wirtschaftswachstum betrug von Juli bis September gegenüber dem Vorjahr +4.9% und lag damit etwas unter der Konsensprognose von +5.2%.

Die neusten US-Konjunkturzahlen verstärkten die Hoffnung der Anleger auf eine weitere Erholung der weltgrössten Volkswirtschaft. So setzten die Retailer im September +1.9% mehr um als im Monat zuvor. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Umsatzplus von +0.7% gerechnet. Mittlerweile notierten die US-Einzelhandelsumsätze wieder über dem Niveau vom Februar. Gefragt waren insbesondere Elektronik und Autos. Gleichzeitig meldete die Universität Michigan, dass sich gestützt auf ihre monatliche Umfrage die Stimmung der amerikanischen Konsumenten vor der Präsidentschaftswahl aufgehellt hat. Das Barometer stieg im Oktober von 80.4 auf 81.2 Punkte. Die befragten Verbraucher schätzten ihre Lage zwar skeptischer ein, ihre Aussichten jedoch optimistischer als zuvor.

Nur noch geringe Chancen auf eine Einigung zwischen Brüssel und London

Der britische Premierminister Boris Johnson scheint seine Landsleute auf einen harten Brexit ohne Freihandelsabkommen am 1. Januar 2021 vorzubereiten. Nachdem Grossbritannien am 1. Januar 2020 aus der EU ausgetreten ist, ist der Staat noch bis Ende Jahr Teil des Binnenmarktes und der Zollunion. Ziel ist es, in der Übergangsphase die Handelsbeziehungen auf eine neue Basis zu stellen. Mehrere Verhandlungsversuche sind bislang ohne Einigung geblieben, die vorerst letzte Frist ist am 15. Oktober verstrichen. Beide Seiten haben signalisiert, dass sie nach wie vor an einem Handelsabkommen interessiert sind. Gemäss Medienberichten sollen die Verhandlungen daher diese Woche in London weitergeführt werden. Eine Verlängerung der Übergangsfrist ist nicht mehr möglich. Aus Sicht der britischen Regierung sind die Chancen auf eine Einigung auch am Wochenende nicht gestiegen. So kritisierte der britische Staatsminister Michael Gove, dass Brüssel nicht kompromissbereit sei. Heute soll nun ein weiterer Versuch gestartet werden, die Gespräche zwischen Grossbritannien und der EU doch noch in erfolgreiche Bahnen zu leiten. Dafür reist EU-Chefunterhändler Michel Barnier erneut zu Gesprächen nach London.

US-Wähler entdecken die Briefwahl

In gut zwei Wochen finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt – und viele Amerikaner haben ihre Stimme bereits abgegeben. So haben bis am Freitag knapp 20 Millionen Wähler ihr Votum abgegeben, wie eine Erhebung der Universität Florida zeigt. Die Briefwahl erreicht damit neue Rekordwerte und ist deutlich beliebter als vor vier Jahren, als zum gleichen Stichtag lediglich 1.4 Mio. Bürger vorzeitig gewählt hatten. Zudem steigen die Zahlen rasant, je näher die Wahlen rücken: In der Vorwoche lagen noch 6.6 Mio. briefliche Stimmen vor, innerhalb von sieben Tagen hat sich die Zahl nun verdreifacht. Die Popularität der Briefwahl dürfte auch ein Resultat der hohen Corona-Fallzahlen in den USA sein: So entfällt der Gang an die Urne und verhindert damit eine potenzielle Ansteckung mit dem Virus. 2016 haben 46 Mio. Amerikaner per Brief gewählt, insgesamt haben sich knapp 140 Mio. Bürger an den Wahlen beteiligt. Das entspricht rund 61% der wahlberechtigten Bevölkerung. Experten erwarten, dass dieses Mal bis zu 150 Mio. Stimmen eingehen könnten, was ein neuer Höchststand wäre.

EZB-Lagarde verspricht den Einsatz des gesamten Arsenals, fordert aber auch mehr Fiskalpolitik

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde forderte höhere Fiskalausgaben und den vollen Einsatz des Arsenals der EZB. Die Notenbank sei bereit, im Falle einer sich verschlechternden Konjunkturlage das Nötige zu tun. Europa müsse sich auf eine zweite Corona-Welle vorbereiten und die EZB werde dafür sorgen, dass das gesamte Arsenal, das ihr zur Verfügung steht, in dieser Situation tatsächlich eingesetzt wird. Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet am 29. Oktober statt.

Sinkende Preise im Euroraum

In der Eurozone sind die Preise im September binnen Jahresfrist um -0.3% gesunken. Damit nimmt die Teuerung bereits den zweiten Monat in Folge ab, im August betrug der Rückgang -0.2%. Insbesondere die Energiepreise dämpfen die Teuerung, sie sind um -8.2% gesunken. Lebensmittel (+3.1%) und Dienstleistungen (+0.5%) haben sich dagegen verteuert. Für die Europäische Zentralbank (EZB) wird es damit zunehmend schwierig, ihr Jahresinflationsziel von 2% zu erreichen.

Der Güterhandel der Eurozone leidet weiterhin unter der Corona-Pandemie. So hat die Währungsunion im August Waren im Wert von EUR 156.3 Mrd. exportiert, wie die Statistikbehörde Eurostat meldete. Das sind -12.2% weniger als im Vorjahresmonat. Auch die Importe sind geschrumpft, nämlich um -13.5% auf EUR 141.6 Mrd. In den vergangenen vier Monaten hat sich die Handelsaktivität aber stetig erholt, nachdem sie im April eingebrochen ist.

Wirtschaftskalender 19. Oktober
MEZ Land Indikator Letzte Periode
16:00 USA NAHB-Wohnungsmarktindex (Oktober)  83.0

 

Unternehmenskalender 19. Oktober
Land Unternehmen Periode
USA Coca-Cola Q3
USA IBM Q3
USA American Express Q3

 

Quelle: BondWorld.ch