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LGT Navigator: Bekommen die USA die Corona-Krise in den Griff?

LGT Navigator: Die Sorge, ob es den USA gelingt die Coronavirus-Pandemie in den Griff zu kriegen, rückt immer stärker in den Fokus der Kapitalmärkte …

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Angesichts einer beschleunigten und deshalb alarmierenden Ausbreitung des Virus drohen neuerliche regionale «Lockdowns». Die Corona-Krise wird damit auch immer mehr zum bestimmenden Faktor im Präsidentschaftswahlkampf. Nach anfänglichen Verlusten fingen sich die Aktienindizes an der New Yorker Börse wieder, gestützt von einer raschen Erholung beim Auftragseingang in der US-Industrie.

Nachdem mehrere US-Bundestaaten, darunter Kalifornien, Texas und Florida, eine rekordhohe Zahl an Coronavirus-Neuinfektionen meldet, verhängten gestern New York, New Jersey und Connecticut eine zweiwöchige Quarantäne für Einreisende aus Bundesstaaten mit erhöhten Infektionszahlen. Daraufhin musste der Dow Jones Industrial nach einem Vortagesverlust von -2.7% erneut Abschläge in Kauf nehmen. Bis zum Handelsschluss gerieten die Corona-Sorgen aber wieder in den Hintergrund und so schloss der Dow mit einem Plus von +1.18% bei 25 745.60 Punkten. Der S&P 500 gewann 1.1% und beendete den Tag bei 3 083.76 Zählern. Die asiatischen Börsen zeigten sich heute uneinheitlich. In Tokio legt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zum Wochenschluss um +1.27% auf 22 543.10 Punkte zu, während der MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans um rund -1% nachgab.

US-Industrie spürt nach historischem Einbruch Nachholbedarf

Ein positives Signal setzte gestern die US-Industrie, welche im Mai eine überraschend starke Zunahme der Aufträge für dauerhafte Güter meldete. Die Bestellungen für Güter wie etwa Maschinen oder Flugzeuge nahm in der Berichtsperiode um +15.8% gegenüber dem Vormonat zu. Die Erholung folgt auf einen Einbruch im April von rund -18%. Die als Indikator für die Investitionstätigkeit der Unternehmen viel beachteten Aufträge für zivile Kapitalgüter (ohne Berücksichtigung von Militärgütern und Flugzeugen) stiegen im Mai um +2.3% (Konsens +1.0%).

Den aktuellsten Daten zum US-Arbeitsmarkt zufolge stellten in der Woche zum 20. Juni insgesamt 1.48 Mio. Amerikaner erstmalig einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung. Damit hat sich die Zahl der Erstanträge zwar etwas verringert, jedoch bleibt das Niveau auf Krisenniveau. Seit dem Ausbruch der Corona-Krise haben in den USA über 40 Mio. Menschen ihren Job verloren.

Auch wenn der Blick in den Rückspiegel für die Börsen nicht massgebend ist, so verdeutlicht der Einbruch der US-Wirtschaft im ersten Quartal dennoch das Ausmass der Corona-Krise. Revidierten Angaben zufolge schrumpfte das weltgrösste Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von -5% ­ der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise vor rund zwölf Jahren. Aufgrund des Pandemie-bedingten Stilltands der Wirtschaft muss im zweiten Quartal mit einem noch signifikant stärkeren Einbruch gerechnet werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert der US-Wirtschaft im laufenden Jahr einen Einbruch um -8%.

Der Kranich darf dank staatlicher Hilfe weiterfliegen

Nach langem Hin und Her sicherte sich die Lufthansa (und damit auch die Swiss) das vorläufige Überleben. Mit der staatlichen Unterstützung im Umfang von EUR 9 Mrd. fliegt im Cockpit der Lufthansa künftig aber auch der Staat mit. Gestern gaben die Aktionäre auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung mit 98% der Stimmen grünes Licht für das staatliche Hilfspaket und damit auch die Staatsbeteiligung. Zugestimmt hatte schlussendlich auch der Grossaktionär Heinz Hermann Thiele, der bis dahin Bedenken gegen den Einstieg des Staates bei der Lufthansa geäussert hatte. Andernfalls hätte dem «Kranich» die Insolvenz gedroht. Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley hatte zum Auftakt des virtuellen Aktionärstreffens bereits eindrücklich gewarnt: «Wir haben kein Geld mehr».

Exporterwartungen deutscher Unternehmen erholen sich

Einer aktuellen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts zufolge zeigen sich die befragten 2300 deutschen Exportunternehmen wieder deutlich zuversichtlicher hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen. Der Index der Exporterwartungen kletterte dementsprechend im Juni von minus 26.7 Punkten im Vormonat auf minus 2.3 Zähler. Positiv äusserten sich insbesondere Autohersteller und Firmen aus der Pharmabranche.

Deutsche Konsumenten sehen schwaches Licht am Ende des Tunnels

In Deutschland hat sich die Stimmung der Verbraucher im Juli dank der Lockerungen des «Lockdowns» wieder aufgehellt, bleibt angesichts der anhaltenden Unsicherheiten in der Corona-Krise jedoch angeschlagen. Das Konsumklimabarometer des Nürnberger Konsumforschungsunternehmens GfK verbesserte sich von minus 9.6 Zählern im Juni auf minus 18.6 Punkte im Juli. «Wir sind noch nicht über den Berg, aber das schwache Licht am Ende des Tunnels wird etwas heller», kommentierte das GfK. Eine wichtige Frage werde sein, wie viele der rund sieben Millionen Kurzarbeiter anschliessend effektiv ihren Job verlieren werden. Deswegen werde die Angst vor dem Jobverlust weiterhin auf das Konsumklima drücken. Das Institut befragte im Zeitraum vom 3. bis 15. Juni rund 2000 Privathaushalte in ganz Deutschland.

EZB hilft anderen Zentralbanken aus

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte gestern an, bis Ende Juni 2021 Liquidität in Euros auch Notenbanken ausserhalb des Euroraums zur Verfügung zu stellen. Die sogenannte Repo Facility for Central Banks (EUREP) soll als Präventivmassnahme dienen, falls ausserhalb des europäischen Währungssystems in der Folge der Corona-Krise ein Liquiditätsengpass entstehen sollte. Als Sicherheit sollen die Zentralbanken Anleihen einreichen können, die von Euroländern und supranationalen Organisationen des Euroraums emittiert wurden.

Kanada verliert ein AAA-Rating

Die Rating-Agentur Fitch hat Kanada aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs und der ausserordentlichen fiskalischen Reaktion in der Corona-Krise das Triple-A-Rating entzogen. Fitch stufte das Rating von AAA auf AA+ herab. Kanada ist damit das erste mit Triple-A-Land, dass aufgrund der Corona-Krise die Höchstnote verliert. Moody’s und Standard & Poor’s halten unterdessen vorerst an ihrem AAA-Rating für Kanada fest.

Wirtschaftskalender 26. Juni
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:45FRKonsumentenvertrauen Juni93.0
11:00ITWirtschaftsstimmung Juni51.1
11:00ITGeschäftsklima Juni71.2
11:00ITKonsumentenvertrauen Juni94.3
14:30USAKonsumausgaben Mai (M/M)-13.6%
14:30USAPersönliche Einkommen Mai (M/M)+10.5%
14:30USAPCE-Kern(Inflations)-Index Mai (M/M)-0.4%
14:30USAPCE-Kern(Inflations)-Index Mai (J/J)+1.0%
16:00USAVerbraucherstimmung Uni Michigan Juni (final)78.9

Unternehmenskalender 14. Juli
LandUnternehmenPeriode
USAJPMorgan ChaseQ2
USACitigroupQ2

 

Quelle: BondWorld.ch