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LGT Navigator: Bekommen die USA die Corona-Krise in den Griff?

LGT Navigator: Die schnelle Ausbreitung des Coronavirus mit dramatisch steigenden Infektionszahlen und US-Präsident Trumps Rückkehr auf den Boden der Realität sorgten an der Wall Street für erneute Verluste…………

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Zudem zeigen sich verstärkt auch erste Spuren in der Wirtschaft. So wurden in der US-Privatwirtschaft im März erstmals seit etwa zweieinhalb Jahren wieder Arbeitsplätze abgebaut, während das wichtige ISM-Industriebarometer die volle Wucht der Krise noch nicht zu reflektieren scheint.

Bekommen die USA die Corona-Krise in den Griff?

Nachdem US-Präsident Donald Trump anfänglich die Gefahren der Corona-Krise demonstrativ heruntergespielt hat und offensichtlich die Wucht und die Schnelligkeit der Pandemie unterschätzt hat, stellt der Präsident die Amerikaner nun auf «sehr harte Wochen» ein und warnt vor Horrorszenarien mit stark steigenden Todeszahlen. Trump verwies dabei auf eine Studie die von 100 000 bis 240 000 möglichen Todesfällen in den USA ausgeht. Aktuell sind der Lungenkrankheit weltweit über 43 000 Menschen zum Opfer gefallen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von weiter steigenden Zahlen aus. In den nächsten Tagen sei laut WHO damit zu rechnen, dass die weltweiten Fallzahlen auf über eine Million klettern werde und die Zahl der Todesopfer die Marke von 50 000 übersteigt.

Aufgrund der anhaltenden Sorgen um den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie starteten der Dow Jones Industrial und der breite S&P 500 gestern mit einem Tagesverlust von jeweils rund -4% in das zweite Quartal. Die ersten drei Monate waren für die US-Börse das schlechteste erste Quartal seit 1987. An den asiatischen Aktienmärkten verzeichnen die meisten Indizes heute leichte Verluste, wobei aber die Futures wieder gedreht haben.

Die Corona-Krise scheint der US-Industrie noch nicht spürbar zuzusetzen

Die Amerikanische Industrie zeigte sich laut neusten Umfrageerbnissen des Branchenverbandes ISM (Institut for Supply Management) noch nicht im Krisenmodus. Mit 49.1 Punkten sank der auch wegen seiner starken Korrelation zum US-Wirtschaftswachstum viel beachtete Einkaufsmanagerindex zwar unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern, jedoch hatten Analysten mit 45.0 Punkten eine deutlichere Eintrübung des Geschäftsklimas gerechnet. Ein empfindlicher Rückgang der Aufträge – die Bestellungen brachen so kräftig ein wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr – deute aber auf eine zeitliche Verzögerung der negativen Auswirkungen der Pandemie hin, kommentierte das ISM.

Auch ADP-Arbeitsmarktdaten geben noch kein eindeutiges Bild der Krise wider

Dem Bericht des privaten Personaldienstleister ADP zufolge gingen im März in der amerikanischen Privatwirtschaft 27 000 Stellen verloren. Allerdings ist die Zuverlässigkeit der ADP-Zahlen derzeit nicht ganz gegeben, da die Umfrage nur Daten bis zum 12. März berücksichtigt. Angesichts der fast täglich ändernden Situation in der Coronavirus-Krise und der zeitlichen Verzögerung der Pandemie in den USA dürften zu diesem Zeitpunkt viele US-Unternehmen noch mit Entlassungen zugewartet haben. Deshalb fokussieren die Kapitalmärkte verstärkt auf die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten zu den gemeldeten Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung (Initial Jobless Claims). Die Daten für die Woche zum 28. März werden heute Nachmittag um 14:30 Uhr (MEZ) veröffentlicht. In der Vorwoche wurde ein Rekord von knapp 3.3 Mio. Anträgen auf Arbeitslosenversicherungen registriert. Ökonomen und verschiedene Mitglieder der US-Notenbank halten als Folge der Corona-Krise inzwischen einen Anstieg der offiziellen US-Arbeitslosenrate von dem derzeit historisch tiefen Vollbeschäftigungsniveau von 3.5% bis auf 10-20% für möglich.

Industrie im Euroraum in der Schockstarre

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise melden die Industrieunternehmen in der Eurozone Wachstumseinbussen und die Stimmung ist dementsprechend pessimistisch. Darauf deuten die neusten Umfrageergbnisse des Londoner Marktforschungsinstitut IHS Markit. So fiel der darauf basierende Einkaufsmanagerindex im März um 4.7 auf 44.5 Punkte und notiert damit auf dem tiefsten Stand seit rund siebeneinhalb Jahren. Laut Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson berichteten die befragten Firmen von starken Rückgängen in nahezu allen Bereichen wie Produktion oder  Aufträgen. Zu beobachten seien auch massiv verlängerte Lieferzeiten. Zudem wurden in der Euro-Industrie im letzten Monat so viele Jobs gekürzt wie seit Mitte 2012 nicht mehr.

Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo geht wegen den Massnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise unterdessen von einem Schaden in Höhe von hunderten Milliarden Euros aus. Wenn Unternehmen für länger als einen Monat geschlossen bleiben, erreichten die Produktionsausfälle schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen oder Naturkatastrophen in der Geschichte der Europäischen Union bekannt seien, kommentierte das Ifo.

Italien vor schwerer Rezession

Nach Einschätzung des Wirtschaftsverbands Confindustria droht dem von der Corona-Krise besonders schwer getroffenen Italien – die drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone – im laufenden Jahr eine schwere Rezession. Es müsse mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von rund sechs Prozent gerechnet werden. Inzwischen hat die Regierung aber die strikte Ausgangssperre bis zum 13. April verlängert. Immerhin deutete sich jüngst eine Verlangsamung bei den Neuinfektionen an. Der von IHS Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex brach im März auf 40.3, respektive den tiefsten Wert seit April 2009 ein. Angesichts des praktischen Stillstand der italienischen Wirtschaft sei es unwahrscheinlich, dass sich das Land von den erheblichen Störungen durch die Corona-Krise schnell wieder erholen wird, kommentierte das Institut. Italien zählt derzeit über 110 000 Coronavirus-Infektionen und mehr als 13 000 Tote. Inzwischen wird in Rom über ein neuerliches Konjunkturpaket debattiert. Zudem appelliert die Regierung von Premierminister Conte an die europäischen Partner, die Fiskalpolitik in der EU «zu koordinieren». Italien plädiert zusammen mit anderen Euroländern wie Spanien, so genannte «Corona-Bonds» zu begeben, also die gemeinsame Ausgabe von Staatsanleihen durch die Euro-Länder. Insbesondere Deutschland lehnt dies bisher aber strikte ab.

Wirtschaftskalender 2. April
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:30CHVerbraucherpreise (J/J)-0.2%
11:00EZErzeugerpreise (J/J)-0.5%
14:30USHandelsbilanz-USD 45.3 Mrd.
16:00USAuftragseingang Industrie (M/M)-0.5%
Unternehmenskalender 14. April
LandUnternehmenPeriode
USJPMorgan ChaseQ1
USJohnson & JohnsonQ1

Quelle: BondWorld.ch