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LGT Navigator: Biden holt in extrem umstrittenen Rennen auf, doch es droht eine juristische Schlacht

LGT Navigator: Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden scheint in den beiden wichtigen Swing States Wisconsin und Michigan eine knappe Mehrheit zu erreichen.

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Gehen auch Nevada und Arizona definitiv an die Demokraten, so würde Biden die notwendigen 270 Wählerstimmen erreichen und der Weg ins Weisse Haus wäre frei. So einfach wird es aber auch bei einem Sieg Bidens nicht werden, denn Präsident Trump und die Republikaner werden mit Sicherheit das Resultat anfechten. Dann droht ein Wochenlanger juristischer Streit. Bisher reagierten die Finanzmärkte besonnen auf die anhaltende Hängepartie.

Nachdem die Umfrageprognosen im Rennen um das Weisse Haus nach 2016 auch 2020 vielfach falsch lagen, wirkte das Ergebnis der Wahlnacht zunächst für die US-Demokraten wie ein Schock. Wer auf eine «blaue Welle» gehofft hatte, sah sich bitter enttäuscht. US-Präsident Trump konnte hingegen einmal mehr das unmöglich Scheinende umsetzen und in ersten Auswertungen wichtige «Swing States» für sich gewinnen. Dass Trump sich vorzeitig zum Sieger erklärte, ist ein für ihn typischer Versuch, Fakten zu schaffen, ohne dass ein definitives Resultat vorliegt. Je mehr Briefstimmen aber ausgezählt werden, je stärker werden die Demokraten, und Biden kann sich allem Anschein nach auch die wichtigen Bundesstaaten Wisconsin und Michigan sichern. Es scheint nun höchst wahrscheinlich, dass die Demokraten die 270-Marke erreichen und damit Biden den Sprung ins Weisse Haus schaffen würde – wahrscheinlich aber mit einem nach wie vor republikanisch beherrschten Senat. Die Republikaner dürften sich aber keineswegs geschlagen geben und es ist höchst unwahrscheinlich, dass Trump eine Niederlage eingestehen würde. Vielmehr droht nun ein juristisches Hickhack um Nachzählungen und Anerkennung bestimmter Stimmen. Dies bietet viel Sprengstoff und Unsicherheit für die Kapitalmärkte.

Anleger bleiben bisher erstaunlich gelassen

An den Aktienmärkten zeigte man sich bisher recht «cool» und trotz des befürchteten engen Rennens und ungewissen Ausgangs kam es nicht zu einem Einbruch. An der Wall Street legte der Dow Jones Industrial am Tag nach dem Urnengang um +1.34% zu und handelte zeitweise über der Marke von 28 000 Punkten. Zum Tagesschluss landete der Benchmark bei 27 847.66 Zählern, womit über Wochensicht bisher ein Plus von rund +5% resultierte. Der marktbreite S&P 500 gewann am Mittwoch +2.23% und schloss bei 3 443.44 Punkten. Gefragt waren wieder Technologie-Schwergewichte, woraufhin der Nasdaq 100 um +4.41% zulegte – dies dürfte aber auf der Annahme beruhen, dass Trump Präsident bleibt.

Neben der nach wie vor unklaren US-Präsidentschaftswahl steht nun auch der Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) heute um 20:00 Uhr (MESZ) im Mittelpunkt.

Erholung am US-Arbeitsmarkt harzt

Amerikanische Unternehmen in der Privatwirtschaft haben im Oktober weniger neue Arbeitsstellen geschaffen als erwartet. Dem Personaldienstleister ADP zufolge wurden 365 000 neue Jobs gemeldet, während Experten mit einem deutlich stärkeren Zuwachs von 650 000 gerechnet hatten. Im September waren es 753 000. Die Daten deuten auf eine langsamere Erholung hin. Angesichts der nach wie vor grassierenden Pandemie dürften viele Firmen zurückhaltend sein, neue Stellen zu besetzen.

US-Dienstleistungssektor wächst langsamer

Die Einkaufsmanagerumfrage des Branchenverbandes der amerikanischen Einkaufsmanager signalisierte eine Verlangsamung des Wachstumstrends bei den Dienstleistern. Der PMI des ISM (Institute for Supply Management) fiel dabei von 57.8 im Vormonat auf 56.6 Punkte zurück. Der Konsens lag bei 57.5 Zählern. Der gleichentags veröffentlichte PMI des Londoner Instituts IHS Markit verbesserte sich hingegen von 54.6 im September auf 56.9 Punkte im Oktober.

Coronakrise bremst Erholung der Euro-Wirtschaft aus

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von IHS Markit deutete an, dass die Wirtschaft in den Euroländern im Oktober an Dynamik verloren hat. Der für den Dienstleistungs- und Industriesektor zusammengefasste PMI fiel im letzten Monat um 0.4 auf 50.0 Punkte und landete damit genau auf der Wachstumsschwelle. Markit-Chefökonom Chris Williamson kommentierte: Aufgrund der verschärften Massnahmen zur Eindämmung der zweiten Corona-Infektionswelle sei der Aufschwung in der Eurozone wieder zum Erliegen gekommen. Bei einer weiteren Verschärfung der in einigen Euroländern verhängten «Lockdowns» drohe ein Rückfall in die Rezession.

Auch in Grossbritannien hat sich die Stimmung der Unternehmen wieder eingetrübt

Auf der britischen Insel zeigten sich die von IHS Markit befragten Firmen im Dienstleistungsgewerbe und der Industrie ebenfalls skeptischer. Vor dem Hintergrund der zähen Brexit-Verhandlungen mit der EU und der nach wie vor akuten Corona-Pandemie gab das Einkaufsmanagerbarometer im Oktober stärker als erwartet um 4.4 auf 52.1 Punkte nach. Immerhin hält sich der PMI aber noch deutlicher über der 50er Wachstums-/Kontraktionsmarke.

Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen vollzogen

Seit Mitternacht New Yorker Ortszeit sind die USA nicht mehr Mitglied des 2015 in Paris vereinbarten Klimaabkommens der UNO. Die USA unter Präsident Trump sind das bisher erste und einzige Land, welches das Klimaabkommen gekündigt hat. Im Abkommen von Paris einigte sich praktisch die ganze Welt auf die Begrenzung der Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad, um dem Klimawandel entgegen zu treten. Im Gegensatz zu Trump würde ein demokratischer Präsident Biden dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten und, wie die EU, bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft anpeilen.

Wirtschaftskalender 5. November
MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 DE Auftragseingang Industrie (September, J/J) -2.2%
11:00 EZ Detailhandelsumsätze (September, J/J) +3.7%
13:00 GB Bank of England Zinsentscheid +0.1%
14:30 USA Produktivität Q3 (ex-Agrar, Q/Q) +10.1%
20:00 USA Federal Reserve Zinsentscheid 0.0-0.25%

 

Unternehmenskalender 5. November
Land Unternehmen Periode
DE Münchener Rück Q3
DE Lufthansa Q3
FR Veolia Q3
IT Enel Q3
GB Linde Q3
USA Bristol-Meyrs Squibb Q3
USA Duke Energy Q3

 

Quelle: BondWorld.ch