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LGT Navigator: Börsen und Zentralbanken bleiben trotz starken Anstiegs der US-Inflation entspannt

LGT Navigator: Die neusten Daten aus den USA zeigten einen stärker als erwarteten Inflationsdruck und nährten damit die Sorge der Anleger vor einer früheren und schärferen Reaktion der Zentralbanken, respektive steigender Zinsen.

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In Europa hält die EZB aber an ihrem expansiven geldpolitischen Kurs fest und signalisierte anlässlich des gestrigen Zinsentscheids auch keine unmittelbar absehbare Wende.

An der Wall Street zeigten sich die Anleger trotz des stärker als erwarteten Anstiegs der US-Inflation erstaunlich entspannt. Die gestiegenen Inflationserwartungen dürften einerseits bereits eskomptiert zu sein und andererseits scheinen Investoren den Zentralbanken Glauben zu schenken, dass der Inflationsanstieg nur vorübergehender Natur sein wird. Der Dow Jones Industrial hielt sich in etwa auf Vortagesniveau und schloss bei 34’466.24 Punkten (+0.06%), während der S&P 500 um +0.47% auf 4’239.18 Zähler zulegen konnte. Stärker war der Appetit der Aktienanleger an der Technologiebörse Nasdaq, wo die Indizes um bis zu +1% zulegten. In Asien herrschte zum Wochenschluss mehrheitlich eine freundliche Börsenstimmung und die Futures deuten auf einen positiven Handelsauftakt in Europa hin.

Gleichzeitig sind die Renditen der Benchmark-Staatsanleihen in dieser Woche gesunken. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel so stark wie seit Juni 2020 nicht mehr und erreichte heute ein Dreimonatstief von 1.43 %.

Stärkster Anstieg der Inflationsrate in den USA seit August 2008

Die Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten sind im Mai noch kräftiger gestiegen als von Ökonomen erwartet. Damit setzt sich der seit einiger Zeit beobachtete Preistrend fort, womit die US-Notenbank verstärkt unter Druck gerät sich von ihrer expansiven geldpolitischen Ausrichtung zu verabschieden. Den neusten Daten zufolge sind die Verbraucherpreise im Mai um +5% gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen – die höchste Rate seit fast 13 Jahren. Im April hatte die Teuerung noch +4.2% betragen und Analysten waren von einem Anstieg auf +4.7% ausgegangen. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise um +0.6%. Die Kernrate, also ohne Berücksichtigung der Energiepreise, kletterte von +3.0% im April auf +3.8% im Mai (Konsens +3.5%).

EZB bleibt auf Kurs

Wie erwartet, beliess die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Schlüsselzinsen unverändert auf rekordtiefem Niveau. Obwohl sich die Anzeichen einer weiteren, wenn auch eventuell holprigen Wirtschaftserholung im Euroraum dank fortschreitender Impfkampagne und Öffnungen fortzuschreiten scheint, verharrt die EZB im Krisenmodus. Neben den Leitzinsen bleiben auch die «Forward Guidance» sowie das EUR 1.85 Billionen schwere Notkaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP) zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie unverändert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äusserte sich gleichzeitig entspannt hinsichtlich des jüngsten Inflationsanstiegs. Dieser beruhe hauptsächlich auf temporären Faktoren, so Lagarde an der Pressekonferenz. Insgesamt bleibe die Inflation weit entfernt vom Ziel der EZB (nahe 2%). Die Entwicklung werde aber von der EZB aufmerksam beobachtet, betonte die Notenbankchefin.

Höhere Inflationserwartungen spiegeln sich auch in EZB-Prognose

Die EZB geht in ihren revidierten Prognosen von einem etwas kräftigeren Wirtschaftswachstum, aber auch von einer höheren Inflation im Euroraum aus. Im laufenden Jahr soll das Bruttoinlandprodukt der Euroländer um +4.6% zulegen. Im April hatte die Zentralbank noch eine Wachstumsrate von +4.0% vorausgesagt. Auch 2022 soll das BIP nochmals kräftiger wachsen, nämlich um +4.7% (vorherige Prognose +4.1%). Zeitgleich stellt die EZB aber auch eine höhere Teuerung in Aussicht. So dürften die Verbraucherpreise in diesem Jahr um +1.9% (bisher +1.5%) steigen und 2022 um +1.5% (+1.2%).

Wirtschaftskalender 11. Juni

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:45 FR Verbraucherpreise (Mai, J/J) +1.4%
09:00 SP Verbraucherpreise (Mai, J/J) +2.4%
16:00 USA Konsumentenstimmung Uni Michigan (Juni) 82.4

 

Unternehmenskalender 15. Juni

Land Unternehmen Periode
SWE H&M  Q2 Umsatz
USA Oracle Q4

 

Quelle: BondWorld.ch