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LGT Navigator: Börsenstimmung und Weltwirtschaftsperspektiven bleiben im Banne des Virus

LGT Navigator: Die Coronavirus-Pandemie bleibt auch an den Kapitalmärkten das beherrschende Thema …

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Rasant steigende Infektionszahlen in den USA, eine unkontrollierte Ausbreitung in Brasilien und die Anzeichen einer zweiten Welle in einigen europäischen Ländern trüben die Anlegerstimmung. Erneute, zumindest lokale, «Lockdowns» gefährden die erhoffte Wirtschaftserholung. Dies hinterlässt an den internationalen Aktienbörsen hohe Unsicherheit und dürfte auch zum Wochenauftakt für eine anhaltend risikoaverse Haltung der Investoren sorgen.

In den Vereinigten Staaten haben die Zahlen zu den Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Tagen wieder deutlich zugenommen. Diese jüngsten Entwicklungen scheinen zu belegen, dass die Wirkung des Lockdowns – eine zunächst eingedämmte Ausbreitung des Virus – durch eine zu frühe Öffnung der Wirtschaft wieder zunichte gemacht werden kann. In den USA haben die Fallzahlen am Wochenende den bisherigen Höchststand aus dem April sogar übertroffen. Gemäss der Johns-Hopkins-Universität wurden zum Ende der vergangenen Woche innerhalb von 24 Stunden rund 40 000 neue Fälle gemeldet. Insgesamt zählen die USA 2.549 Mio. infizierte Personen und 125.800 Todesfälle. Unterdessen müssen beispielsweise in Kalifornien, Texas und Florida Bars wieder schliessen. Weltweit gibt es aktuell 10.145 Mio. bestätigte Covid-19-Infektionen und 501 893 Todesfälle.

An den Aktienmärkten hält die Sorge um die weitere Entwicklung der Pandemie und deren Auswirkung auf die Weltwirtschaft die Investoren nach wie vor in Atem. So notierte der Dow Jones Industrial am Freitag zeitweise unter der Marke von 25 000 Punkte und schloss -2.84% tiefer bei 25 015.55 Zählern. Der Wochenverlust betrug -3.3%. In Asien setzte sich die risikoaverse Haltung fort und die meisten Aktienindizes notierten zum Wochenstart im Minus. In Tokio fiel der Nikkei-Index um -2.22% auf 22 011.31 Punkte.

Aufhebung des «Lockdowns» sorgt für kurzzeitige Erholung des US-Konsums

Die amerikanischen Verbraucher sorgten nach einem Einbruch im April bereits im Mai wieder für einen kräftigen Anstieg der Konsumausgaben. Laut US-Handelsministerium nahmen die Ausgaben im letzten Monat um +8.2% zu und machten damit einen Teil des massiven Rückgangs im Vormonat um -12.6% überraschend schnell wieder wett. Mit Spannung wird nun beobachtet werden, wie sich die wieder verstärkte Ausbreitung und teilweise erneuten «Lockdowns» auf den Privatkonsum auswirken werden. Ein weiteres hoffnungsvolles Zeichen lieferten am Freitag die finalen Umfrageergebnisse der Universität Michigan. Demnach hat sich die Konsumentenstimmung in den USA im Juni wieder deutlich aufgehellt. Das Verbraucherstimmungsbarometer stieg von 72.3 Punkten im Mai auf 78.1 Zähler an. Damit lag das definitive Ergebnis zwar unter dem zunächst ermittelten Wert von 78.9 Punkten, jedoch bestätigt die schnelle Erholung, dass die befragten Privathaushalte derzeit zumindest keine weitere Verschlechterung der Situation befürchten.

Natürlich sind dies nur Momentaufnahmen und können durch die sich laufend verändernde Entwicklung der Pandemie, gerade in den USA, schnell wieder zunichtegemacht werden.

Euro-Wirtschaft sollte Tiefpunkt überschritten haben

EZB-Chefin Christine Lagarde äusserte sich anlässlich einer Wirtschaftskonferenz zuversichtlich. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft in der Eurozone das Schlimmste überstanden haben dürfte. Die Erholung werde aber kompliziert, graduell und regional verlaufen. Angesichts des Risikos einer zweiten Pandemiewelle bleibe die EZB weiterhin gefordert, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Die EZB setze dabei die Instrumente ein, welche die proportional gesehen, effektivsten Ergebnisse erzielten im Hinblick auf Liquidität, die geldpolitische Ausrichtung und die Übertragung des geldpolitischen Signals in den gesamten Euroraum, betonte Lagarde.

Italiens Unternehmer fassen wieder Mut

Die Stimmung unter Firmen hat sich in Italien im Juni gemäss neusten Umfragewerten wieder etwas aufgehellt. Nach den verheerenden Folgen der Pandemie gibt es Zeichen einer Erholung. So verbesserte sich das Geschäftsklimabarometer für die Gesamtwirtschaft (Industrie- und Dienstleistungsbranche) in diesem Monat von 52.7 auf 65.4 Punkte. Italien wurde mit mehr als 34 000 Toten besonders schwer von der Pandemie getroffen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für die drittgrösste Volkswirtschaft im Euroraum einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts im laufenden Jahr von -12.8%.

Neue Gesprächsrunde zwischen Brüssel und London

Die Verhandlungen zwischen den der EU und Grossbritannien über ein Anschlussabkommen für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase sollen heute fortgeführt werden. Bisher waren die Gespräche weitgehend ergebnislos verlaufen. EU-Chefunterhändler Michel Barnier forderte im Vorfeld «klare Signale» für einen Kompromiss aus London. Die EU bietet den Briten ein umfassendes Handelsabkommen mit Zugang zum EU-Markt ohne Zölle und Mengenbegrenzung, fordert im Gegenzug aber gleich hohe Sozial-, Umwelt- und Verbraucherstandards. Grossbritannien will jedoch keine Vorgaben der EU akzeptieren. Weitere wichtige Streitpunkte sind der Zugang von EU-Fischern zu den reichen britischen Fischgründen, die Rolle des Europäischen Gerichtshofs bei Streitigkeiten der Vertragspartner und der polizeiliche Datenaustausch. Gelingt kein Vertrag über die künftigen Beziehungen, könnte es Anfang 2021 zum harten wirtschaftlichen Bruch mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen kommen. Eine Verlängerung der Verhandlungsfrist hat der britische Premier Boris Johnson bereits mehrfach ausgeschlossen.

Wirtschaftskalender 29. Juni
MEZLandIndikatorLetzte Periode
09:00SPVerbraucherpreise Juni (J/J)-0.9%
11:00EZWirtschaftsstimmung Juni67.5
14:00DEVerbraucherpreise Juni (J/J)+0.5%
16:00USAAusstehende Hausverkäufe Mai (M/M)-21.8%
16:00USAAusstehende Hausverkäufe Mai (J/J)-34.6%

Unternehmenskalender 14. Juli
LandUnternehmenPeriode
USAJPMorgan ChaseQ2
USACitigroupQ2

 

Quelle: BondWorld.ch