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LGT Navigator: «Brexit-Time»: Grossbritannien tritt aus der EU aus

LGT Navigator: Am späten Freitagabend wird Grossbritannien die Europäische Union endgültig verlassen. Kurz vor dem Brexit hat die britische Notenbank ihren geldpolitischen Schlüsselsatz bei 0.75% belassen….

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Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Januar dank einer höheren Aktivität in Industrie und Bauwirtschaft deutlicher als erwartet aufgehellt. WHO stuft Coronavirus als «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ein.

Brexit

Heute Abend (23 Uhr britische Zeit, 24 Uhr MEZ) wird Grossbritannien nach 47 Jahren Mitgliedschaft die Europäische Union endgültig verlassen. Am Donnerstag hatten die 27 verbleibenden EU-Staaten der Ratifizierung des Austrittsabkommens mit Grossbritannien zugestimmt. Mit dem EU-Austritt ist jedoch der Streit um den Brexit noch nicht beendet. Erst jetzt können die Gespräche über die künftigen Beziehungen beginnen. In einer elfmonatigen Frist sollen London und Brüssel klären, wie es ab 2021 im Handel und auf anderen Feldern weitergeht. Kritiker halten den Zeitraum für viel zu kurz, neue Konflikte drohen. Damit ist die Gefahr eines «harten» Brexits zum Jahresende noch nicht gebannt.

Seine Verhandlungsziele für die künftigen Beziehungen will der britische Premier Boris Johnson den Medien zufolge nächste Woche vorstellen. Der Bruch zwischen London und Brüssel soll viel klarer ausfallen als unter Johnsons Vorgängerin Theresa May geplant. Er will sein Land von der Anbindung an EU-Regeln freimachen und die Verbindungen weitgehend kappen. Die EU-Kommission fordert indes eine möglichst enge Anbindung an EU-Standards. Davon soll abhängen, wie weit Grossbritannien Zugang zum Binnenmarkt bekommt. Die Kommission will nächsten Montag ihrerseits die Verhandlungslinie vorschlagen, die dann noch von den 27 bleibenden Staaten gebilligt werden muss. Ende Februar oder Anfang März fangen dann die Verhandlungen an.

Zentraler Punkt im Austrittsvertrag ist eine Übergangsfrist bis zum Jahresende, in der sich im Alltag fast nichts ändert. Grossbritannien bleibt in der Zeit im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Doch gibt es kein Anschlussabkommen, drohen erhebliche Handelshemmnisse. Neben der Klärung der künftigen Beziehungen zur EU hat sich Johnson um ein zerrissenes Grossbritannien zu kümmern. Vor allem in Schottland, aber auch in den Landesteilen Wales und Nordirland wächst die Wut auf die Regierung und das Streben nach Unabhängigkeit.

Die EU verliert mit dem Brexit ihre zweitgrösste Wirtschaftsmacht und ihren viertgrössten Beitragszahler. Mit den Briten verabschiedet sich ein ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und eine schlagkräftige Militär- und Nuklearmacht aus dem Kreis der EU-Staaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Eigenkapitalausstattung nach dem Ausscheiden der Bank of England (BoE) konstant halten. Wie sie im Vorfeld des am 31. Januar anstehenden Brexits mitteilte, wird das Eigenkapital weiterhin EUR 10.8 Mrd. betragen. Die Anteile der BoE (14.3%) sollen unter den verbleibenden Zentralbanken aufgeteilt werden.

Bank of England hält Leitzins vor Brexit konstant

Kurz vor dem Brexit hat die britische Notenbank ihren geldpolitischen Schlüsselsatz bei 0.75% belassen, wobei nur zwei der neun Währungshüter für eine Kappung stimmten. Da die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung zuletzt bei rund 50% gelegen hatte, wurden einige Akteure auf dem falschen Fuss erwischt. Am heftigsten fiel die initiale Reaktion am Rentenmarkt aus. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen sprang um 0,1 Prozentpunkte auf 0.51%, das Britische Pfund legte zum Euro 0.5% zu. Britische Aktien gaben zunächst um rund 0.5% nach.

Die Notenbank verwies auf ein Anziehen der Konjunktur seit den Wahlen im Dezember, die eine stabile Mehrheit für den konservativen Premierminister Boris Johnson gebracht und damit einem geregelten EU-Abschied den Weg geebnet hatte.

Zugleich liess die Bank of England allerdings die Möglichkeit für eine Lockerung offen: Sollte sich die Erholung der Wirtschaft nicht als nachhaltig erweisen, könne ein Anschub durch die Geldpolitik nötig werden. Das britische Pfund profitierte hiervon, britische Staatsanleihen gerieten dagegen unter Druck. Britische Aktien reagierten ebenfalls mit Abschlägen.

Der scheidende Notenbank-Chef Mark Carney sagte, die Anzeichen für eine Besserung seien noch nicht in grösserem Umfang sichtbar. Die Erholung sei somit fragil und könne durch Gefahren wie dem Wiederaufflammen des von den USA angefachten Zollkonflikts oder den Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs in China zunichtegemacht werden. Daher müssten die Währungshüter «auf der Hut sein». In neuen Prognosen kommen die Bedenken der Notenbanker zum Ausdruck, die die Aufbruchsstimmung der britischen Regierung dämpften und ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2020 auf 0.8% senkten. Zugleich betonten die Notenbanker, dass die jüngsten Konjunkturdaten wie der Einkaufsmanagerindex im Januar positiv ausgefallen seien.

Wirtschaftsstimmung im Euroraum besser als erwartet

Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Januar dank einer höheren Aktivität in Industrie und Bauwirtschaft deutlicher als erwartet aufgehellt. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung (Esi) stieg auf 102,8 (Dezember: 101,3) Punkte – den höchsten Stand seit August 2019. Dagegen hat sich das Geschäftsklima in der Eurozone im Januar im Vergleich zum Vormonat leicht eingetrübt. Wie die Europäische Kommission berichtete, sank der entsprechende Index auf -0,23 Punkte, von revidiert -0,20 (vorläufig: minus 0,25) Punkten im Dezember. Positiv entwickelt hat sich die Arbeitslosenrate in der Eurozone, die im Dezember unerwartet gesunken ist. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte, ging die Quote auf 7.4% zurück, nachdem sie im November bei 7.5% gelegen hatte.

WHO stuft Coronavirus als «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ein

Die mehr als 190 Mitgliedsländer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden ab sofort die von der WHO empfohlenen Krisenmassnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus koordiniert umsetzen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 9692 Infizierte gestiegen, 213 Personen sind an dem Virus gestorben. Die US-Börsen haben am Donnerstag dennoch mit leichten Kursaufschlägen geschlossen. In Asien sorgte eine Reihe positiv aufgenommener Geschäftsberichte für Kauflaune. So schoss zum Beispiel Fujitsu um 12% nach oben, auf den höchsten Stand seit 18 Jahren, nachdem der Konzern seine Gewinn- und Dividendenprognosen erhöhte und ein Aktienrückkaufprogramm ankündigte.

Wirtschaftskalender 31. Januar
MEZLandIndikatorLetzte Periode
07:30FRBIP (J/J)1.4%
08:00DEEinzelhandelsumsätze (J/J)2.7%
08:45FRProduzentenpreise (J/J)-0.8%
08:45FREU-harmonisierte Verbraucherpreise (J/J)1.6%
09:00ESEU-harmonisierte Verbraucherpreise (J/J)0.8%
11:00EUBIP (J/J)1.2%
11:00EUVerbraucherpreise (J/J)1.3%
14:30USPersönliche Konsumausgaben (J/J)1.6%
16:00USUniversity of Michigan, Konsumentenvertrauen99.10
Unternehmenskalender 31. Januar
LandUnternehmenPeriode
USChevronQ4
USExxon MobilQ4

 

Quelle: BondWorld.ch