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LGT Navigator: Erholungsrally versandet – USA neues Epizentrum der Corona-Krise

LGT Navigator: Nach drei positiven Handelstagen in Folge kam die Erholung an den wichtigsten Aktienmärkten Ende der letzten Woche wieder ins Stocken…………

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Nachdem Anleger die historischen Massnahmen der Notenbanken und Staaten im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie mehr oder weniger eingepreist hatten, belasteten erneut die anhaltend äusserst angespannte Situation in den USA, Italien und Spanien die Marktstimmung. In den Fokus tritt auch die schwierige Frage, wie lange die Pandemie die Weltwirtschaft noch lähmen wird.

USA neues Epizentrum der Corona-Krise

In Asien eröffneten die Aktienmärkte die neue Handelswoche mit neuen Verlusten. Angesichts der ungewissen Dauer der Corona-Krise sackte das Tokioter Börsenbarometer heute erneut um -3.2% ab. Die chinesischen Indizes hielten ihre Verluste hingegen in Grenzen. Der Hongkonger Hang Seng-Index notiert rund -0.75% im Minus und das Aktienbarometer in Shanghai verliert rund -1.2%. Am Freitag wäre der Dow Jones Industrial und der breite S&P 500 mit einem Tagesverlust von -4%, respektive -3.4% in das Wochenende gegangen. Nach einer Erholungsrally historischen Ausmasses beendeten die New Yorker Benchmarkindizes die Woche aber mit einem eindrücklichen Plus von knapp +13% ­ der grösste Wochengewinn seit 1938. Angesichts der Krisensituation fanden neuste US-Konjunkturdaten an der Wall Street kaum Beachtung. Positiv notiert wurde sicherlich, dass der US-Kongress grünes Licht für das zwei Billionen US-Dollar schwere Hilfspaket gegen die Corona-Krise gab und es mit der Unterschrift von US-Präsident Donald Trump in Kraft treten kann.

Die USA sind das neue Epizentrum der Corona-Krise

Bei der Anzahl der Infektionen haben die USA mittlerweile China hinter sich gelassen und die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte, die USA könnten das globale Zentrum der Pandemie werden. Die Vereinigten Staaten zählen Stand heute rund 142 000 Infektionsfälle und etwa 2400 Todesfälle. Weltweit sind es derzeit 720 000 Infektionsfälle und 33 000 Tote. Zwar scheint Präsident Trump mittlerweile den Ernst der Lage begriffen zu haben, versucht aber dennoch weiter Zuversicht zu verbreiteten, dass die Krise spätestens bis August überwunden sein werde. Auch eine am Wochenende ins Gespräch gebrachte Quarantäne für die Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut wurde vom Weissen Haus vorerst verworfen. Auf der anderen Seite schlagen immer mehr US-Bundesstaaten angesichts der mangelhaften Kapazität des Gesundheitssystems Alarm. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo warnte: Jedes realistische Szenario werde die Kapazitäten überwältigen, insbesondere fehle es an Beatmungsgeräten.

Der teilweise Stillstand der Wirtschaft könnte sich verheerend auf einen bislang stabilen Arbeitsmarkt auswirken. Allein in der vergangenen Woche wurden in den USA 3.28 Mio. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt ­ so viele wie nie zuvor. Nach Einschätzung von Robert Kaplan, Präsident der Fed von Dallas, könnte die Arbeitslosenrate infolge der Pandemie im Frühjahr Werte zwischen zehn und 20% erreichen, bevor sie sich womöglich bis Ende Jahr bei sieben bis acht Prozent einpendelt. Aktuell beträgt die Erwerbslosenquote in den USA historisch tiefe 3.5%. Das Bruttoinlandsprodukt könnte in diesem Zeitraum aufs Jahr hochgerechnet um bis zu -20% schrumpfen. Fed-Chef Jerome Powell zeigte sich zuletzt jedoch nicht ganz so pessimistisch und geht zurzeit davon aus, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder erholen wird.

Die Umfrageergebnisse der Universität Michigan zur Konsumentenstimmung in den USA spiegeln die Auswirkungen der Virus-Pandemie wider. Das Stimmungsbarometer brach im März so stark ein wie zuletzt im Oktober 2008. Derzeit scheint US-Präsident Trump mit seinem Krisenmanagement bei der Bevölkerung gut anzukommen, wie aktuelle Umfrageergebnisse zeigten. Die Corona-Krise ist mittlerweile auch ein entscheidender Faktor in der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahl und die wirtschaftliche Situation könnte kurz vor dem Wahltermin matchentscheidend sein.

IWF: Weltweite Rezession unausweichlich

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist eine Rezession der Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie und den ergriffenen Gegenmassnahmen in diesem Jahr unausweichlich. Zudem dürfte der Konjunktureinbruch schwer ausfallen, mindestens so folgenreich wie in der weltweiten Finanzkrise vor über zehn Jahren. Ab 2021 sei dann aber auch eine Erholung der Weltwirtschaft zu erwarten, vorausgesetzt es gelingt die Pandemie einzugrenzen, meinte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Schwerwiegend dürfte die Krise laut IWF vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer treffen. Es gebe bereits von zahlreichen Ländern Anträge für Notfallfinanzierungen.

Scharfe Kritik aus Italien am EU-Krisengipfel

Der italienische Aussenminister Luigi Di Maio zeigte sich sichtlich unzufrieden mit dem Krisengipfel der Europäischen Union (EU) am vergangenen Freitag. Italien sowie andere EU-Länder wie Spanien dürften angesichts der dramatischen Lage in der COVID-19-Krise auf ein Entgegenkommen gehofft haben – insbesondere von Seiten Deutschlands hinsichtlich der Schaffung von sogenannten «Corona-Bonds», also gemeinsamen Anleihen der Eurostaaten. Vor allem Deutschland hält jedoch dagegen und bevorzugt die Nutzung des Eurorettungsschirms ESM, dessen Kredite aber an Bedingungen geknüpft sind. Die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone ist besonders schwer von der Corona-Krise betroffen und so ist es nicht verwunderlich, dass die neusten Umfrageergebnisse eine deutliche Eintrübung des Geschäftsklimas unter Unternehmen als auch eine Verschlechterung der Konsumentenstimmung zeigen. Der Geschäftsklimaindikator fiel im März von 97.8 auf 81.7 Punkte zurück und weist damit den tiefsten Wert seit Mitte 2013 aus. Das Barometer für das Konsumklima ging von 110.9 auf 101.0 Zähler zurück – der niedrigste Stand seit Anfang 2015. Angesichts der Coronavirus-Pandemie mit mehr als 8000 Toten und einem Stillstand des Wirtschaftsmotors in Norditalien muss mit einem drastischen Einbruch der Wirtschaft und einem Anstieg der Staatsverschuldung gerechnet werden.

Wirtschaftskalender 30. März
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DEDetailhandelsumsätze (J/J)+1.0%
09:00SPVerbraucherpreise (J/J)+0.9%
11:00EZKonsumentenstimmung-11.6
14:00DEVerbraucherpreise (J/J)+1.7%
Unternehmenskalender 14. April
LandUnternehmenPeriode
USJPMorgan ChaseQ1
USJohnson & JohnsonQ1

Quelle: BondWorld.ch