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LGT Navigator: Erneuter Zinsanstieg am Bondmarkt schreckt Aktienanleger

LGT Navigator: Wieder steigende Renditen, vor allem bei amerikanischen Staatsanleihen, und schwächer als erwartete Konjunkturdaten aus den USA sorgten an der Wall Street für erneute Verluste.

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Unter Druck stehen wiederum vor allem Technologiewerte. Das Beige Book, der regelmässige Wirtschaftsbericht der US-Notenbank, sieht die amerikanische Wirtschaft zwar auf moderatem Wachstumskurs, vermochte aber die Stimmung auf dem Börsenparket nicht massgeblich zu verbessern.

Der Dow Jones Industrial schloss gestern -0.39% tiefer bei 31’270.09 Punkten und der marktbreite S&P 500 gab gar um -1.31% auf 3’819.72 Zähler nach. Am stärksten waren die Verluste aber an der Technologiebörse Nasdaq. Der Nasdaq 100 brach um fast -3% ein und stand beim Schlussgong bei 12’683.33 Punkten (-2.88%). Hintergrund war ein erneuter deutlicher Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen aufgrund steigender Inflationserwartungen. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg auf 1.477% und näherte sich damit wieder dem in der vergangenen Woche erreichten Einjahreshoch von 1.6% an. Insbesondere für die investitionsgetriebenen Technologieunternehmen kann dies schlussendlich zu höheren Refinanzierungskosten führen. Auch in Asien setzte sich der Trend fort. Der MSCI-Index für Aktien aus dem asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) verlor zeitweise fast -2%. Für Europas Börsen signalisieren die Futures-Märkte ebenfalls einen negativen Handelsstart.

Mit Spannung erwarten Investoren eine Rede von Fed-Chef Jerome Powell, der um ca. 18:00 Uhr (MEZ) auf einer Konferenz des Wall Street Journals sprechen wird. Dies wird Powells letzter öffentlicher Auftritt sein, bevor die Fed am 17. März ihren nächsten geldpolitischen Entscheid bekannt gibt.

US-Wirtschaft laut Fed auf verhaltenem Wachstumspfad

In ihrem gestern Abend vorgelegten Konjunkturbericht attestiert die US-Notenbank der heimischen Wirtschaft zu Jahresbeginn ein «verhaltenes Wachstum». Für Optimismus sorge insbesondere die laufende Corona-Impfkampagne. Während sich die Situation in der Industrie weiter, wenn auch nur moderat, verbessert hat, leidet der Dienstleistungsbereich deutlich stärker unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Lage am Arbeitsmarkt beschreibt die Fed als «eher durchwachsen». In Bezug auf die Inflation sieht die Notenbank höhere Kosten auf Unternehmensebene, die einerseits durch Probleme in den Lieferketten und andererseits durch eine hohe Nachfrage getrieben werden.

US-Privatwirtschaft schafft neue Stellen, aber weniger als erwartet

Der monatlich von der Arbeitsmarktdienstleistungsfirma ADP veröffentlichte Bericht zur Beschäftigungsentwicklung in der amerikanischen Privatwirtschaft zeigte im Februar ein geringeres Wachstum als von Analysten im Schnitt erwartet. Demnach entstanden im letzten Monat +117’000 neue Jobs im Dienstleistungs- und Industriesektor. Der Marktkonsens ging von 225’000 neugeschaffenen Stellen aus. Zu Jahresbeginn betrug der Jobzuwachs noch 195’000, 21’000 mehr als ursprünglich gemeldet. Laut ADP verzeichnet der US-Arbeitsmarkt weiterhin eine schleppende Erholung auf breiter Front. Der ADP-Bericht basiert auf der Befragung von rund 400’000 Unternehmen in den USA mit etwa 23 Mio. Beschäftigten und gilt als Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht, der am Freitagnachmittag veröffentlicht wird.

Wachstumskurs der US-Dienstleister abgeschwächt

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Branchenverbandes ISM deutet angesichts der Corona-Beschränkungen auf eine Eintrübung des Geschäftsklimas hin. Das Stimmungsbarometer ging im Februar gegenüber dem Vormonat um 3.4 auf 55.3 Punkte zurück. Ökonomen hatten einen unveränderten Wert von 58.7 Zähler prognostiziert. Trotz der anhaltenden Coronakrise hält sich der Dienstleistungs-PMI im Gegensatz zum europäischen Pendant klar über der 50er-Grenze, die ein Wachstum des Sektors signalisiert.

Unternehmensstimmung im Euroraum dank anhaltender Erholung der Industrie etwas aufgehellt

Gemäss den neusten Umfrageergebnissen von IHS Markit hat sich das Geschäftsklima in der Privatwirtschaft in der Eurozone im Februar leicht verbessert. So legte der Einkaufsmanagerindex gegenüber Januar um einen Punkt auf 48.8 Punkte zu, bleibt damit aber nach wie vor unter der 50er Wachstumsschwelle. Dabei verstärkte sich die Erholung im Industriesektor und auch im Dienstleistungsbereich war eine leichte Stimmungsaufhellung auszumachen. Die Dienstleister leiden aber nach wie vor deutlich stärker unter den Pandemie-Beschränkungen. Nach Einschätzung von IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson verdeutlicht die leicht verlangsamte Kontraktion, dass die jetzige Rezession weitaus schwächer ausfallen dürfte, als während der ersten Pandemie-bedingten Krise im letzten Jahr.

Bundesbank rechnet mit signifikantem Inflationsanstieg – jedoch nur temporär

Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass die Verbraucherpreisteuerung in Deutschland im Laufe des Jahres die Marke von +3% überschreiten wird. Dies werde laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann aber nur vorübergehend sein. Im Jahresdurchschnitt rechnet die Notenbank derzeit unverändert mit einer Inflationsrate von +1.8% und 2022 erwartetet die Bundesbank einen weiterhin nur verhaltenen Preisauftrieb. Begründet wird diese Annahme dadurch, dass ein nachhaltiger Inflationsanstieg ein stärkeres Lohnwachstum voraussetzen würde, was derzeit aber nicht zu beobachten sei. Zusammenfassend meinte Weidmann, dass die Aufwärtsrisiken für den Preisausblick durchaus vorhanden seien, das Risikobild insgesamt jedoch eher ausgewogen sei.

Wirtschaftskalender 4. März

MEZ Land Indikator Letzte Periode
10:00 EZ EZB-Monatsbericht  
11:00 EZ Einzelhandelsumsätze (Januar, J/J) +0.6%
11:00 EZ Arbeitslosenrate (Januar) 8.3%
14:30 USA Erstanträge Arbeitslosenversicherung (wöchentlich) 730’000
14:30 USA Produktivität Q4 (ex-Agrar, Q/Q) -4.8%

 

Unternehmenskalender 4. März

Land Unternehmen Periode
CH VAT Q4
DE Merck KGaA Q4
DE Lufthansa Q4
DE Henkel Q4
GB Aviva Q4
USA GAP Q4

 

Quelle: BondWorld.ch